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Große Gefühle, grober Unfug: Schlag auf Schlag geht’s drunter und drüber im neuen Stück der Loisachtaler Bauernbühne. Hier eine Szene mit Vampir „Vladi“ (Franz Foitzik), Martl (Felix Unterberger) und Baronin Theres von Zwicklbach (Melanie Tobian).

Loisachtaler Bauernbühne

Viel Aufregung um einen Untoten

Geretsried/Wolfratshausen – Gelungene Premiere von „Der Vampir von Zwicklbach“ mit der Loisachtaler Bauernbühne

Ein fantastischer Anblick bietet sich den zahlreichen Besuchern der Geretsrieder Ratsstuben am Samstag Abend. Die Traditionsbühne im Saal ist von Max Prestel, Jakob Huber und Thomas Schmidt großartig in einen backsteingemauerten Weinkeller mit staubüberzogenen Weinflaschen und von Spinnennetzen überzogenen alten Weinfässern verwandelt worden. Die in blutrotes Licht getauchte Szenerie erhöhte die Spannung beim gut gelaunten, mit blutrotem Vampirschnaps eingestimmten Premierenpublikum, unter dem sich zahlreiche junge Leute befinden. Der „herzhaft-deftige Schwank“ vom Münchner Autor Ralph Wallner beginnt mit einer Liebesszene im verlassenen Kellergewölbe auf dem längst verlassenen Gutshofes derer von Zwicklbach. Der schüchterne junge Martl (Felix Unterberger) hat seine freche Betti (Melissa Demmel) hierher gelockt, um ihr seinen Schneid zu beweisen, wo doch fast jeder im ganzen Gäu weiß, dass hier schon lange ein Dracula lebt. Die Rechnung hat er allerdings ohne den Vampir „Vladi“ (Franz Foitzik) gemacht, der hier seit 150 Jahren haust und als „Untoter“ sein Unwesen treibt. Vladi beißt den Martl bewusstlos und nimmt daraufhin für eine Stunde dessen Gestalt an, um der hübschen Betti näher zu kommen. Als der Martl nach dieser einen Stunde unversehrt, aber mit reichlich Schädelweh, wieder aufwacht, ist auch „Vladi“ wieder ganz der Alte und der Martl etwas ratlos. Derweilen nähert sich Baronin Theres von Zwicklbach (Melanie Tobian) dem verfluchten Anwesen, dessen Verkauf sie plant, was aber durch die Anwesenheit eines Vampirs deutlich erschwert wird. Zum Glück ist da die größenwahnsinnige, neureiche Provinzlerin Kreszentia von der Mühl (Christine Brauner) mit ihrem Gatten Hannes Petrus (Andi Wastian), die den Gutshof kaufen und aus dem Anwesen eine hippe Wellness-Oase, mit lila gestalteten Räumen und Swimmingpool in der altehrwürdigen Bibliothek, erschaffen möchte. Die Anwesenheit eines Vampirs kommt ihr gerade recht, um den Verkaufspreis ins Bodenlose zu drücken. In der Zwischenzeit ist die ledige Baronin Theres dem „Vladi“ über den Weg gelaufen und entdeckt ihre sachte Zuneigung für diese skurrile Gestalt, die vor vielen, vielen Jahren unsterblich in ihre Ur-Ur-Ur-Großmutter Adelheid verliebt gewesen ist. Schlag auf Schlag geht’s drunter und drüber weiter im auf einmal gar nicht mehr verlassenen Weinkeller: Der „Vladi“ und der Martl auf der einen Seite tun sich zusammen, um zu versuchen, den Verkauf der Heimat „Vladis“ zu verhindern. Das am Kauf interessierte Ehepaar auf der anderen Seite organisiert zwei Vampirjäger (Lisa Richter und Wiggerl Gollwitzer), die zu ohrenbetäubender Musik („Mission Impossible“), mit hölzernen Kreuzen, Knoblauchgebinden und einem „transsilvanischen Friedhofstanz“ alles versuchen, den Vladi einzufangen. Wohin das wohl führt? „Der Vampir von Zwicklbach“ in der Regie von Monika Schwenger ist eine turbulent inszenierte, teilweise slapstickartige Comedy um Geld, Macht, vergangene und wahre Liebe. Es „menschelt“ ungemein zwischen Mensch und Vampir und letztlich siegt das Gute, Wahre, Schöne – sehr zur Freude des Publikums. Am Ende werden die acht Schauspieler mit viel Applaus verabschiedet, wobei hier die beiden jüngsten, Martl und Betti, berechtigterweise am meisten bedacht werden. Schließlich ist es ihr erster Auftritt auf einer Theaterbühne. Ein sehr gelungenes Debüt.

Assunta Tammelleo

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