Verärgerter Vater: Patrick Schwarz mit dem Verweis der Mittelschule für Christina. Foto: singer
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Verärgerter Vater: Patrick Schwarz mit dem Verweis der Mittelschule für Christina.

Ein Verweis, der die Eltern empört

Königsdorf – An der Mittelschule in Königsdorf bekam ein Mädchen kürzlich einen Verweis, weil sie – so die Aussage ihrer Eltern – trotz Verbots des Lehrers aufs Klo ging. Die Schule bemüht sich um Deeskalation. Aus ihrer Sicht liegt der Fall anders.

Patrick Schwarz ist empört. Weil Christina, die Tochter seiner Lebensgefährtin, trotz Verbots durch den Lehrer während des Unterrichts das Klassenzimmer verließ, um auf die Toilette zu gehen, bekam die 15-Jährige einen Schulverweis. Zweimal habe Sie den Pädagogen um Erlaubnis gebeten, aufs Klo gehen zu dürfen, sagt die Schülerin – vergeblich. „Mein Bauch hat mir schon wehgetan.“ Die Familie ist vor einigen Wochen nach Königsdorf gezogen. Weil es schon an ihrer alten Schule in Bad Tölz nicht gewollt gewesen sei, dass Schüler während des Unterrichts aufs Klo gehen, habe Diana Rest ihrer Tochter klar gesagt: „Wenn Du aufs Klo musst und darfst nicht, stehst Du auf und gehst.“

Einen Tag nach dem Vorfall in Königsdorf hat Patrick Schwarz mit dem Lehrer gesprochen. „Da gab es noch keinen Verweis.“ Das Mädchen sollte zur Strafe für das unerlaubte Verlassen des Klassenzimmers die Schulordnung abschreiben. Völlig unsinnig, findet Schwarz. „Warum soll sie die Schulordnung abschreiben, wenn Sie aufs Klo muss?“ Schwarz schickte Christina zum Hausarzt, der ihr ein Attest auf Blasenentzündung ausstellte. Das Attest gab die Familie in der Schule ab.

Trotzdem kam ein paar Tage später der Verweis (er liegt der Redaktion vor) mit der Post. Darin heißt es: „Christina verließ (…) während des Unterrichts eigenständig das Klassenzimmer, obwohl ich sie eindeutig angewiesen hatte, dies zu unterlassen. Da dieses respektlose Verhalten aus schulischer Sicht keinesfalls tolerierbar ist, wird es entsprechend mit einem Verweis sanktioniert.“

Mit dem Fall konfrontiert, betont Rektorin Martina Bäumle: „Selbstverständlich dürfen unsere Kinder in dringenden Fällen auf die Toilette gehen. Dies wird situativ und mit pädagogischem Augenmaß durch die Lehrkraft geregelt.“ Im Fall von Christina habe die Eskalation mehrere Gründe gehabt, die Anglegenheit sei wesentlich komplexer. In welcher Hinsicht oder mit welchen Argumenten die Lehrkraft den Verweis rechtfertige: Dazu könne sie zum Schutz des Mädchens nichts sagen. Konrektorin Eva Holzer betont: „Schulinterna können nicht an die Öffentlichkeit gegeben werden.“

Aufgrund des Vorfalls, so Bäumle, sei man aber derzeit dabei, kleinere Änderungen in der Formulierung des schulinternen Maßnahmenkatalogs vorzunehmen. Darin stand bisher, die Schüler haben in den Pausen auf die Toilette zu gehen. Auch in Zukunft sollen die Kinder „in unumgänglichen Fällen“ während der Stunden gehen können soweit es die Aufsichtspflicht und ein störungsfreier Unterricht zulassen. In jedem Fall möchte Bäumle noch ein Gespräch mit den Sorgeberechtigten von Christina führen und „alle Anstrengungen unternehmen, das alles gut zu klären“. Schwarz fordert eine Entschuldigung sowie die Rücknahme des Verweises. Letzteres scheint möglich. Bäumle: „Er ist nicht fest zementiert.“

von Franziska Seliger

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