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Ohne Netz und Telefon: Ascholding bei Dietramszell in Oberbayern. Die Telekom scheint überfordert.

Betriebe lahmgelegt

Ganzer Ort über eine Woche ohne Internet und Telefon - das war das Problem 

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Das hat selbst die leidgeplagte Landbevölkerung in Oberbayern noch nicht erlebt: Ein 1000-Mann-Ort ist Tage ohne Internet und Telefon. Am Freitag konnte die Telekom das Problem lösen.

Update vom 10. Juni: Ascholding ist inzwischen wieder online. Am Freitagmittag konnte die Telekom das Problem beheben.

Ganzer Ort Tage ohne Internet und Telefon 

Dietramszell - Wie lange werden wir ohne Telefon und Internet bleiben? Das ist die bange Frage, die sich die Ascholdinger momentan stellen. Eine einfache Antwort gibt es nicht, denn: Auf einen genauen Zeitrahmen will sich niemand festlegen. 

„Wenn das mit dem Provisorium klappt, geht es etwas schneller, wenn nicht, etwas langsamer“, sagt der Geschäftsführer der Gemeinde Dietramszell, Tobias Janda. Das sei die vage Auskunft gewesen, die ihm die Telekom gegeben habe. 

Ascholding seit Donnerstag ohne Internet und Telefon

Sprich: Mit etwas Glück währt der Spuk nur ein paar Tage. Andernfalls müssen sich die Ascholdinger Wochen dauerhaft im digitalen Ausnahmezustand einrichten.

Seit Donnerstagnachmittag ist der größte Dietramszeller Ortsteil wie auf Merkur.de* berichtet offline. Schuld ist das Hochwasser in der Isar, das eine unterirdische Leitung beschädigt hat – und das mitten im Naturschutzgebiet. Die Gemeinde hat laut Janda davon erst am Dienstag durch den Anruf eines Bürgers erfahren. 

Der Holzwirt warnt schon am Eingang: nur noch Barzahlung möglich.

Wie schlimm die Situation ist, zeigt ein Vor-Ort-Besuch vom Merkur.de*. Ganze Betriebe sind seit zehn Tagen lahmgelegt. In den örtliche Gastro-Betrieben ist nur noch Barzahlung möglich.

Gemeinde Dietramszell stolz: Haben festen Ansprechpartner bei Telekom ausgemacht

„Ähnliche Vorfälle kommen in unserer Flächengemeinde immer wieder mal vor“, sagt er. Doch diese Dimension sei neu. Der Gemeindeverwaltung ist inzwischen das Kunststück gelungen, bei der Telekom einen festen Ansprechpartner zu finden. „Das ist für uns schon mal viel wert“, sagt der Geschäftsleiter. „Wir haben uns versprochen, uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.“ 

Jede Neuigkeit zum Internet-Chaos veröffentlicht Dietramszell auf der Homepage

Jede Neuigkeit wird die Gemeinde Dietramszell ab sofort auf ihrer Homepage veröffentlichen. „Die kann man auch über das Handy einsehen“, so Janda. Zugleich werden Aushänge im Rathaus gemacht. Zugleich betont der Geschäftsführer, dass die Behebung der Störung eine Sache der Telekom sei. „Die Gemeinde ist da eigentlich außen vor.“

Netz-Experte: Telekom verpflichtet, Bürger mit Telefon zu versorgen

Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel aus Kochel erinnert daran, dass die Telekom gesetzlich dazu verpflichtet ist, die Bürger mit Telefon und Internet zu versorgen. „Das ist glasklar geregelt“, sagt er. 

Barthel kennt solche Fälle zuhauf, schließlich saß er lange im Beirat der Bundesnetzagentur, einer Behörde, die die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben im Bereich Post, Elektrizität, Telekommunikation und anderen einst staatlichen Bereichen beaufsichtigt. „Eigentlich wollten wir durchsetzen, dass die Telekom dazu verpflichtet wird, die Bürger mit leistungsfähigem Internet zu versorgen.“ Das sei leider nicht gelungen. Aber immerhin: Telefon und schwaches Internet sind Pflicht.

Bürger sollen sich bei Netzagentur über Telekom beschweren

Dass 1000 Bürger ohne Netz bleiben? „Das geht überhaupt nicht“, erklärt Barthel. Er rät Bürgern, sich bei der Behörde mit Sitz in Bonn zu beschweren. Die werde dann ein genaues Auge darauf haben, wie das Unternehmen mit dem Fall umgeht. Ob Regressansprüche für die gebeutelten Geschäftsleute im Ascholdinger Gewerbegebiet möglich sind, könne man nicht pauschal beantworten. „Das hängt vom jeweiligen Vertrag und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab“, sagt er.

Telekom arbeitet an Provisorium 

Aus seiner Erfahrung weiß Barthel: Technische Lösungen gibt es. Er kann sich an Fälle erinnern, wo für ganze Gemeinden Richtfunk eingerichtet worden ist, weil es nicht anders ging. Das sei zwar von der Infrastruktur vor Ort abhängig, grundsätzlich aber möglich. „Das wird teuer, und das wird die Telekom nicht gerne machen“, sagt er. Doch genau da hat die Bundesnetzagentur ein Wörtchen mitzureden.

Lesen Sie auch auf Merkur.de*DAV-Hütte zwei Wochen ohne Telefon - Telekom reagiert nicht

Ein Problem: Leitung liegt unter Naturschutzgebiet - Landratsamt weiß nur aus Presse von Fall

Beim Landratsamt in Bad Tölz kennt man den Fall Ascholding bislang nur aus der Presse. „Wir haben, Stand Mittwochmittag, keine Anfrage bei uns vorliegen“, sagt Behördensprecherin Marlis Peischer. Wenn es nötig werden sollte, Bagger ins Naturschutzgebiet zu schicken, sei die Obere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern zuständig. Dann, so steht zu befürchten, wird es richtig kompliziert. Das Beste für alle wäre es, wenn das mit dem Provisorium klappt.

Info zur Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur erreicht man im Internet (wenn man welches hat) oder telefonisch unter 0228/140.

Reaktion der Telekom auf unsere Anfrage:

Derweil arbeitet die Telekom mit Hochdruck daran, die Ascholdinger wieder ans Netz zu bekommen. Derzeit wird die Möglichkeit geprüft, zwei mobile Masten aufzustellen und ein Drahtseil von etwa 100 Metern über die Isar zu spannen, an dem die Glasfaserleitung befestigt werden kann. 

„Dies ist der kürzeste und schnellste Weg, die Glasfaserleitung provisorisch in Betrieb zu nehmen“, erklärt Sprecherin Lena Raschke. Für das Provisorium sei eine Genehmigung notwendig, da man sich auf der Ascholdinger Seite im Naturschutzgebiet befindet. 

„Den Vor-Ort-Termin für diese Genehmigung versuchen wir derzeit zu beschleunigen.“ Am gestrigen Donnerstag fand darüber hinaus ein weiterer Termin mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamts Weilheim statt, bei dem es darum ging, eine neue Druckleitung zu planen. 

Wie die Telekom mitteilt, können sich Kunden im Fall einer längeren Störung an die Hotline unter der Nummer 0800/3301000 wenden. Dort kann man sich eine vorübergehende Rufumleitung auf das Handy legen lassen. „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und bitten unsere Kunden um Verständnis“, so Raschke.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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