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Neues Werk: Dr. Sybille Krafft (stehend) und ihr Autorenteam bei den Abschlussarbeiten an dem neuen Buch des Historischen Vereins, das demnächst erscheint.

Historischer Verein legt neues Buch vor

Wolfratshausen - Der Historischer Verein hat ein neues Buch vorgelegt.

Die Autoren scharen sich um Dr. Sybille Krafft, Chefin des Historischen Vereins, und um den dicken Stapel großformatiger Druckfahnen mit vielen bunten Abbildungen. Nach zwei Jahren harter Arbeit – „alles ehrenamtlich und ohne jedes Honorar“, wie Krafft betont – ist das 248 Seiten starke Buch mit dem Titel „Ärzte, Hexen, Handaufleger. Medizingeschichte im Isar- und Loisachtal“ so gut wie fertig. 35 Beiträge in fünf Hauptkapiteln werden den Lesern spannende Unterhaltung und Information zugleich bieten.

„Wir haben mit dem zehnten Band ein Riesenprojekt gestemmt, für das wir finanziell mit vollem Risiko in Vorleistung gehen mussten“, sagt Krafft. Allerdings ist sie sich sicher, dass ihrem Team und ihr selbst – sie steuerte fünf Artikel bei – ein großer Wurf gelungen ist, der sich auszahlt und so Kapital für neue Projekte einspielt.

Das Spektrum an Themen reicht von der „Pest im Isar- und Loisachtal“ und dem „Kinderkriegen und Hebammenwesen“ (Bernhard Reisner), „Über die Friedhofskultur“ (Paul Brauner) bis zu gruseligen Geschichten: Kaija Voss klärt über „Eingepökelte Knaben“ bei der Nikolauskapelle in Geretsried auf, die der Heilige Nikolaus rettete und heilte. Zusammen mit Wolfgang Schäl schreibt Voss über die Anfänge des Krankenhauses Wolfratshausen und den Kampf um die Erhaltung des alten Krankenhauses. Anja Brandstätter berichtet über den Maler Karl Wilhelm Diefenbach, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Höllriegelskreuth eine „Nackerten-Kommune“ gründete und noch vor dem Ersten Weltkrieg mit dem ersten Nudistenprozess „belohnt“ wurde. Wer mehr wissen will, muss lesen.

Ursula Hämmerling schreibt über den Beruf der Bader, Vorläufer unserer Ärzte, und die Hilfsdienste in Wolfratshausen. Heidrun Opitz schließt sich mit der Geschichte der Marienapotheke und der Entstehungsgeschichte der Apotheken und Klostergärten im Landkreis an. Auf besonderes Interesse dürfte Wolfgang Schäl stoßen, der nicht nur über die moderne „Hexe“ Lucia Francia erzählt – sie ist übrigens auch mit einem eigenen Beitrag vertreten –, sondern ein Rezeptbuch aus dem Barock bearbeitete: „Ein Geltinger aus der Ziegelei fand es auf einem Dachboden, und die Rezepte sind so gruselig, dass man kaum glauben kann, dass die Leute derartige ‚Behandlungen‘ überlebt haben.“ Dr. Peter Schweiger beleuchtet Zahnheilkunde und ein Lazarett in Holzen vor 1918, Sybille Krafft die Medizin im Dritten Reich – es ist nicht möglich, alle tollen Themen aufzuzählen.

Ab kommenden Montag läuft der Vorverkauf für die große Buchvorstellung in der Loisachhalle mit Musik, Kabarett und Zeitzeugen-Interviews. „Da die 500 Tickets schnell weg sein dürften, lohnt sich die schnelle Order“, rät Bernhard Reisner. Es gibt sie bei München-Ticket für 15 Euro oder online unter www.muenchenticket.de. Die Startauflage des 248 Seiten starken gebundenen Buches (24,90 Euro) beträgt 2000 Exemplare, der Verkauf beginnt am 14. November in den Buchhandlungen der Region. Zuvor müssen Krafft und Savigny noch viel Zeit in die Schlussredaktion investieren.

Dieter Klug

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