Stehen hinter dem Projekt: (v. li.) Jugendreferentin Sonja Frank, Bürgermeisterin Cornelia Irmer, Vereinsvorsitzender Michael Müller, Projektleiterin Dagmara Sosnowska, Vereinsgeschäftsführer Rudi Mühlhans sowie von der Sparkasse Rainer Wieden und Dieter Krenn. Foto: sh

Steiner Bürger sollen enger zusammenrücken

Geretsried - Ein neues Kapitel schlägt der Trägerverein Jugendarbeit Geretsried auf: In Stein sollen in den nächsten drei Jahren Jugendliche und junge Familien mit Migrationshintergrund besser integriert werden.

Rudi Mühlhans, Geschäftsführer des Trägervereins Jugendarbeit, hatte nach einer Absage nicht mehr an das Projekt geglaubt. Aber dann kam drei Wochen später doch die Zusage durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Geretsried-Stein nimmt teil an dem vom Bundesinnenministerium geförderten Programm „Integration aktiv - gemeinsam geht’s besser“. Es läuft drei Jahre und wird mit 150 000 Euro gefördert. Den Eigenanteil der Stadt in Höhe von 7100 Euro übernimmt die Sparkasse. Die Baugenossenschaft stellt ihre Räume am Steiner Ring 24 als zentrale Anlaufstelle zur Verfügung. Der integrative Verein Samowar wird dort weiterhin Deutschkurse und Nachhilfeunterricht geben.

Ziel des Projekts ist es laut Mühlhans, ein „Netzwerk Integration“ in Geretsried zu schaffen mit dem Fokus auf den Ortsteil Stein. Dort leben die meisten Ausländer und auch die meisten Hartz-IV-Empfänger (40 Prozent) von Geretsried. Man will deren Miteinander und deren Selbstbewusstsein stärken sowie ihr Umfeld ein wenig verschönern. Erste Ideen nannte Projektleiterin Dagmara Sosnowska gestern in einem Pressegespräch. So sollen die Bewohner auf einem Ortsplan einzeichnen, wo sie sich kleine Verbesserungen wie Ruhebänke oder Spielgeräte vorstellen könnten. Außerdem möchte Sosnowska ein Kochbuch mit den Migranten erstellen sowie einen Adventskalender im Freien. Sie will Sprachförderung betreiben, indem sie eine Lese-Ecke einrichtet.

Zielgruppe sind junge Familien, Jugendliche und Heranwachsende, aber auch die Älteren sollen nicht ausgegrenzt werden. Vorgaben vom Bundesamt gibt es keine, der Trägerverein ist in der Gestaltung relativ frei. „Wir wollen, dass die Initiative hauptsächlich von den Bürgern ausgeht“, erklärt Mühlhans. Sein Wunsch wäre es, dass zum Stadtteilfest im nächsten Jahr 250 bis 300 Steiner kommen - auch die, die im „Speckgürtel“, also in den Einfamilien- und Reihenhäusern rund um die Sozialwohnungen, leben. Auf Dauer strebt er eine bessere Verständigung zwischen sämtlichen Einrichtungen an, vom Kindergarten bis zur Landsmannschaft der Russlanddeutschen.

Die neue, von der Stadt angemietete Anlaufstelle am Steiner Ring 24 und der benachbarte Jugendtreff Ein-Stein bilden für den Vorsitzenden des Trägervereins, Michael Müller, ein „ideales Kommunikationszentrum“. Bürgermeisterin Cornelia Irmer weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass besonders die Russlanddeutschen eine Scheu vor öffentlichen Gebäuden haben, weil sie damit in ihrer früheren Heimat schlechte Erfahrungen gemacht haben. Deshalb begrüßt sie es, dass „Integration aktiv“ seinen Sitz in einer ganz normalen Wohnung hat. Ab sofort sind dort alle ausländischen Einwohner willkommen, wenn sie Hilfe bei Behördengängen brauchen, wenn sie ihre Fähigkeiten ausbauen wollen - oder wenn sie einfach nur reden wollen. (tal)

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