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10.000 Euro für Tierschutz: Warum sich das Geld für Wolfratshausen lohnt

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Tierheim Gelting
Im Tierheim in Gelting kümmert sich der Tierschutzverein Wolfratshausen-Geretsried und Umgebung um Fundtiere – ein kostspieliges Unterfangen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Der Tierschutzverein übernimmt für die Stadt Wolfratshausen kostspielige Aufgaben. Das Credo der Tierheim-Chefin: „Jedes Lebewesen hat seine Chance verdient.“

Wolfratshausen/Geretsried – Um die Versorgung von Fundtieren sicherzustellen, entschieden sich die Mitglieder des Hauptausschusses des Stadtrats einstimmig dafür, den örtlichen Tierschutzverein mit 9500 Euro zu bezuschussen (wir berichteten). Das entspricht 50 Cent pro Bürger. Auf den ersten Blick eine stattliche Summe, doch bei genauerem Hinschauen entpuppt sich der Zuschuss als gutes Geschäft für die Kommune. Denn der Verein übernimmt die kostspieligen Aufgaben, die sich rund um Tierfunde drehen.

Tierheim Gelting erhält 10 000 Euro von Stadt Wolfratshausen - warum sich das lohnt

50 bis 100 Mal pro Jahr bekommt die Leiterin des Tierheims in Geretsried-Gelting, Manuela Ravara, tierische Gäste, mit denen sie nicht gerechnet hat: Mal stellte jemand drei Kisten mit insgesamt 18 Meerschweinchen vor die Tür des Josefa-Burger Tierheims, mal meldet sich ein Bürger, dem ein Hund oder eine Katze zugelaufen ist. Und manchmal steht nachts die Polizei vor der Tür des Tierheims, um einen Vierbeiner in Ravaras Obhut zu geben.

Tierschützer und Polizei arbeiten zusammen: Beamte mit Herz für Tiere

„Ich habe zum Glück einen ,Hab-acht-Schlaf‘“, so die Tierheimleiterin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn also draußen plötzlich ein Blaulicht zu sehen ist oder eine Autotür zuschlägt, weiß ich schon, was los ist.“ Denn Fundtiere, die nachts entdeckt werden, müssen der Polizei gemeldet werden – eine Streife bringt sie anschließend nach Gelting. „Das ist eine sehr gute Zusammenarbeit“, lobt Ravara die Vertreter der Inspektionen in Wolfratshausen und Geretsried. Ist das Fundtier verletzt, bringen es die Beamten auch schon mal selbst zum Tierarzt oder in die Tierklinik. „Sie haben eine Notfallliste“, erklärt Ravara. „Es geht ja nicht nur um eine von einem Auto angefahrene Katze, es kann genauso ein verletzter Greifvogel sein.“ Die Rechnung für die tierärztlichen Leistungen gehen dann erst einmal an den Tierschutzverein.

Fundtiere - was passiert mit Katzen und Hunden nach dem Fund?

Landet ein Fundtier im Tierheim, kommt es zunächst für zwei Wochen zur Beobachtung in Quarantäne. „Hat es Durchfall? Frisst es? Wie ist sein Allgemeinzustand?“ Lässt sich in der Zeit über eine Tätowierung oder einen eingepflanzten Chip kein Besitzer ausfindig machen, wird beispielsweise das Kätzchen neben einem allgemeinen Gesundheitscheck entwurmt, geimpft und – falls notwendig – kastriert. Kosten: „Etwa 250 Euro nur für die reine Behandlung.“

Dazu kommen die Aufenthaltskosten, das sind unter anderem die Verpflegung, die Heizkosten und das Einstreu. Ravara: „Bei Katzen kann man mit neun Euro pro Tag rechnen, bei Hunden mit zwölf Euro.“ Braucht der neue Bewohner aufgrund einer Krankheit, zum Beispiel Nierenproblemen, ein spezielles Futter, steigen die Kosten rasant. Aufenthalte in Tierkliniken, Laboruntersuchungen und Medikamente lassen die Aufwendungen über die 1000-Euro-Marke schnellen.

Hunde, Katzen, Meerschweinchen und Co: Im Tierheim Gelting werden sie gepflegt

Ravara schildert einen aktuellen Fall: ein Langhaar-Kater mit total verfilztem Fell, einem Abszess durch eine Bissverletzung, einer Entzündung an der Zunge sowie mit Kryptorchismus (ein oder beide Hoden liegen nicht im Skrotum). Die Katze musste geschoren werden, dann wurden die Wunden versorgt. „Bei der Operation wurde zudem in der Leiste eine Geschwulst festgestellt. Und dann musste noch die Sache mit der Kastration auf die Reihe gebracht werden, sprich, der zweite Hoden gefunden werden.“ Gesamtkosten bis jetzt: rund 800 Euro.

„Vielleicht schüttelt hier mancher den Kopf, aber jedes Lebewesen hat seine Chance verdient“, sagt dazu Ravara. Auch die Versorgung von Kleintieren hat ihren Preis: „Einen Meerschweinchenbock zu kastrieren kostet etwa 45 Euro. Jetzt kann man es sich einfach ausrechnen, was es bedeutet, wenn wir hier über Nacht plötzlich neun Jungs sitzen haben.“

Tiere aus dem Heim: Manche bleiben für immer dort

Die Tiere bleiben so lange im Heim, bis sich entweder der Besitzer meldet („Hunde werden innerhalb von ein, zwei Tagen abgeholt, das Problem sind eher die Katzen“) oder für das Tier ein neues Zuhause gefunden werden konnte. Das kann bis zu vier Monate dauern. Und: „Manche können gar nicht mehr weitergegeben werden. Beispielsweise, wenn sie zu alt und chronisch krank sind.“

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Und dann ist da noch die Sache mit den Tieren, die nach dem Tod ihres Herrchens oder Frauchens im Tierheim in Gelting abgegeben werden – nicht zu vergessen die sogenannten Verwahrtiere, die auf behördliche Anweisung ihrem Besitzer entzogen werden mussten. Ravara: „Auch wenn das keine Fundtiere sind – um sie muss sich ebenso gekümmert werden.“

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