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Neu im Team: Anika Dollinger vom Münchner Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“ kümmert sich im Auftrag des Landratsamts um die Asylbewerber. Die 31-Jährige hilft ihnen bei der Post, begleitet sie zu Behörden und gliedert die Kinder in Kindergärten und Schulen ein.

Asylbewerber

Über das Leben im Containerdorf

Geretsried - 42 Asylbewerber leben mittlerweile in der Gemeinschaftsunterkunft am Robert-Schumann-Weg. Drei Mitarbeiter des Landratsamts, eine Asylsozialarbeiterin sowie rund 20 Ehrenamtliche bemühen sich um sie. „Es läuft gut“, sagt der verantwortliche Sozialamtsleiter Daniel Weidelich.

Unter den 42 Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien und Mazedonien sind acht Kinder und Jugendliche sowie zwei Babys. 76 Personen könnte der Containerbau fassen. Doch laut Sozialamtsleiter Weidelich stagniert der Zustrom an Asylbewerbern derzeit. Nichtsdestotrotz wird erwartet, dass bis Jahresende 500 Menschen eine vorübergehende Bleibe im Landkreis finden. Aktuell sind es 290.

In Geretsried kümmern sich Alfred Krämer, Claudia Brade und Jeffrey Pflanzer vom Landratsamt um die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft. Neu im Team ist die ausgebildete Asylsozialberaterin Anika Dollinger vom Münchner Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“. Dieser wurde von Sadija Klepo aus Sarajewo gegründet, die das Schicksal eines Flüchtlings während des Jugoslawien-Kriegs selbst erlebt hat und nun anderen helfen möchte. Der Verein wird finanziell vom Freistaat unterstützt. Anika Dollinger hat ihr Büro am Robert-Schumann-Weg, ist aber für alle Asylbewerber im Landkreis zuständig. Die 31-jährige Lenggrieserin geht mit den Flüchtlingen deren Post durch, sie begleitet sie bei Behördengängen und meldet die Kinder in Kindergärten, Schulen und Berufsschulen an. Zudem ist sie Ansprechpartnerin für die praktischen Dinge wie Busfahrten oder Arztbesuche. Mitarbeiter ihres Vereins können dolmetschen, wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt.

Die festangestellten Betreuer werden nach wie vor von Ehrenamtlichen unterstützt. „Wir sind ein Kreis von etwa 20 Freiwilligen, die täglich im Einsatz sind“, sagt Koordinatorin Bärbel Gerlach. Einige ihrer Pläne haben die engagierten Frauen und Männer bereits in die Tat umgesetzt. So gibt der ehemalige Gymnasiallehrer Rolf Reisinger jeden Donnerstag Deutschkurse in den Räumen der Franz-Marc-Förderschule. Er spricht Englisch, was die meisten verstehen. Eine andere pensionierte Lehrerin unterrichtet die Frauen mit Kindern in der Gemeinschaftsküche des Containers.

Einmal wöchentlich wird ein Spielenachmittag angeboten. Für die Kinder hat Jeffrey Pflanzer einen Sandkasten gebaut. Nächste Woche startet eine Handarbeitsgruppe, für die sich laut Gerlach auch zwei männliche Asylbewerber angemeldet haben. Ab Mai wollen die Ehrenamtlichen sowie Schüler der Förderschule mit den Gästen auf Zeit ein Hochbeet vor der Unterkunft anlegen. Darin sollen Kräuter und Gemüse angepflanzt werden. „Für das Schreinern der Beete suchen wir noch Handwerker“, sagt Gerlach. Außerdem würden Teppich-Spenden gerne angenommen, denn die Flüchtlinge seien es gewohnt, auf dem Boden zu sitzen. Auch kleine Tischlampen fehlen noch.

Die Koordinatorin hat den Eindruck, dass sich die meisten Asylbewerber wohl fühlen in Geretsried. Sie seien aufgeschlossen gegenüber den Angeboten, die man ihnen mache. „Es ist ein sehr nettes Miteinander“, sagt Gerlach. Natürlich gebe es auch Konflikte, das will sie nicht verheimlichen. Einige Bewohner seien sehr gebildet und hätten in ihrer Heimat viel Geld verdient. Sie würden versuchen, Einzelzimmer zu bekommen. Doch die resolute 50-Jährige ist streng: „Alle sollen gleich behandelt werden und das sehen die Menschen auch ein, wenn man es ihnen erklärt.“

von Tanja Lühr

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