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Trotz Krankheit: 14-Jährige hält an Traum fest - und tanzt auf deutscher Meisterschaft

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Tanzbegeistert: Johanna Heindl im Tanzoutfit mit ihrem Korsett.
Tanzbegeistert: Johanna Heindl im Tanzoutfit mit ihrem Korsett. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Johanna Heindl (14) hat Skoliose, eine Wirbelsäulenverkrümmung. Trotzdem nimmt das Mädchen an den DAT German Open Championships teil.

Königsdorf – Die zehn Tänzerinnen von TB Blossom aus Wolfratshausen betreten die Bühne. Jubel brandet auf, dann erschallen die ersten Beatklänge. Rund 1000 Besucher und Teilnehmer verfolgen begeistert jeden Schritt der jungen Mädchen. Hier, in Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz), kämpfen sie gemeinsam mit anderen Gruppen um den Titel in der Offenen Deutschen HipHop-Meisterschaft des Deutschen Amateur-Turnieramt (DAT), die Tanzturnier-Abteilung des Berufsverbands Deutscher Tanzlehrer.

Trotz Krankheit: 14-Jährige hält an Tanz-Traum fest - und tanzt auf deutscher HipHop-Meisterschaft

Unter ihnen ist Johanna Heindl. Das 14-jährige Mädchen aus Königsdorf ist an Skoliose, also einer dreidimensionalen Verkrümmung der Wirbelsäule und Torsion der Wirbelkörper, erkrankt. Doch das ist für Johanna kein Grund, bei ihrem größten Hobby, dem Tanzen, zurückzustecken.

Die Diagnose selbst erfolgte eher durch Zufall. „Ich hatte immer wieder mal Rückenschmerzen“, sagt Johanna heute rückblickend. „Aber das schiebt man doch eher auf einen zu schweren Schulranzen oder eine falsche Matratze.“ Als sie acht oder neun Jahre alt war, starteten Klassenkameraden eine Challenge, wer am Längsten den Arm ausgestreckt halten kann. „Plötzlich deuteten meine Mitschüler auf meinen Ellenbogen – irgendwie schien der total verdreht.“ Zuerst dachte die heute 14-Jährige, dass die Klassenkameraden sie nur ärgern wollten – aber erzählte dann doch ihrer Kinderärztin davon. Die wurde misstrauisch und leitete das junge Mädchen weiter an einen Orthopäden in München. „Der stellte Skoliose fest und verschrieb mir Physio.“

Wirbelsäulenverkrümmung bremst Mädchen nicht aus: Johanna ist Kämpferin

Bei einer Kontrolluntersuchung ergab sich jedoch, dass sich die Verkrümmung verschlimmert hat. Johanna bekam ein medizinisches Korsett, das durch Druckausübung und Entlastung das Wachstum der Wirbelsäule lenken soll. Das zierliche Mädchen zeigt auf das starr aussehende Hilfsmittel. „Ich muss es pro Tag an die 20 Stunden tragen – gerade im Sommer ist das nicht immer toll.“

Doch Johanna ist eine absolute Kämpferin. Seit sie elf Jahre alt ist, gehört zu ihren größten Hobbys das Tanzen. „Und zwar Commercial Dance“, sagt sie, also eine Mischung aus HipHop und Jazz. Gemeinsam mit anderen Mädchen – die Gruppe nennt sich TB Blossom – trainiert sie wenn möglich zweimal wöchentlich im Tanzzentrum Müller in Wolfratshausen. Johanna wurde im Juli vergangenen Jahres extra auf die Deutschen Meisterschaften hin gecastet. Ganz neu ist für sie der Tanz in der Formation nicht. „Das habe ich schon früher gemacht, allerdings in einer anderen Altersgruppe.“

Skoliose bei junger Tänzerin: 14-Jährige tanzt trotzdem auf Meisterschaft

Auf ihre Krankheit wird, wenn es um das Erstellen der Choreografie geht, keine Rücksicht genommen. „Warum auch?“ fragt Johanna. „Wenn es mal wehtut, beiße ich eben die Zähne zusammen. Dann geht das auch.“ Das Mädchen aus Königsdorf zuckt mit den Schultern. „Viel mehr kaputt gehen kann ja nicht.“

Dann war es soweit. Die Mädchen reisten mit Familienmitgliedern, einer weiteren Tanzformation und Trainerin Marie-Thérèse Müller, genannt Mausi, zum Wettbewerb nach Neustadt. Die Formation hat als einheitliche Kleidung schwarze Hosen und beigefarbene Hoodies gewählt. „Wir sind die lässigen“, urteilt Johanna über ihr Outfit.

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„Unser Ziel“, betont Müller, ist nicht, den Wettkampf zu gewinnen. Uns ist wichtiger, einfach mit dem Auftritt Spaß zu haben.“ An erster Stelle stehe der Gemeinschaftsgeist. „Uns verbindet die Liebe zum Sport. Wir haben keine Gegner – und sind auch keine.“

Letztendlich errang TB Blossom den sechsten Platz. Ein Ergebnis, auf das Johanna und alle ihre Teamkolleginnen absolut stolz sind.

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