+
Es macht einen großen Unterschied, ob jemand zum Spaß in Ägypten oder den Philippinen ein bisschen taucht, oder sich, wie hier im Bild, in die Tiefen eines Gebirgsees begibt. Hier gibt es wichtige Spielregeln zu beherzigen – das tut aber nicht jeder Hobbytaucher.

Taucher schlagen Alarm

Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Starnberger See ist gefährlich, die Steilwand bei Allmannshausen eine potenzielle Todeszone. „Falsch“, sagen erfahrene Taucher.

Dass ihr Sport ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist und als Kamikaze dargestellt wird, hat viele Taucher verärgert. „Es wird auch dann von Tauchunfall gesprochen, wenn der Vorfall nichts mit der Ausübung des Sports zu tun hat, sondern beispielsweise auf gesundheitliche Probleme zurückzuführen ist“, sagt Manuela Leicher, Tauchlehrerin und Geschäftsführerin von „Tauchsport Diveworld Geretsried“.

Dass genau diese Tauchuntauglichkeit ein großes Problem ist, betont Fritz Jäger aus Rosenheim, der als Not- und Taucharzt sowie Internist tätig ist. Im vergangenen Jahr musste er vier Patienten auf einem Tennisplatz reanimieren, zwei starben. „Trotzdem würde niemand behaupten, sie seien durchs Tennisspielen gestorben“, sagt Jäger.

Aus der Praxis weiß Jäger sehr genau, wie viele Menschen unbedingt tauchen wollen, es aber aus gesundheitlichen Gründen eigentlich unterlassen sollte. So hätten viele der Unfälle, die beim Tauchen passieren, mit Übergewicht, Krankheiten wie Asthma, Epilepsie, Diabetes oder Herzstörungen zu tun. Schon eine Erkältung kann zu einem Risiko werden. Ebenso Stress oder das Einnehmen von Medikamenten.

Ein weiteres Problem sei, dass in den vergangenen Jahren verstärkt für den Tauchsport geworben worden und der Zulauf enorm gestiegen sei. Dadurch ist aus einem Leistungs- ein Breitensport für jedermann geworden. Ein fataler Fehler, wie der erfahren Taucher Manfred Sattler aus Geretsried betont. „Die Mehrzahl will nur ein bisschen Fische schauen und entspannen - aber üben, wie man sich in Notsituationen verhält, will kaum jemand.“

„In Ägypten oder sonstwo springt man in Badehose, ohne Handschuhe und Kopfhaube ins warme Wasser, bei guter Sicht - das ist Babytauchen“, sagt Manfred Sattler. Wer hingegen in Bergseen abtauche, treffe auf komplett andere Bedingungen und müsse sich dementsprechend darauf einstellen. „Mitunter gibt es enorme Temperatursprünge - an einem vergangenen Wochenende war das Wasser im Starnberger See an der Oberfläche rund 21 Grad warm, in 30 Metern Tiefe zeigte meine Computeruhr nur noch 2,9 Grad an“, sagt der passionierte Taucher Peter Jentscher aus Geretsried. Über solche scheinbaren Kleinigkeiten sollte man sich vor einem Tauchgang in unbekanntem Gewässer informieren - und verantwortungsvoll die gültigen Regeln einhalten. Davon gibt es Manuela Leicher zufolge genügend. „Sie müssten nur befolgt werden“, sagt sie.“ Dann ist auch der Starnberger See kein gefährlicher See.“ (njd)

Auch interessant

Kommentare