Entführten in die poetisch-erotische Welt von 1001 Nacht: das Ensemble des Kammertheaters München. Foto: Claudia Koestler

Urviecher und Konkubinen auf Tuchfühlung

Irschenhausen - Der „Theatersommer im Isartal“ setzte sich mit der Premiere der Wiederaufnahme des Schauspiels „Im Garten der Schahrazad“ als gut besuchte Theaternacht fort.

Obwohl dunkel drohende Wolken in der Mondnacht über dem Garten standen. Neben Laubbäumen als Kulisse erhob sich das Podium, dahinter eine Leinwand für Schattenspiele von Susanne Schneider, die bei Tonbandmusik als Schahrazad stilisierte Tänze vorführte, um den König von der Gewohnheit abzuhalten, Liebesnächte mit Tötung der jeweiligen Frau zu beenden.

„Scheherazade“, der dem persischen „tschihr-asad“ (von edlem Antlitz) entsprechende Name der Märchenerzählerin in 1001 Nacht, lässt an lyrische Momente denken. Doch ausdrücklich nur für Erwachsene gedacht (laut Veranstalter für Menschen unter 14 Jahren nicht geeignet), sparte die „poetisch-erotische Entführung“ nicht an drastischer Andeutung sexueller Praktiken. Catalina Gassiot als charmante junge Adlige, Andreas Berner und Sarah Mathier als eilfertiges Dienerpaar sowie Florian Redecker als staksiger junger Adliger rauften sich zusammen - auch mal mit Schahrazad arabisches Kauderwelsch fabrizierend. Barber überraschte im Finale als bayerisch-bäurischer Erzkomödiant, als Urviech, das den Kontrahenten gern Deppen nennt und nach Erlangung von Reichtum einen Rülpser mit „Entschuldigung, kleiner Rückfall“ abtut.

Wirkte manche wiederholte Gaudi wie Schnapstrinken samt Schmerzensrufen und Verkrümmungen ermüdend, so sorgte ständiger Wechsel teils improvisierter Aussprüche aus gehobenem wie derbem Alltag für Aufmerksamkeit. Wortgeklingel gehörte dazu, „Konkubinen“ wurden als „Bienen“ missverstanden, und auch das „fleißige Bienchen“ fehlte nicht. Die Lust am Spiel mit verteilten Rollen schien kein Ende nehmen zu wollen.

(von Arno Preiser)

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