Beethovens Neunte, das Kunstwerk des Monats, eine Bücher-Tauschbörse sowie viele kleine kulinarische Köstlichkeiten: All das und vieles mehr bietet Cäcilia Kohn in ihrem „Freiraum“ an. Foto: Sabine Hermsdorf

Ein Stückchen „Freiraum“ für alle

Münsing - Cäcilia Kohn hat aus dem ehemaligen Marcipane einen neuen Veranstaltungsort in Münsing geschaffen.

„Molly“, „Charly“ und „Flexi“ heißen die Leuchten aus alten Backformen. So kurios die Unikate sind, im „Freiraum“ fallen sie erst gar nicht auf. Zu viele ausgefallene Dinge gibt es im neuen Cafe, Bistro und Laden von Cäcilia Kohn zu bestaunen. Aus dem ehemaligen Marcipane hat die 24-Jährige einen schlicht-modern eingerichteten Kultur-Treffpunkt am Münsinger Dorfplatz geschaffen. Neben einem Bücherverkauf sollen dort künftig Lesungen, Chanson-Abende und andere Veranstaltungen angeboten werden.

Rund ein Dreivierteljahr standen die Räumlichkeiten leer, in denen Christian Kohn gemeinsam mit dem Bestseller-Autor Jan Weiler bis Ende Februar 2013 die Vinoteca Marcipane betrieben hatte. Ursprünglich wollte Martin Bauernfeind sein „Kalumina“ danach dort eröffnen. Doch daraus wurde nichts. Jetzt hat Kohns Tochter Cäcilia ein Stückchen „Freiraum für alle“ geschaffen. „Ein freier Raum, zur freien Nutzung“, so lautet ihr Konzept.

Im „Freiraum“ gibt es eine Bücher-Tauschbörse, kulinarische Kleinigkeiten zum Mitnehmen sowie eine feine Bistrokarte, die ein „bunt gemischtes“ Publikum tagsüber (geöffnet ist von 8 bis 18 Uhr) zum Verweilen einladen soll. „Hier kommt der Friseur, der sich etwas zum Mittagessen holt genauso vorbei, wie andere Gastronomen aus der Umgebung, junge Leute, Künstler und Kunstschaffende vom Ostufer sowie junge Mütter mit ihren Kindern“, sagt Cäcilia Kohn. Für die hat sie im „Freiraum“ extra eine gemütliche Spiel- und Leseecke eingerichtet. Maßgebliche Unterstützung in der Gestaltung erhielt sie von der befreundeten Industrie- und Produktdesignerin Lena Peter. Auf deren Konto gehen auch die anfangs erwähnten Backform-Leuchten sowie die verzinkten Gartenrechen, die zu Garderobenhalterungen umfunktioniert werden. Auch den individuell zusammensteckbaren Holzhocker „Paul“ hat sie konzipiert.

Das „Kunststück des Monats“, diesmal von Anna Huber aus Holzhausen, ausgefallene Geschenkideen, wie die Kuh-Memories des Fotografen Jens Heilmann oder die Wandlerboxen von Regine Kiefer - all dies lässt den Aufenthalt im „Freiraum“ zu einer Entdeckungsreise werden. Und wie in den Wiener Caféhäusern zu Zeiten von Karl Kraus ist es auch im „Freiraum“ erlaubt, so lange man will, bei einer Tasse Kaffee zu sitzen und ein Buch oder die Zeitung zu lesen.

Cäcilia Kohn hat in ihrem jungen Leben schon viele Dinge ausprobiert. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie erstmal klassischen Operngesang am Salzburger Mozarteum. „Schon mein Großvater und mein Onkel waren Opernsänger“, erzählt Kohn. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt sie außerdem Klavier. Darum steht im „Freiraum“ auch ein 120 Jahre alter Flügel. Nach zwei Jahren am Mozarteum war für Kohn jedoch klar: „Ich werde als Sängerin immer nur eine von vielen sein.“ Sie brach ab und entschloss sie sich zu einer Ausbildung als Restaurantfachfrau. Danach gönnte sie sich eine zweimonatige Auszeit bei ihrer Großtante in Südafrika. Zurück in Deutschland entschloss sich Cäcilia Kohn schließlich dazu, ihren neuen „Freiraum“ in Münsing zu schaffen.

Roswitha Diemer

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