An 450 Messstellen kontrolliert die Verkehrspolizei Weilheim das Tempo der Kraftfahrer. Foto: red

Sündteure Portraitfotos

Bad Tölz-Wolfratshausen - Dass ein sündiger Autofahrer hinterm Lenkrad abgelichtet wird, ist im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen keine Seltenheit.

Bei Kontrollen macht die Polizei in zwei Stunden durchschnittliche gut 200 Blitzer-Fotos. Gemeinsam mit einem Zahlungsbescheid flattert den Betroffenen der ärgerliche schwarz-weiß-Schnappschuss ins Haus.

Lichtschranken und digitale Radar-Messtechnik sind in den zwei Spezialfahrzeugen der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Weilheim eingebaut. Mit ihnen kontrollieren die Beamten die Geschwindigkeiten der Verkehrsteilnehmer auf Staats- und Bundesstraßen sowie den Autobahnteilstücken im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Vier Beamte sind zwei Mal täglich für jeweils sechs Stunden im Einsatz. „In unserem Zuständigkeitsbereich, der von Garmisch-Partenkirchen bis nach Weilheim reicht, haben wir 450 Messstellen“, erklärt VPI-Leiter Hubert Schwaiger.

Am Abschnitt der Bundesstraße 11 auf Höhe von Geretsrieds Ortsteil Gelting, an dem die Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer begrenzt ist, halten sich die Beamten laut Schwaiger häufig auf: „Seit Januar wird dort regelmäßig geblitzt.“ Die Stelle gilt als potentieller Unfallschwerpunkt. Nachdem zu Beginn der Messungen noch jeder achte Autofahrer zu schnell unterwegs war, ist die Zahl der Verkehrssünder bereits „deutlich zurückgegangen“. Momentan misst die Polizei laut Schwaiger eine Beanstandungsquote von vier Prozent.

In den Ortschaften sind die jeweiligen Gemeinden für die Kontrollen zuständig. Gemeinsam mit anderen Kommunen schlossen Geretsried und Wolfratshausen eine „Nutzungsvereinbarung“, um die Kosten der Messinstrumente zu teilen. „Wir bestellen bei zugelassenen Firmen die Messungen“, erklärt Martin Melf vom Ordnungsamt der Flößerstadt. Durch dieses Prozedere solle „die Polizei entlastet werden; die hat andere Aufgaben“. Ziel der Kontrollen sei, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Daher würden Gefahrenstellen wie Kindergärten und Tempo-30-Zonen im Fokus der Messbeauftragten stehen.

In Geretsried wird pro Monat etwa 20 Stunden kontrolliert. Die meisten Verstöße werden zu Beginn und am Ende des Berufsverkehrs gemessen, weiß Diana Lischka vom Straßenverkehrsamt. „Da haben es viele eilig.“ Damit die Tempo-30-Begrenzungen im Bereich von Schulen „vermittelbar bleiben“, wurden diese in Geretsried an der Adalbert-Stifter und der Richard-Wagner-Straße für die Ferienzeit aufgehoben.

Die Einnahmen durch die Verwarnungsbescheide nutzen die Kommunen zur Finanzierung der Messungen. Bußgelder, die über die Verkehrspolizei eingefordert werden, fließen in den Landeshaushalt. Manchmal würde allerdings durch Lichthupen-Verstöße mehr Geld zusammenkommen als durch die Geschwindigkeitsübertretungenkontrollen selbst, verrät VPI-Chef Schwaiger. Das Warnen anderer Verkehrsteilnehmer vor den in der Regel gut getarnten Messgeräten mit der Lichthupe ist laut Straßenverkehrsordnung verboten und kostet zehn Euro. Warnhinweise per Radio und Internet sind dagegen erlaubt: „Die Polizei ist da nicht böse. Wenn es mithilft, die Straßen sicherer zu machen, ist es uns recht.“ (dor)

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