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Planspiele: Der Stadtrat will die Variante B weiterverfolgen. Danach würde die Tribüne auf der Seite zur Isaraustraße hin abgerissen. Dort könnten stattdessen neue Funktionsräume gebaut werden.

Tendenz in Richtung Generalsanierung

Geretsried - Vor einem Jahr wurde der Arbeitskreis „Zukunft Eissport“ gegründet. Am Dienstag gab es im Stadtrat erstmals öffentlich Ergebnisse. Danach können die Fundamente des alten Eisstadions wohl ein neues Dach tragen. Allein damit ist es aber nicht getan.

Stadtarchitekt Christian Müller erinnerte in der Sitzung zunächst an die Vorgeschichte. Das Dach des Heinz-Schneider-Eisstadions wurde als Folge aus dem Schneechaos und dem Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall 2006 zurückgebaut. Zwei Jahre hielt die Stadt den Betrieb des Stadions aufrecht. Mit der Finanzkrise 2009 drohte die Schließung. Mit 27:0 Stimmen beschloss der Stadtrat damals, kein neues Dach zu bauen. Der Eissportclub (ESC) Geretsried erklärte sich bereit, das Eisstadion in offener Form weiterzubetreiben. Seitdem „rettet man sich von Saison zu Saison“, so Müller. Um dem Verein eine Perspektive für die Zukunft zu geben, wurde vor einem Jahr ein Arbeitskreis gegründet.

Als erstes überprüfte das Ingenieurbüro Sailer Stepan und Partner die Statik des alten Stadions. „Leider sind nicht alle Unterlagen vollständig“, erklärte Dr. Johann Pravida in der Sitzung am Dienstag. Von 1973 bis Anfang der 1990er Jahre wurde an das Stadion immer wieder etwas hinzugebaut. Unter dem Strich kommt der Ingenieur aber zu dem Ergebnis, dass die Fundamente auf der Festplatzseite ein neues Dach tragen würden. Zur Isaraustraße hin wären dagegen Bodenverbesserungen erforderlich. Man könnte die Tribüne dort aber auch abbrechen, was laut ESC durchaus denkbar wäre, und ein neues Fundament setzen. Dadurch würde sich auch die Spannweite und damit die Kosten eines neuen Daches reduzieren.

Diesen Vorschlag greift auch Daniel Hock in seinem Entwurf auf. Der Architekt sitzt als ESC-Mitglied im Arbeitskreis und hat ehrenamtlich die so genannte Variante B skizziert. Danach könnte man den Eingangsbereich auf die Seite des vorderen Parkplatzes verlegen und die Funktionsräume des Stadions zur Isaraustraße hin neu bauen. In Summe schätzt Stadtarchitekt Müller die Kosten für eine solche Generalsanierung grob auf fünf Millionen Euro.

SPD-Fraktionschef Hans Hopfner rechnet eher mit sechs Millionen Euro, plädierte aber dennoch für diese Lösung. Das Eisstadion nur zu überdachen und an drei Seiten zu schließen, wie es die Variante A für knapp drei Millionen Euro vorsieht, wäre nur eine „notdürftige Sanierung, die uns für die Zukunft nicht weiterbringt“, so Hopfner. Auch würde sich hier wieder das Schallschutzproblem stellen.

Die dritte Variante wäre, ein komplett neues Stadion zu bauen. Laut Müller hat der Arbeitskreis acht Standorte analysiert, von denen sechs in Privatbesitz sind. Mit einem Grundstückseigentümer gab es auch schon Gespräche. Um welches Areal es sich handelt, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Der Vorteil eines neuen Standorts wäre, dass man dort neben einem Eisstadion auch einen doppelt so großen Festplatz sowie neue Fußballplätze bauen könnte – als Ersatz für die Plätze, die mit der S-Bahn-Verlängerung auf der Böhmwiese wegfallen würden. Der Nachteil: Ein solches Projekt kostet mit Grunderwerb und Erschließung zwischen 17 und 18 Millionen Euro. Zwar könnte man zur Gegenfinanzierung das Gelände an der Jahnstraße als Wohnbaufläche verwerten. Mit dem Erlös wäre nach einer ersten Schätzung aber nicht einmal die Hälfte der Kosten abgedeckt. Freie-Wähler-Sprecher Robert Lug zweifelte diese Zahlen an.

Heidi Dodenhöft (FW) ist neu im Stadtrat und als Konrektorin der Karl-Lederer-Grundschule eine Verfechterin des Eissports. Ihrer Meinung nach sollte ein Stadtrat „nicht nur reparieren“, sondern „zukunftsorieniert denken“. Deshalb wollte sie einen Neubau an anderer Stelle nicht sofort abhaken. Auch CSU-Ortschef Ewald Kailberth fand die Variante C durchaus verlockend. „Das Problem ist die Zeitschiene“, sagte er. In den nächsten zehn bis 15 Jahren sei ein solches Projekt nicht zu verwirklichen. Und bis dahin, so die Befürchtung der Mehrheit, sei der Eissport in Geretsried tot.

von Sabine Schörner

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