Brachten das Publikum zum Lachen: (v. re.) Michael Lerchenberg, Conny Glogger, Gerd Anthoff, das Musikensemble von Andreas Kowalewitz sowie Percussionist Werner Hofmeister. Foto: hans lippert
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Brachten das Publikum zum Lachen: (v. re.) Michael Lerchenberg, Conny Glogger, Gerd Anthoff, das Musikensemble von Andreas Kowalewitz sowie Percussionist Werner Hofmeister.

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„Opern auf Bayerisch“ in der Wolfratshauser Loisachhalle

Wolfratshausen – Kann man Opern lesen? Ja, das geht. Besonders vergnüglich wird es, wenn die bekannten Volksschauspieler Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg „Opern auf Bayerisch“ inszenieren.

Kann man Opern lesen? Ja, das geht. Besonders vergnüglich wird es, wenn die bekannten Volksschauspieler Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg zusammen mit dem Musikensemble von Andreas Kowalewitz und dem komödiantischen Percussionisten Werner Hofmeister, der wie in der Stummfilm-Ära mit Bettwärmer und Nachthaferl für die Hintergrundgeräusche sorgte, „Opern auf Bayerisch“ inszenieren.

Im Rahmen des Wolfratshauser Theater-Abos bekam das Publikum in der so gut wie ausverkauften Loisachhalle am Freitagabend die Opernschmankerl „Tannhäuser“ von Richard Wagner, „Freischütz“ von Carl Maria von Weber und „Turandot“ von Giacomo Puccini in herrlichem Lokalkolorit des Alpenlands serviert.

Soviel gelacht habe er schon lange nicht mehr, hörte man einen Herrn in Reihe vier am Ende sagen, und das schien dem Rest der Besucher auch so zu gehen, interpretierte man den langen Applaus richtig. Glogger, Anthoff und Lerchenberg wären keine hervorragenden bayerischen Volksschauspieler, könnten sie nicht in diverse Sprechrollen schlüpfen und die bayerische Mundart auf eine so feinsinnig originelle Weise wiedergeben.

Sie nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise von der Kampenwand bis China. Paul Schallweg hat berühmte Opern so bearbeitet, dass die Inhalte sich in seine bayerische Heimat integrieren lassen. So verführt die liebestolle Venus im Inneren der Kampenwand den Minnesänger Thannhäuser, der Freischütz, dem der „Deifi in der Büchs“ steckt, erschießt versehentlich den Falschen, und „im Reich der Mitte, weit weg von hier, wo man an Tee trinkt statt a Bier…“ geht die Prinzessin Turandot nicht zimperlich mit ihren Verehrern um. Und gab‘s mal einen Versprecher, etwa als Lerchenberg in der Sprecherrolle eines chinesischen Hofmarschalls zahnlos säuselte, da lachte selbst der Schauspieler über sich. Und Gerd Anthoff, der mit dunkler Stimme lautstark seinem Unmut freien Lauf ließ, und dabei genervt vom Stuhl rutschte, stieß den Oboisten neben sich an: „Geh, huif ma aufe“, – und der zog den Sprecher am Hemdsärmel wieder hoch.

Es war keine aufgesetzte Bühneninszenierung, aus der die Routine sprach. Musiker und Sprecher schienen sich richtig wohl zu fühlen. Sie grinsten einander zu, lachten über den Nachthaferl-Trommler Hofmeister, wenn der mal wieder auf dem Vogelpfeifferl pfiff oder unaufgefordert Albernheiten machte, indem er etwa „Häschen tot“ kindlich ins Publikum flüsterte, während sich die Dramatik beim Freischütz zuspitzte.

Musikalisch war es ein echter Hochgenuss, eine lebhafte Vermischung aus bayerischer Stubenmusik an der Zither, mittelalterliche Hofmusik mit Geigenspiel und swingenden Jazz-Improvisation. An diesem Abend stellte das gesamte Bühnen-Ensemble jedenfalls ganz sicher unter Beweis: Opern kann man nicht nur lesen. Man kann sie sogar auf bayerisch lesen – und zwar richtig gut. (web)

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