Theater im Gotteshaus

- Wolfratshausen – Eine Kirche ist keine Bühne, höchstens eine Bühne Gottes – möchte man meinen. Für Florian Gruber, den evangelischen Pfarrer von St. Michael, ist der Kirchenraum primär Versammlungsort für die Gemeinde, und damit an sich noch nicht heilig. Deshalb hat der Geistliche – „ganz neugierig und voller Vorfreude“ – ein Theaterprojekt in St. Michael genehmigt. Drei Schauspieler werden dort am Sonntag, 5. Februar, 19 Uhr, für den guten Zweck improvisieren.

VON HELGA GANDLGRUBER <P>Fried-Thorsten Jantzen holte das Projekt nach Wolfratshausen. Er lebt seit eineinhalb Jahren in der Loisachstadt und ist Vorsitzender des Freundeskreises Improvisationstheater. Er habe ein geeignetes öffentliches Gebäude vor Ort gesucht, erzählt er. Erst habe er etwas gezögert, den Pfarrer seiner Kirchengemeinde zu fragen: &#8222;Ich hatte viele Einwände erwartet.&#8220; Doch Gruber sei sofort einverstanden gewesen, weil der Pfarrer ein offenes Ohr für die Kultur habe. Wohl auch, weil die Einnahmen &#8211; der Eintritt ist frei, um Spenden wird jedoch gebeten &#8211; in vollem Umfang dem behindertengerechten Ausbau des Gemeindehauses zugute kommen. <P>&#8222;Anti-Kirchliches wäre fehl am Platz.&#8220; <P>Gruber hält seine Gemeinde für sehr aufgeschlossen. Zudem habe der Kirchenvorstand auch schon im Gotteshaus Theater gespielt. Für Juli seien wieder Aufführungen geplant. Natürlich dürfe die Theatergruppe &#8222;keine gegen die Religion gerichteten Inhalte aufführen&#8220;: &#8222;Anti-Kirchliches wäre fehl am Platz.&#8220; Davon abgesehen haben die Schauspieler aber vollen Freiraum. Kritische Stimmen zu dieser Veranstaltung habe er noch nicht gehört. Zumal durch Ort und Inhalt des Stückes &#8211; wie wird der Raum erlebt &#8211; Bezug zur Kirche hergestellt sei. <P>Er glaubt, dass die Kirche voll wird. &#8222;So etwas Hochprofessionelles sieht man doch sonst nur in Kulturhochburgen.&#8220; Lantzen fügt hinzu: &#8222;Das ist vielleicht ein neues Pflänzchen der Kultur in Wolfratshausen, wo doch die Loisachhalle so schnell nicht wieder öffnen wird.&#8220; <P>Lantzen hofft auf mindestens 120 Zuschauer, auch aus München, denn im dortigen Hinterhof-Theater und im Schlachthof hat das so genannte Fastfood-Theater eine feste Fangemeinde. Lantzen erwartet auch deshalb viele Interessierte, weil die &#8222;Entdeckungen&#8220;, so heißt dieses Konzept des Improvisationstheaters, erst zum zweiten oder dritten Mal stattfinden. Premiere war übrigens in einer Gießinger Küche. Den Kirchenraum sieht Lantzen als &#8222;künstlerische Herausforderung&#8220; für die drei Schauspieler. Diese erleben unterstützt von einem Moderator den für sie neuen Raum. Die Zuschauer sind aufgefordert, den Prozess zu beeinflussen, indem sie außergewöhnliche Begriffe einwerfen. Aus den Assoziationen der Schauspieler &#8211; kombiniert mit denen der Zuschauer &#8211; entstehen Geschichten. Vorherige Absprachen, das verspricht Lantzen, werde es nicht geben. &#8222;Die Schauspieler betreten die Kirche gemeinsam mit den Zuschauern. Was dann passiert, weiß niemand so genau.&#8220; <P>Respektvoller Umgang mit Ort der Entdeckungen <P>Christiane Pfau, die die Öffentlichkeitsarbeit für das Fastfood-Theater macht, erklärt, dass man natürlich &#8222;sehr kontemplativ, sehr respektvoll&#8220; mit dem Ort der &#8222;Entdeckungen&#8220; umgehen werde. Das neue Format sei also wie geschaffen für eine Kirche. <P>

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