Haben ein Gefühl für die Gefahr: Petra und Klaus Schug aus Wolfratshausen. Sie wachen über den Bibisee. Foto: sh

Die übers Wasser wachen

Königsdorf - Seit über 40 Jahren verbinden die Wolfratshauser Petra und Kurt Schug ihre Freizeit mit einer ehrenvollen Aufgabe: Das Rentner-Ehepaar hat 1971 die Wasserwacht-Ortsgruppe Geretsried aufgebaut und wacht seitdem über die Schwimmer am Bibisee.

Als wir die Lebensretter an einem sonnigen Nachmittag auf der Halbinsel des Sees treffen, liegt ein Rettungsschwimmbrett griffbereit am Ufer. Klaus Schug (74) späht durch sein Fernglas und beobachtet das Treiben im See. Dank Rettungsschwimmer-Scheinen, Sanitätsausbildung und jahrelanger Erfahrung habe das Ehepaar ein Gefühl entwickelt, wann jemand in Not gerät. „Man hört es an den Stimmen“, erklärt Petra Schug (71). „Man muss nicht immer auf den See starren, sondern mit einem Ohr genau hinhören.“

Erst kürzlich ereignete sich ein tragischer Zwischenfall: Die Schugs wollten gerade aufbrechen, als die Worte „Ich kann nicht mehr“ zum Ufer schallten. Mit dem Schwimmbrett, das deutlich schneller als jeder Krauler ist, paddelten sie los und packten den untergehenden Körper eines Geretsrieders. Trotz sofortiger Reanimation kam die Hilfe jedoch zu spät. Wie berichtet erlag der 41-Jährige einem Asthmaanfall. „Das sind traurige Momente“, sagt Petra Schug bedauernd. Vor dem Todesfall habe es jahrelang keine tödlichen Unfälle gegeben, weil der Uferbereich flacher und die Schwimmkenntnisse der Bevölkerung besser geworden seien. Meist behandeln die beiden Wolfratshauser und ihre gut ein Dutzend Kollegen Schnittwunden oder Bienenstiche.

An Wochenenden und Feiertagen ist die Wachstation tagsüber mit drei bis vier Mann besetzt, werktags sind die Schugs oft zusätzlich am See. Die beiden sind sich einig: „Wenn wir gesund bleiben, machen wir unseren Job am Bibisee noch viele Jahre weiter.“

(dor)

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