Umgehungsstraßen-Rallye und ein Ausflug in die Hippie-Zeit

- Thanninger Umzug und Königsdorfer Faschingsmarkt locken tausende Besucher an

Thanning/Königsdorf - In Thanning tanzte gestern der Bär. Etwa 2000 Schaulustige - darunter Teufel, Nonnen, Clowns, Waldgeister und andere Narren - drängten sich, um den 15 Wagen langen Faschingszug zu sehen. Auf Einladung der Thanninger Burschen hatten zahlreiche Vereine aus den Gemeinden Egling und Dietramszell originelle Gefährte mit bissigen Anspielungen auf die örtliche und überörtliche Politik gebaut.

Umgehung ist Thema Nummer eins

Thema Nummer eins war die unfertige Eglinger Umgehungsstraße - und da bekam Bürgermeister Hans Sappl sein Fett weg. Der Burschenverein Egling richtete den "1. Eglinger Umgehungsstraßen Grand Prix 2004" aus und hatte auf seinen Wagen eine Rutschbahn bis auf die Straße gebaut, die "Sans-Happl-Schikane". Vor den Augen der begeisterten Zuschauer legten die Burschen in Kinder-Autos rasante Abfahrten hin. "Achtung Biotop", "Es führt ein Weg nach ? ?" oder "Ohne Moos nix los" stand auf seitlich angebrachten Schildern. Ein anderer Wagen mit integriertem Karussell hatte den Kreisel im Visier, an dem die Umgehung endet, und trumpfte mit Sprüchen auf wie "Über Toll Collect und Kreisverkehr ziagt de ganze Menschheit her" oder ""S`Geid is aus, de Fresch de schrein, so werd`s aa no a Zeid lang bleim".

Die Mooshamer fuhren eine Schilfkläranlage und ein Klohäusl spazieren unter dem Motto "Scheiße on Tour 2004". Als Trost dafür, dass sie den Kampf um ihre Kläranlage verloren haben, riefen sie das "Mooshamer Binsen-Bräu" in Leben. Das Thema "Gasthaussterben im Oberland" nahm der Öhnböcker Stopselclub aufs Korn. Als Ersatz für die geschlossene Thanninger Wirtschaft schufen sie ein mobiles Gasthaus samt Separée mit dem Namen "Maschgara Grill".

Der ehemalige Dietramszeller Bürgermeister Benno Lichtenegger hielt als Chef der "Haberer" eine Schmährede auf die öffentlichen Geldverschwender und den Verfall von "Moral und Ehr" und kündigte ein Haberergericht an. Als Anspielung auf die Finanzlage des Kreises angesichts der 41 Millionen Euro Schulden der Gesellschaften DTK und GTZ fuhr ein Schrottauto mit einem kaputten Fahrrad auf dem Gepäckträger und der Aufschrift "Unser schönes Landrat" mit. Der Burschenverein Aufhofen dankte dem Landratsamt auf ironische Weise mit den Worten "Totgesagte leben länger - und wir feiern weiter" für das Todesurteil über ihren Container.

Mächtig ab ging es auf den Wagen, die Fernsehshows auf die Schippe nahmen, wie "Thanning sucht den Superstar" oder das "Neufahrner Dschungelcamp". Die Lindener und Lochener hatten ein riesiges Piratenschiff mit schwarzer Flagge und dem Drohspruch "Fluch über den Burschenverein Thanning" gebaut. Das Publikum bombardierten die Passagiere mit Sägespänen, Konfetti und Bonbons. Danach wurde in der Ortsmitte und im Stadel noch lange gefeiert.

Badelatschen in Königsdorf Kult

Retro ist in: Dass "Ahoj"-Brause und Badelatschen wieder Kult sind, und das Raumschiff Orion zurück aus der Mottenkiste ist, wurde am Faschingsdienstag in Königsdorf deutlich. Das Motto des Faschingsmarkts auf der Hauptstraße lautete "De stürmischen 60er und 70er Jahre". Ab Mittag war die Dorfmeile fest in der Hand der zahlreichen gaudibesessenen Besucher, von denen sich viele im Stile der 68er-Generation verkleidet hatten. Peace-Abzeichen, Discokugeln, Regenbogenfarben und Afro-Look verwandelten die Straße in ein Kuriositätenkabinett einer Zeit, in der der Minirock ein Schock und das Autowaschen am Wochenende das Größte waren, während Kommunen und Demos die Kleinbürger aufrüttelten. "Klein, aber fein und immer sehr lustig", fand Ursula Heinlein aus Benediktbeuern den Königsdorfer Fasching. Sie kommt fast jedes Jahr.

Von Toast-Hawaii bis Oswald Kolle

Kaum ein Thema zwischen Toast Hawaii und Fernsehfieber, Gründungsvätern und 68er-Generation, Prüderie und sexueller Revolution ließen die Königsdorfer Maschkera aus. Oswald Kolles Aufklärungsbemühungen wurden ebenso karikiert wie Familienunterhaltung, die "Der goldene Schuss" hieß. Die Technikeuphorie nach der Mondlandung wurde auf den Arm genommen, und bei verschiedenen Zuschauerspielen unter freiem Himmel machten die Narren ebenfalls ernst. Ein besonderes Spektakulum war dabei ein überdimensionales Tischfußballspiel für das Publikum, bei denen Deutschland einer "holländischen Mannschaft" eine Revanche für das WM-Finale von 1974 einräumte, während die Walter-Autsch-Band mit den Lollipop-bunten Songs von Conny Francis, Peter Kraus, Elvis Presley, Buddy Holly und den Beatles für die richtige Stimmung sorgte. Einen Nachmittag lang war die Königsdorfer Hauptstraße eine Vergnügungsmeile. Selbst die kalte Witterung konnte dem bunten Treiben von Flower Power und Beatgeneration die unbeschwerte Laune nicht verderben.

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