Streit um Kurse für Depperl-Test

- Caritas droht Klage der EU-Wettbewerbsbehörde

VON KERSTIN FRANKE Geretsried - Was hat der so genannte Depperl-Test mit der steuerrechtlichen Sonderstellung von Wohlfahrtsverbänden zu tun? Eine ganze Menge, weiß der Geschäftsführer der Caritas im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Toni Thalmaier. "Wir bieten unter anderem in Geretsried Kurse für alkoholauffällige Kraftfahrer an, die sich auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, den Depperl-Test, vorbereiten", berichtet er. Jetzt wurde der Caritas deshalb mit einer Klage der EU-Wettbewerbsbehörde gedroht.

"Vor eineinhalb Jahren warf uns der Bund der Steuerzahler vor, dass wir für diese Schulungen subventioniertes Personal einsetzen und uns dadurch Vorteile auf dem Markt beschaffen", berichtet Thalmaier. Denn die Kurse werden nicht nur von der Caritas, sondern auch vom TÜV, privaten Verkehrspsychologen, sogar Anwälten angeboten. In der geforderten Stellungnahme konnte die Caritas den Vorwurf laut Thalmaier jedoch widerlegen.

Jetzt soll der Wohlfahrtsverband wiederum eine Erklärung abgeben: "Sozial- und Innenministerium prüfen, ob wir bei unseren Kursen insgesamt einen Wettbewerbsvorteil haben, weil wir steuerliche Begünstigungen gewährt bekommen." Diesen Vorwurf kann der Kreisgeschäftsführer nicht nachvollziehen: "Für uns sind die Schulungen alkoholabhängiger Kraftfahrer eine Möglichkeit, früh an die Suchtkranken heranzukommen. Wir erfüllen ganz klar einen Auftrag zur Gesundheitsversorgung."

Außerdem würden die Behörden übersehen, so Thalmaier, dass die Caritas nicht gewinnorientiert, sondern kostendeckend arbeite. Auch preislich würden sich die verschiedenen Anbieter im gleichen Rahmen bewegen. Der Leiter der TÜV-Niederlassung Bayern-Süd in München, so ergab ein Anfrage, war über die Vorwürfe gegen die Caritas nicht informiert.

Wie es weitergeht, kann Thalmaier nicht abschätzen. Der Forderung, die Suchtberatungsstellen der Caritas von diesen Beratungsleistungen auszuschließen, wolle der Verband jedenfalls nicht nachkommen: "Momentan schreiben sich daher die Anwälte."

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