Eine Institution: Weil sie die Gäste so mag, fährt Helga Hausberger 110 Kilometer zur Arbeit ins Rittergütl. Foto: sewald
+
Eine Institution: Weil sie die Gäste so mag, fährt Helga Hausberger 110 Kilometer zur Arbeit ins Rittergütl.

Darf’s noch was sein ? 

Treuer kann eine Seele kaum sein

Icking – Zwar müssen Essen und Trinken schmecken in unseren bayerischen Traditions- Gasthäusern. Aber auch wegen der netten Bedienung kommt man gerne wieder. Wir stellen in loser Folge gute Seelen der Gastronomie vor. Heute: Helga Hausberger vom Rittergütl in Irschenhausen.

Seit 22 Jahren arbeitet Helga Hausberger als Bedienung im Rittergütl. Seit neun Jahren pendelt sie dafür jedes Wochenende von Alpbach in Tirol nach Irschenhausen, 110 Kilometer einfach. Nicht, weil es in Tirol nicht auch schöne Gasthäuser geben würde, sondern weil ihr die Bestätigung durch die Gäste so wertvoll ist: „Unsere Gäste lassen mich spüren, dass sie mich gern mögen. Das ist das wichtigste für mich.“ Beispiele dafür fallen ihr so viele ein, wie es Kieselsteine an der Isar gibt.

Unangenehme Begegnungen sind die Ausnahme. Deshalb erinnert sie auch noch sehr gut daran, dass sie einmal einen hochdotierten Musik-Professor unflätig beschimpft hat. „Er kam erst kurz vor halb zehn, und ich habe ihm gesagt, für warmes Essen müsse er sich schnell entscheiden, weil die warme Küchen gleich schließt“, berichtet Helga Hausberger. Und weiter: „Dann hat er noch telefoniert und telefoniert. Als er bestellen wollte gab’s halt nur noch Brotzeiten. Da hat er mich angeherrscht, ich sei eine blöde Gans, und wir seien eine kleinkarierte Wirtschaft.“ Die Empörung steht ihr auch Jahre später noch ins Gesicht geschrieben.

Kleinkariert sind dabei nicht mal die Tischdecken im Rittergütl. Alles ist freundlich gehalten, zartgrün gestreift. Freundlich ist auch der Umgangston. Mit den Gästen und auch unter den Kollegen: „Wir sind ein gutes Team. Da fehlt sich nix“, bestätigt die 54-Jährige: „Das merken sicher auch unsere Gäste.“ Inzwischen kennt sie die schon teils in der zweiten Generation. Manche Kollegin hat sie schon im Kleinkindalter als Gast gehabt: „Auch bei den Gästen kommen manche Kinder mittlerweile mit den eigenen Kindern. Das ist wie eine große Familie.“

Sie hat schon bei unzähligen Familienfeiern geholfen, dass alle Gäste wunschgemäß mit Getränken und Essen versorgt werden. Zu ihrem eigenen Geburtstag dürfen sich die Mitarbeiter im Rittergütl immer ihr Lieblingsessen wünschen. Helga Hausberger freut sich schon jetzt auf ihren Zwiebelrostbraten. Den gibt’s für sie dann zum 22. Mal. Treuer kann eine Seele kaum sein.

von Bettina Sewald

Auch interessant

Kommentare