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Made in Geretsried: Mit vereinten Kräften wuchten freiwillige Helfer das Mini-U-Boot aus dem Hause Hagenburg vom Transporter. Foto: Hermsdorf

U-Boot geht in Geretsried vor Anker

Geretsried - Rechtzeitig zum Museumsfest am 21. Juli ist es eingetroffen: das einzig noch verfügbare Mini-U-Boot der ehemaligen Firma Hagenburg aus Geretsried.

Stolzer Besitzer des Ein-Mann-U-Bootes ist Tassilo Kraus (41) aus Berlin. Über 500 Kilometer ist er mit seinem Transporter gefahren, damit das gute Stück als Dauerleihgabe an seinen Geburtsort zurückkehren kann. Knapp drei Meter lang ist das Tauchgerät, gut 100 Kilogramm wiegt es ohne Motor und Armaturen. Wie eine weiße Bohne liegt es auf der Ladefläche. „Jetzt hat es wieder die Originalfarbe“, erklärt der ehemalige Geretsrieder, während er die Haltegurte löst.

Eine Zeit lang war das Boot gelb angestrichen - eine Farbe, die seinem Erfinder Otto Heinrich Graf Hagenburg gefallen hätte. Wegen einer Rot/Grün-Schwäche konnte er nur bestimmte Farben erkennen. Deshalb musste Hagenburg 1931 auch zu einem Trick greifen, um nicht durch die Pilotenprüfung zu rasseln: Er lernte die Testbilder einfach auswendig.

1948 gründete Hagenburg in Geretsried die Firma „Hagenburg Fiberglas“. Die Verwendung von glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) war damals völlig unbekannt und damit revolutionär. Angelruten, Bahnschranken, Katamarane und Gewächshäuser verließen das Werk am Breslauer Weg. „Die Motorboote wurden in den 1960er Jahren sogar über den Quelle-Versand verkauft“, erinnert sich Franz Rudolf, Vize-Vorsitzender des Fördervereins Geretsrieder Heimatmuseum.

Im Geretsrieder Werk wurde auch das Ein-Mann-Tauchgerät hergestellt. „Das U-Boot fürs Volk“, sagt Rudolf mit einem Lachen - allerdings nur für die etwas besser Gestellten: Der Preis lag bei etwa 10 000 Mark. Trotzdem fand Tassilo Kraus damals einen Weg, sich das gute Stück anzuschauen. Der Nachbarsbub kannte ein Loch im Zaun des Firmengeländes und schlüpfte des Öfteren durch, um einen Blick auf ungewöhnliche Objekt mit der Plexiglaskuppel zu werfen. „Als die Firma dann Anfang der 1970er Jahre verkauft wurde, bekniete ich meinen Vater so lange, bis ich das Boot tatsächlich bekam - und zwar zum Geburtstag.“

jetzt ist das Mini-U-Boot dank Franz Rudolf wieder an seinen Geburtsort zurückgekehrt. Nach aufwändigen Recherchen ist es dem findigen Rentner, der früher ehrenamtlich im Deutschen Museum in München gearbeitet hat, gelungen, Kontakt zu Tassilo Kraus aufzunehmen. Er stellt das Boot nun als Dauerleihgabe dem Förderverein zur Verfügung.

(sh)

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