Telekom "spielt den Beleidigten"

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Telekom stoppt (vorerst) den Ausbau des DSL-Breitbandnetzes. Betroffen sind vor allem die ländlichen Gebiete. Bürgermeister und Gemeinderäte reagieren verstimmt.

Der Kampf um das schnelle Internet ist ins Stocken geraten. Nachdem die Bundesnetzagentur der Deutschen Telekom weniger Nutzungsentgelt für die Vermietung der Leitungen zugebilligt hat, will der Telekommunikationsriese vorläufig keine neuen Investitionen tätigen. Leidtragende der Entscheidung sind die Gemeinden, die noch nicht über DSL verfügen.

Das schnelle Internet ist nicht zuletzt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – zum Beispiel für den Münsinger Ortsteil Degerndorf. Seit längerem bemüht sich Bauamtsleiter und Breitbandpate Josef Limm um eine Einbindung ins DSL-Netz – unter anderem wegen des Degerndorfer Gewerbegebietes. Die Gemeinde Münsing hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres ein Angebot von der Bonner Firmenzentrale der Telekom erhalten. „Doch es fehlten Daten, die wir für die Beantragung staatlichen Fördergelder gebraucht hätten“, erklärt Limm. Die Telekom wollte nachbessern – bislang ohne Ergebnis.

Auch in Dietramszell warten die Verantwortlichen seit Wochen auf ein Angebot der Telekom. Noch immer sind die Rechner im Ortsteil Ascholding nicht ans schnelle Internet angebunden. Im Streit zwischen Regierung und Unternehmen sieht Bürgermeisterin Leni Gröbmaier einen „deutlichen Wortbruch der großen Politik“.“ Der Staat habe mit der Preisregulierung eine „völlig unverständliche Kehrtwende“ eingeleitet. Gröbmaier: „Schließlich ist die flächendeckende DSL-Anbindung einst als Ziel ausgegeben worden.“

In Eurasburg ist dieses Projekt zumindest theoretisch größtenteils erfüllt: „Die Glasfaserkabel sind von Beuerberg bis Achmühle verlegt“, meldet Bürgermeister Michael Bromberger. Woran es fehlt, sind Verteilerkästen. Drei sollen in Eurasburg, einer in Achmühle errichtet werden. „Die Verträge sind unterschrieben. Ich gehe davon aus, dass sie eingehalten werden“, sagt der Rathauschef. Bromberger, der nach dem verkündeten Ausbaustopp mit Verzögerungen bei der Anbindung von entlegenen Ortsteilen in seiner Gemeinde rechnet, bemängelt die „wohl sehr emotionale“ Reaktion der Telekom: „Die spielen jetzt den Beleidigten.“ (do)

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