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Betten statt Barren heißt es wohl blad auch in den Turnhallen im Landkreis - sie werden wohl spätestens Mitte September mit Asylbewerbern belegt.

Flüchtlingsstrom nimmt weiter zu

Im September: Turnhallen werden mit Asylbewerbern belegt

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Betten statt Barren in den hiesigen Turnhallen: darauf müssen sich Schüler, Sportler und Vereine einstellen. Der Zustrom an Asylbewerbern wird eine neue Dimension annehmen.

23 neue Flüchtlinge pro Woche werden aktuell dem Landkreis zugeteilt. Dr. Michael Foerst, Abteilungsleiter für soziale Angelegenheiten im Landratsamt, rechnet mit einer „deutlichen Zunahme“: 40 Neuankömmlinge wöchentlich könnten es bald sein. Schon jetzt reichen die Unterkünfte kaum aus.

Spätestens Mitte September ist es soweit

Dr. Michael Foerst, Abteilungsleiter für soziale Angelegenheiten im Landratsamt

Letztes Mittel: Wie in den umliegenden Landkreisen bereits geschehen, müssen Asylbewerber in Turnhallen untergebrachtwerden. „Spätestens Mitte September“ – zeitgleich mit dem Schulanfang – rechnet Foerst mit der Belegung erster Sporthallen. Die Gemeinden wüssten bereits, was auf sie zukommt. Seine Abteilung habe den Rathauschefs geschrieben und über sie in Erfahrung gebracht, dass zwischen der Jachenau und Icking 21 kommunale Hallen stehen, sagt der Ressortleiter. Dazu kämen weitere, die im Besitz von Sportvereinen beziehungsweise des Landkreises selbst sind. Ausgenommen sind die Sporthallen des Tölzer Gymnasiums und im Geretsrieder Schulzentrum. Sie sind als Erstaufnahmelager, also quasi als Durchgangsstation, vorgesehen, falls die entsprechenden Einrichtungen in München komplett dicht sind.
 
Foerst meint, in einer Halle bis zu 40 Menschen unterbringen zu können. „Gehen wir von den neuen Zahlen aus, füllen wir folglich jede Woche eine Turnhalle.“ Rechtlich ist deren Übernahme zur Unterbringung von Flüchtlingen abgesichert. „Würden wir den Menschen, darunter Schwangere und Kinder, keine Unterkunft bieten, wären sie obdachlos“, sagt der Jurist. Obdachlosikeit aber sei eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

Hallen können auch beschlagnahmt werden

„Das bedeutet wiederum unter Umständen Gefahr für Leib und Leben, und das müssen wir innerhalb der Notstandsszenarien ausschließen.“ Würden sich Gemeinden gegen eine Übernahme ihrer Halle sperren, besteht nach dem Landesstraf- und Verordnungsgesetz die Möglichkeit, das Gebäude zu beschlagnahmen. Ähnliches gelte laut Foerst für vereinseigene Hallen, „sofern die Verhältnismäßigkeit gegeben ist, also der Landkreis seine eigenen Gebäude schon zur Verfügung gestellt hat“.

Foerst und seine Mitarbeiter hoffen aber auf Kooperation. Eine Lenkungsgruppe hat einen Kriterienkatalog erstellt, der festlegt, ob und in welcher Reihenfolge die Hallen umfunktioniert werden. Darüber sollen die Landkreis-Bürgermeister am Montag in einer Dienstbesprechung diskutieren. Der Katalog berücksichtigt Aspekte wie die Lage der Halle. „Steht sie frei? Oder ist sie ins Schulgebäude integriert?“, erläutert der Amtsleiter.

Hallen sollen eine Übergangslösung bleiben

Die Beleuchtung („Wochenlang im Dunkeln zu leben, das geht nicht“) spiele ebenso eine Rolle wie Notausgänge, Sanitäranlagen und die Frage, wie viele Asylbewerber die jeweilige Kommune bereits aufgenommen hat. Foerst bekräftigt, dass Turnhallen als Wohnstatt „nur eine Übergangslösung“ in der Flüchtlingspolitik sein dürfen. „In dieser Phase müssen wir Alternativen suchen und finden. Das können beispielsweise Traglufthallen sein, wie sie Landkreis München schon stehen.“

von Peter Borchers

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