Ohne Umwege: Der Richter ließ den Verurteilten aus dem Gerichtssaal ins Gefängnis bringen. symbolfoto: archiv

Prozess am Amtsgericht

Vater prügelt seine Söhne: 15 Monate Gefängnis

Seinen Tränen erweichten den Richter nicht: Weil er seine kleinen Söhne mehrfach geschlagen hat, muss ein Vater für 15 Monate ins Gefängnis.

Wolfratshausen –Nichtigkeiten machten den Mann aggressiv. Dann rutschte ihm schon mal die Hand aus. Leidtragende waren seine beiden Söhne, im Tatzeitraum sechs Monate bis zwei Jahre alt, und die damals zwölfjährige Tochter seiner Lebensgefährtin. „Wir hatten in dieser Zeit viele Probleme, haben jeden Tag gestritten. Ich war mit den Nerven fix und fertig“, entschuldigte sich der Angeklagte vor Gericht und ließ seinen Tränen freien Lauf. „Er war offenbar überfordert“, mutmaßte sein Verteidiger. „Das war rohe Gewalt gegen Kinder. Der Sohn ist von ihm übel hergerichtet worden“, stellte der Richter nüchtern fest.

Mindestens sechs Mal schlug er zu

Mindestens sechs Mal soll der Angeklagte im Zeitraum zwischen Anfang Juni 2013 und Mitte Oktober 2014 in der Wolfratshauser Wohnung seiner Lebensgefährtin die Kinder geschlagen haben. Der damals 14 Monate alte Sohn fing sich eine Ohrfeige, weil er das Essen verweigerte. Der jüngere bekam die erste Watschen mit sechs Monaten, später schlug der Vater ihn, weil der Bub seinen Teddy in die Toilettenschüssel hatte fallen lassen. Zwei Mal wurde die Zwölfjährige Opfer der Unbeherrschtheit des Mannes, der seit ein paar Jahren mit ihrer Mutter zusammenlebte.

Am 8. Oktober 2014 brachte die Frau ihren jüngsten Sohn mit Schwellungen und Rötungen im Gesicht in die Wolfratshauser Kreisklinik. Bei den daraufhin eingeleiteten Ermittlungen gegen den Lebensgefährten der Mutter kamen weitere Taten ans Licht. Schon im Herbst 2015 sollte gegen den heute 37 Jahre alten Lkw-Fahrer wegen Körperverletzung verhandelt werden. Vier Tage vor dem Prozesstermin floh der Mann samt Freundin und den drei Kindern nach Kenia. „Das war mein größter Fehler“, sagte er rückblickend. Während der Reise verließ ihn seine Lebensgefährtin. Er habe sich mit seinen Söhnen allein durchschlagen müssen. Derweil wurde der Mann mit internationalem Haftbefehl gesucht. Am 15. Dezember 2016 endete seine Flucht in Schweden: Auf dem Flughafen in Stockholm klickten die Handschellen. Seit Anfang Januar dieses Jahres sitzt der 37-Jährige in Deutschland in Untersuchungshaft.

Angeklagter: „Ich liebe meine Kinder“

„Ich gebe alles zu“, sagte der Mann in der Verhandlung vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. Schluchzend fügte er hinzu: „Ich liebe meine Kinder.“ Wegen finanzieller Probleme habe es häufig Streit gegeben. An alle Einzelheiten könne er sich nicht erinnern. Doch wenn er mit den Kindern alleine gewesen sei, habe er manchmal die Kontrolle verloren. Zur Zeit leben die zwei Buben in einer Pflegefamilie. „Ich wünschte, es wäre damals nicht geschehen. Ich wünsche mir eine Chance, dass ich mich um meine Kinder kümmern kann.“

Vom Gerichtssaal direkt ins Gefängnis

Das wird so schnell nichts: Richter Urs Wäckerlin verurteilte den 37-Jährigen zu einer Haftstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung und ließ ihn aus dem Gerichtssaal gleich wieder ins Gefängnis bringen. Dass der Angeklagte sein Bedauern ausgedrückt habe, sei zu seinen Gunsten zu werten. Mehr positive Aspekte konnte der Richter nicht erkennen. „Die Situationen haben sich wiederholt. Es waren Kleinstkinder, die keine Chance hatten, der Aggression zu entkommen. Möglicherweise leiden die Kinder bis heute“, zählte Wäckerlin in der Urteilsbegründung auf.

Zulasten des Mannes wirkte sich ebenfalls aus, dass er 1998 schon einmal zu einer Jugendstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden war. Rasend vor Eifersucht hatte er damals seine jugendliche Freundin, die sich von ihm getrennt hatte, misshandelt. Wäckerlin: „Die mangelnde Fähigkeit, Konflikte anders zu lösen, als mit roher Gewalt, ist ins Urteil eingeflossen.“

von Rudi Stallein

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jugendtreff Ein-Stein: Eine große Familie
Bunt wie die Blätter an den Bäumen war das zweite Herbst-Opening des Jugendtreffs Ein-Stein am Samstagnachmittag. Die zahlreichen Aktivitäten zeigten, wie sehr man im …
Jugendtreff Ein-Stein: Eine große Familie
Beichten im angenehmen Sprechzimmer
Der flüsternde Pfarrer hinter der vergitterten Trennwand. Davor der Sünder auf einer unkommoden Bank kauernd. So zeigen heutzutage höchstens noch Filmkomödien die …
Beichten im angenehmen Sprechzimmer
Gewerkschaft begrüßt verstärkte Kontrollen
„Das Risiko für Dumpinglohn-Firmen steigt“, freut sich Michael Müller, Bezirkschef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Gewerkschaft begrüßt verstärkte Kontrollen
Motorradfahrerin landet im Graben
Nicht angepasste Geschwindigkeit war laut Polizei die Ursache eines Motorradunfalls am Samstagnachmittag auf der Staatsstraße 2072.
Motorradfahrerin landet im Graben

Kommentare