Die Ungewissheit hat ein Ende: Vor vier Jahren ist der Vater von Lothar Schattschneider spurlos verschwunden. Jetzt wurden Knochen in einem Bachbett bei Bad Wiessee als die des 80-Jährigen identifiziert. Er starb durch einen Unfall. Foto: red

Trauerarbeit auf dem letzten Weg des Vaters

Geretsried - Lothar Schattschneider hat endlich Gewissheit. Nach vier Jahren hat sich das spurlose Verschwinden seines Vaters aufgeklärt.

Wie berichtet wurden kurz vor Ostern Knochen aus einem Bachbett bei Bad Wiessee als die des 80-jährigen Georg Schattschneider identifiziert. „Etwas Ähnliches habe ich mir schon gedacht“, sagt der Sohn. Auf der einen Seite war es für ihn „eine gewisse Erleichterung“, endlich Gewissheit zu haben, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat - und nicht um ein Verbrechen. „Dieser Gedanke hat mir natürlich anfangs auch eine Zeitlang im Kopf herumgespukt.“ Auf der anderen Seite war es für Lothar Schattschneider „etwas unangenehm, mit all dem noch einmal konfrontiert zu werden“. Es hätte nicht mehr lange gedauert, und der Vater wäre für tot erklärt worden. Fünf Jahre ist die Frist bei über 80-Jährigen.

Wie berichtet hatte sich der ehemalige Fernfahrer Georg Schattschneider nach Erkenntnissen der Kripo Miesbach am 4. November 2005 auf dem Heimweg von Traunstein nach Geretsried nachts bei Bad Wiessee heillos verfahren. Er konnte den Wagen in einer Forststraße nicht mehr manövrieren, ging zu Fuß weiter und stürzte in einer Schlucht ab.

Für seinen Sohn Lothar ist es immer noch ein Rätsel, wie der Vater, der zum Zeitpunkt des Verschwindens rüstig und fit war, so weit von der Route abkommen konnte. „Die Strecke ist er eigentlich im Schlaf gefahren“, sagt er. Was mit den sterblichen Überresten seines Vaters geschehen wird, weiß er nicht. Näheres klärt ein Anwalt für ihn. Für den Sohn steht nur fest, dass er den letzten Weg seines Vaters im Sommer noch einmal zu Fuß abgehen möchte. „Das ist für mich eine Art Trauerarbeit“, sagt er.

Erzürnt hat ihn anfangs, dass es nicht die Polizei war, die ihm die Nachricht überbracht hat, sondern unsere Zeitung. „Darüber habe ich schon gestaunt, die Polizei hat ja meine Nummer, und wir haben anfangs auch sehr gut zusammengearbeitet.“ Doch der Ärger ist verflogen, weil sich die Kripo Miesbach für den Fehler persönlich entschuldigt hat. „Damit ist der Fall für mich erledigt.“

Konrad Rutzinger, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, bedauert die Panne. „Die Kripo Miesbach hat uns den Fall zur Veröffentlichung weitergegeben.“ Es wäre auch Sache der Kripo gewesen, die Angehörigen zu verständigen. Dass es ein Dreivierteljahr gedauert hat, bis die in einem Bachbett gefundenen Knochen zugeordnet werden konnten, ist für Rutzinger nichts Besonderes. „Die Gerichtsmedizin behandelt Gewaltverbrechen vorrangig.“ Die Identifizierung Vermisster nehme daher längere Zeit in Anspruch. (vu)

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