Lage ernster als erwartet: Brand an der Wiesn breitet sich aus

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Für den großen Durst: Die Lenggrieserin Amanda Reiter (li.) gewinnt den Halbmarathon am Schliersee. 

Oberland-Challenge

Streckenrekord trotz Kaugummi-Effekt

Daniel Götz läuft Schlierseer Halbmarathon in 1:13 Stunden – Lenggrieserin Amanda Reiter gewinnt Frauen-Wertung

Schliersee/Bad Tölz-Wolfratshausen – Daniel Götz läuft ins Ziel, trabt aus und stützt kurz die Hände auf die Knie. Dann wischt er sich die Schweißtropfen von der Stirn und sagt: „Die letzten fünf Kilometer haben sich gezogen wie Kaugummi.“ Man sieht es ihm nicht an. Der 28-Jährige aus München hat beim Sixtus-Lauf auf der Halbmarathon-Strecke einen neuen Rekord aufgestellt: Nach 1:13:05 Stunden überquerte er die Ziellinie. Für die einen ein Rekord, für Götz ein „guter Trainingslauf“.

Zwei Stunden früher während der Siegerehrung der Kinder kam die Info: Die Startnummern sind aus. Mit 1300 Teilnehmer war das Limit erreicht. Ganz so viele waren es letztlich doch nicht, weil einige Angemeldete nicht kamen. Trotzdem: Ein Rekord bei der sechsten Auflage des Sixtus-Laufs am Schliersee. Der Wettkampf ist längst kein Geheimtipp mehr und steht dem großen Bruder, dem Tegernsee Lauf, in nichts mehr nach.

Für den großen Durst: Die Lenggrieserin Amanda Reiter (li.) gewinnt den Halbmar athon am Schliersee. Foto: kn

Rekord bei den Teilnehmern, Rekord auf der Strecke. Götz ist zum ersten Mal dabei gewesen. Die Wertung in der Laufserie Raiffeisen-Oberland-Challenge (ROC) hatte ihn gelockt. „Bestzeiten kann man hier keine laufen“, sagt er und lässt den Blick über den See schweifen – dorthin, wo er sich 21,1 Kilometer rauf und runter gekämpft hat. „Aber das ist ein toller Landschafts-Halbmarathon.“

Rauf und runter – da mussten alle durch. Ob auf der 7,5-Kilometer-, der Zehn-Kilometer oder der Halbmarathonstrecke blieb kein Läufer von bergigem Gelände verschont. Das fing schon an auf dem Weg von Schliersee, vorbei an Fischhausen bis zum Wasmeier-Museum.

Die Anstiege waren auch der Lenggrieserin Amanda Reiter (50) in Erinnerung geblieben. Als erste Frau auf der Halbmarathonstrecke kam sie nach 1:30:57 Stunden an der Vitalwelt an. „Bei den Anstiegen habe ich gegen die Männer immer verloren“, sagt sie. Abwärts holte sie sie wieder ein. Mit ihrer Zeit hielt sie Vorjahressiegerin und Lokalmatadorin Katja Kronschnabl auf Abstand.

Reiter war zum ersten Mal beim Sixtus-Lauf dabei. „Ich werde auf jeden Fall wieder kommen.“ Die Landschaft und dass sie immer wieder Leute an der Strecke anfeuerten, hatten es ihr angetan. Die Läuferin des PTSV Rosenheim will als Nächstes bei der Deutschen Meisterschaft in Frankfurt den Marathon laufen – am Schliersee hat auch sie nur trainiert.

Nach 2:04:28 Stunden setzte Alfred Barth (64) vom TSV Wolfratshausen den Fuß auf die Ziellinie. Der ROC-Vorsitzende schnaufte noch an der Verpflegungsstation. „Das war anstrengend“, sagte er. „Da sind ein paar ziemliche Buckel drin.“ Besonders der Anstieg bei 15 Kilometer hatte ihm zu schaffen gemacht. Wegen einer Erkrankung stand er nicht so gut im Training. Aber für den 34. Tölzer Blomberglauf am 24. Juni war der Lauf in Schliersee ein guter erster Test.

Barth und die anderen Läufer der ROC feierten Premiere am Schliersee. Eine gelungene: Beispielsweise Markus Brennauer vom TSV Penzberg kam als Dritter mit 1:13:59 Stunden ins Ziel. Nachdem im vergangenen Jahr kein Halbmarathon Teil der Laufserie gewesen war, hatte Barth mit den Veranstaltern des Sixtus-Laufs gesprochen. Der Wolfratshauser ist sicher: „Dadurch wird die ROC wieder attraktiver.“

Ob Hobbyläufer oder Profis, die Veranstalter und Organisatoren freuten sich über den Ansturm. Petra Reindl, Geschäftsführerin von Sixtus, sagte: „Der Sixtus-Lauf liegt uns am Herzen – wir wollen die Region und den Sport unterstützen.“ Auf die Frage von Sportreferentin und Moderatorin Sabine Kirchmair, warum sie noch nie selbst auf der Strecke zu sehen gewesen war, druckste Reindl etwas herum. Zu viele Leute seien ihr das. Auch Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer fand eine Ausrede: „Ich wollte gerne mitlaufen, aber ich musste den Startschuss geben.“

Geschossen hat auch Biathletin Vanessa Hinz. Und zwar zum Start bei den Kindern und Jugendlichen. 155 waren auf die Strecke gegangen, darunter 61 Jugendliche bei der heuer neuen Wertung über 2000 Meter. Als die Nachwuchsathleten ins Ziel flitzten, mahnte Kirchmair am Mikrofon die Zuschauer: „Wenn man ein Handy in der Hand hat und nicht klatschen kann, kann man zumindest den Mund bewegen.“ Die Jubelschreie wurden lauter.

Auf der Strecke waren einige Laufgruppen unterwegs, die sich mit passenden T-Shirts zu erkennen gaben. Ein Team mit besonders vielen Athleten hatte sich um Langläuferin Elisabeth Schicho geschart. Die Schlierseerin war mit 24 Sportlern gestartet. „Ich war der Team-Motivator“, sagt Schicho und lacht. Die zehn Kilometer in 53 Minuten hatten sie nicht an ihre Grenzen gebracht. Anders als einige Team-Mitglieder. „Unsere Taktik ist nicht ganz aufgegangen“, sagt Schicho mit einem Augenzwinkern dazu, dass nicht alle gemeinsam im Ziel ankamen.

Angekommen sind am Ende alle. Die letzten nach mehr als drei Stunden, pünktlich zur Siegerehrung. Das Wetter, samt Wolken und Brise perfekt geeignet für Läufer, hatte auch gehalten. Und wer am Massagezelt den sich ankündigenden Muskelkater schon frühzeitig bekämpft hatte, war auch von einer Neuauflage nicht abgeneigt. Nina Probst

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