„Unsäglich“ und „unerträglich“

Geretsried - Der Stadtrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung erneut mit der Trinkwasser-Situation beschäftigt. Die Chancen auf den Münchner Notverbund stehen schlecht.

Mindestens eineinhalb Jahre dürfte es dauern, bis an den Brunnen in Königsdorf-Wiesen eine Filtrationsanlage eingebaut ist. Solange muss nach Anordnung des Gesundheitsamtes das Trinkwasser in Geretsried gechlort und abgekocht werden. Die Stadtwerke setzen alles daran, diese „unsäglichen Maßnahmen abzustellen“, versicherte Vorstand Jan Dühring in der Stadtratssitzung am Dienstagabend. Ob dies gelingt, ist allerdings äußerst fraglich.

Wie berichtet haben die Stadtwerke gegen den Bescheid des Gesundheitsamtes Klage eingereicht. Mit einer ersten Entscheidung im Eilverfahren rechnet Dühring im März. Bis zum Hauptverfahren dürfte aber mindestens ein Jahr vergehen. Zur Begründung ihrer Klage haben die Stadtwerke ein Gutachten beim Technologiezentrum Wasser (TZW) in Auftrag gegeben. Dabei geht es schwerpunktmäßig um die Frage, ob die bestehende UV-Desinfektionsanlage ausreicht, um Parasiten abzutöten. Zudem werden die mikrobiologischen Befunde aus der Vergangenheit bewertet. Ende nächster Woche soll das Ergebnis vorliegen.

Parallel dazu wurde bei den Stadtwerken München und beim Landkreis Garmisch-Partenkirchen der Antrag gestellt, Geretsried an den Münchner Notverbund anzuschließen. Noch habe man keine Rückmeldung, sagte Dühring. „Doch es bestehen keine außerordentlich hohen Chancen.“ Wie berichtet müsste das Tölzer Gesundheitsamt dafür einen Notfall anerkennen. Das aber wird abgelehnt, weil an den Brunnen in Königsdorf-Wiesen nach wie vor Wasser gefördert werden kann. Ein Anschluss an das Wolfratshauser Leitungsnetz gestaltet sich ebenfalls schwierig, weil es bislang keine Verbindung nach Geretsried gibt. Ein Ingenieurbüro prüft zwar, ob ein Notverbund technisch möglich wäre. Bis zu einer Umsetzung dürften laut Dühring aber ebenfalls Monate vergehen.

Der Einsatz einer mobilen Filtrationsanlage, wie sie in Krisengebieten eingesetzt werden, scheidet wohl ebenfalls aus. „Es schaut nicht so aus, dass es eine Lösung in unserer Größenordnung gibt“, sagte Dühring. CSU-Fraktionssprecher Volker Reeh hatte sich selbst umgehört. Danach könnte eine Firma aus Baden-Württemberg zum Preis von knapp 280 000 Euro innerhalb von zehn Wochen eine Anlage liefern, die für Geretsried ausreichen würde. Die Stadtwerke werden dies nun prüfen. Reeh betreibt einen Fisch- und Feinkosthandel. Gerade für lebensmittelverarbeitende Unternehmen sei der jetzige Zustand „unerträglich“. (sas)

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