Trübe Stimmung in den Amtsstuben

- Ab September 42-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst

VON ANDREAS KELLER UND JASMIN MAHADEVAN Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Verlängerung der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst in Bayern ist beschlossene Sache. Alle Beamten müssen ab 1. September wöchentlich 42 statt bisher 40 Stunden arbeiten. Wer ab 1. Mai beim Freistaat, etwa im Landratsamt, angestellt wird, für den gilt ebenfalls die 42-Stunden-Woche. In den Amtsstuben macht sich Unmut breit.

Im Landratsamt wird es wohl zu Ungleichgewichten kommen. Anders als die 80 Beamten und vier staatlichen Angestellten ist dort die Mehrheit von über 200 städtischen Angestellten und Arbeitern von der Regelung überhaupt nicht betroffen. Ihnen bleibt die 38,5-Stunden-Woche erhalten. Personalratsvorsitzender Klaus Köhler nennt den Grund: "Den Tarifvertrag gekündigt haben nur die Länder, nicht aber der kommunale Arbeitgeberverband. So wird sich die Kluft zwischen Beamten und Angestellten bei uns weiter vertiefen." Aus seiner Sicht wäre es vernünftiger gewesen, für eine Gleichstellung aller im öffentlichen Dienst zu sorgen: "Alle hätten mit einer 40-Stunden-Woche leben können."

Frank-Eddo Blaum, Leiter des Finanzamts Wolfratshausen, ist ebenfalls gegen die ungleiche Behandlung. Er bezweifelt, "dass eine solche Regelung für dieselbe Arbeit überhaupt verfassungsgemäß ist". Wehren werden sich die Finanzbeamten nach Ansicht ihres Chefs aber nicht: "Uns zeichnet eine Loyalität gegenüber dem Staat aus", meint Blaum. "Wir schimpfen nicht nur, sondern sind die, die mehr arbeiten, wenn`s nötig wird - während andere sich drücken." Für den Bürger bedeute das: Steuerbescheide würden in Zukunft "wohl sogar eher etwas schneller" zugehen. Personalabbau befürchtet Blaum nicht, denn: "Finanzämter sind unterbesetzt."

Bei der Stadt Geretsried ist Personalleiterin Sabine Milter im Unklaren. "Uns kommunale Beamten betrifft die Neuregelung erst ab 1. September." Was die Mehrarbeit von 20 Mitarbeitern tatsächlich bringt, weiß Milter noch nicht. "Natürlich muss jeder seinen Beitrag leisten", meint sie, "aber ist das das richtige Instrument?" Sie befürchtet: "Es werden Arbeitsplätze abgebaut."

Besonders hart trifft die neue Regelung Polizeibeamte im Wechselschichtdienst. Bisher, sagt Berend Jochem, Vize-Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, stünde Beamten als Ausgleich für die Nachtschichten Freizeitausgleich von vier Tagen im Jahr zu. Jochem: "Das ist viel zu wenig in Anbetracht der 42-Stunden-Woche." Er verlangt daher eine Sonderregelung: "Wir fordern das Doppelte, also acht Tage." Übermüdete Beamte seien der inneren Sicherheit nicht zuträglich.

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