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Eine audiovisuelle Reise durch Groove, Jazz und Soul: Charles S. Kuzmanovic machte zusammen mit Ralph Kiefer und Anaj das Kunstprojekt „Strange Fruits“ zu einem sinnlichen, multimedialen Erlebnis.

Kulturtage PiPaPo

Strange Fruits: „Eroberung der Nachdenklichkeit“

Gelting – Wer am Freitagabend die Geltinger Kulturbühne Hinterhalt betreten hatte, fühlte sich wie in einer Kreuzberger Szenekneipe.

Angenehmes Dunkel, und im ganzen Raum nostalgische Stehlampen waren Kulisse und Bestandteil des ungewöhnlichen Kunstprojektes „Strange fruits“. Der Ickinger Pianist Ralph Kiefer, die Sängerin Anaj und der Visualartist Charles S. Kuzmanovic feierten damit Premiere.

Die hochgewachsene Sängerin Anaj – ganz in schwarz mit Perlen im Haar – sorgte gleich zu Beginn für wohligen Schauer mit einem hinreißenden „Sitting On The Dock Of A Bay“. Ausgangspunkt dieses ungewöhnlichen Kunstprojektes war das Lied „Strange Fruits“ mit dem die afroamerikanische Jazz-Sängerin Billie Holiday im Jahr 1939 die wohl stärkste musikalische Aussage gegen Rassismus zu einem Welthit werden ließ. Im Laufe des Abends verschmolzen bekannte Lieder immer mehr mit furiosen Interpretationen des Pianisten Ralph Kiefer, zunehmend umrahmt von ungewohnten lebendigen Bildern des Visualartisten Charles M. Kuzmanovic auf der seitlich angebrachten Leinwand. Zuhörer wie Zuschauer waren sichtlich gefordert. Die teils ungewohnten Klänge des Pianos, die schnellen Bilder auf der Leinwand, die oft gurrende lautmalerische Sängerin Anaj inmitten von ausgewähltem Mobiliar auf der Bühne, waren nicht nur Abendunterhaltung, sondern besondere Anregung zum Nachdenken.

Leider schien es irgendwie, als hätten die ambitionierten Künstler zwischendurch Teile ihres Publikums dadurch ein bisschen verloren. Auch hätte zu den hörbaren Originalaufnahmen des „Strange Fruits“ ein Foto der großen Billie Holiday auf Leinwand projiziert gut getan. Aber als Sängerin Anaj graziös und singend in eine sich mit Wasser füllende Zinkbadewanne stieg, waren wieder alle voll da und lauschten den akustischen Zaubereien ergänzt von Gesang und rhythmischem Klopfen auf dem Waschbrett. Mit der wohlvertrauten Moritat von „Mackie Messer“ aus der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht neigte sich der Abend dem Ende zu. Ein ungewöhnliches, interessantes, manchmal auch etwas sperriges Kunstprojekt, über dessen Ambitionen die Besucher auch lange nach dem letzten Ton nachdachten und diskutierten. Fazit: „Ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Abend.“

(red)

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