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Im Halbkreis um den Kalkstein: (v. li.) Christian Steeb, Marianne Balder, Leonhard Rieger, Josef Tränkl, Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Ernst Gröbmair nahmen den historischen Fund gestern vor Ort unter die Lupe.

Historischer Fund in Walchstadt

Ein Stück Burg im Vorgarten

Wolfratshausen - Er ist gerade einmal 90 Zentimeter hoch, grau, alt – und heißbegehrt: Leonhard Rieger aus Walchstadt (Gemeinde Icking) hat auf seinem Hof einen Kalkstein stehen, der Teil der Wolf-ratshauser Burg gewesen sein muss. Nun hat er ihn der Loisachstadt zurück vermacht.

„Als ich auf den Hof gefahren bin und den Quader gesehen habe, ist mir erst einmal die Luft weggeblieben.“ Christian Steeb, Hobby-Historiker aus Wolfratshausen, ist die Aufregung und die Freude über den historischen Fund deutlich anzumerken. Auf den Stein aufmerksam gemacht hat ihn der Geltinger Josef Tränkl, der wiederum Leonhard Rieger kennt.

„Ich habe den Quader seit etwa 1981 hier im Vorgarten stehen“, erzählt der Landwirt, während Ernst Gröbmair, Vorstandsmitglied des Burgvereins Wolfratshausen, und Steeb das über eine Tonne schwere Teil genauer beäugen. Der hohe Sockel ist achteckig, darauf ist eine Säulenbasis deutlich zu erkennen. „Hier, auf der Oberseite, sieht man sogar noch Vermessungspunkte“, sagt Steeb und streicht vorsichtig mit der Hand über den Kalkstein, an dem noch ein paar Mörtlreste kleben. Der Wolfratshauser vermutet, dass der Stein Teil der burgeigenen Nikolauskapelle war, oder im Eingangsbereich der Burg seinen ursprünglichen Platz hatte. An einer Seite ist längs ein etwa acht Zentimeter tiefes Stück abgetragen worden. „Als Werkzeug diente vermutlich ein Stockhammer, typisch für das 18. oder 19. Jahrhundert.“ Ganz genau lässt sich das Alter nicht bestimmen, wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mitteilt. Aber auch dort kann man sich die ursprüngliche Verwendung des Brockens durchaus in der Empore eines Sakralraums vorstellen.

Doch wie kommt ein Stück Burg in den Garten von Leonhard Rieger? Das Gemäuer auf dem Wolfratshauser Berg explodierte 1734 nach einem Blitzschlag in den Pulverturm. „Dann kamen Bürger und kauften die Steine, um sie selbst zu verbauen“, kann Marianne Balder, ehemalige Mitarbeiterin des Heimatmuseums, weiterhelfen. Sie selbst hat einige dieser Rechnungen in der Hand gehalten. Riegers Stein ging damals nach Attenhausen und wurde in einem Stall als Stütze eingebaut. Als der Stadl vor einigen Jahren abgerissen wurde, sicherte sich der Walchstädter den Kalkstein.

Nun soll er zurück nach Wolfratshausen gebracht und im dortigen Museum ausgestellt werden. Und was passiert auf dem frei werdenden Platz in Riegers Vorgarten? „Das weiß ich auch noch nicht“, sagt er und lacht. „Ich weiß nur, dass ich mir jetzt einen anderen Sockel für meine Blumenschale suchen muss.“

Sabine Hermsdorf

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