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Das Interesse hielt sich in Grenzen: Rund 100 Besucher kamen zum Infoabend in die Loisachhalle. Bürgermeister Helmut Forster (re.) und Mitglieder der Verwaltung informierten über das geplante Stadtarchiv.

Infoabend zum neuen Stadtarchiv

Viel Kritik und ein bisschen Applaus

Wolfratshausen - Am 25. Mai sollen die Wolfratshauser Bürger entscheiden, ob sie ein Archiv nach den Vorstellungen der Stadt am westlichen Loisachufer wollen. Bei einem Informationsabend am Montag war die Stimmung unter den rund 100 Besuchern eher skeptisch.

Seit Oktober 2011 beschäftigen sich der Stadtrat und seine Ausschüsse mit dem geplanten Archiv. Es soll für rund 1,4 Millionen Euro am westlichen Loisachufer zwischen Johannis- und Andreasbrücke neben dem bestehenden Archiv im alten Pumpenhaus gebaut werden.

Aus einem Architektenwettbewerb, begleitet vom Münchner Büro Plankreis und dem Büro Schober Architektur und Stadtplanung, gingen vier Siegerentwürfe hervor. Der Stadtrat entschied sich dafür, Entwurf 1 und Entwurf 3 (siehe Kasten) in die Auswahl zu nehmen. Keines der beiden Modelle fand jedoch eine Mehrheit. Stattdessen demonstrierten im Februar rund 200 Bürger gegen das Vorhaben, ausgerechnet am Loisachufer ein Archiv zu errichten. Der Stadtrat beschloss daraufhin, ein Ratsbegehren durchzuführen. Am 25. Mai, zeitgleich mit der Europa-Wahl, sollen die Wolfratshauser auf die Frage antworten: „Sind Sie dafür, dass am Loisachufer ein Stadtarchiv entsprechend den Entwürfen 1 oder 3 gebaut wird?“

Die Vorteile des Standorts aus Sicht der Stadt legte Bürgermeister Helmut Forster am Montagabend in der Loisachhalle ausführlich dar. Zunächst wies er darauf hin, dass ein Archiv zur Aufbewahrung historischer Dokumente, Karten, Bücher und Fotos sowie des städtischen Personenstandregisters eine Pflichtaufgabe und keine freiwillige Leistung sei. Da häufig Unterlagen vom Rathaus ins Archiv gebracht werden müssten, wäre es günstig, wenn beide Einrichtungen nah beieinander lägen. Auch die Nähe zum Stadtmuseum berge „Synergieeffekte“. Das für den Neubau vorgesehene 600 Quadratmeter große Areal gehört der Stadt, wodurch ein teurer Grundstücksankauf entfalle. Schließlich, so warb der scheidende Bürgermeister, trage ein Archiv zur Belebung der Altstadt bei, da auch Besucher- und Veranstaltungsräume vorgesehen seien. „Wolfratshausen hat eine mehr als tausendjährige Geschichte. Unser Archiv genießt einen ausgezeichneten Ruf“, sagte Forster. Im Jahr 2012 hätten über 275 Personen Einblick in Archivalien genommen.

Enttäuscht äußerte er sich über den Protest aus der Bevölkerung. Wie berichtet hatten sich Bürger mit Schlagworten wie „Monsterbau“ gegen die Pläne gewandt. Forster: „Es war für mich schon sehr beeindruckend, feststellen zu müssen, wie wenig sich diese Menschen mit dem Archiv beschäftigt hatten“. So sei die Demonstration von einem Mann initiiert worden, der die zur Auswahl stehenden Siegermodelle gar nicht gekannt habe.

Susanne Rentsch vom Büro Plankreis in München ging in ihrem Vortrag vor allem auf den Begriff „Schau-Archiv“ ein. Sonderausstellungen, Empfänge und sogar Trauungen sollen in den geplanten Veranstaltungsräumen möglich sein. „Ein Schau-Archiv wertet das Westufer auf. Es erhält eine neue Aufenthaltsqualität“, sagte die Planerin. Die Regierung von Oberbayern bezuschusse nicht nur die Neugestaltung des Uferbereichs im Rahmen des bayerischen Städtebau-Förderprogramms, sondern habe auch Mittel für das öffentliche Archiv in Aussicht gestellt.

Barbara Hummel vom Büro Schober, das den Architektenwettbewerb organisiert hatte, stellte einige Details vor: Das neue Archiv soll ein nicht für die Allgemeinheit zugängliches Magazin enthalten. Im Besucherraum sollen Interessierte in Ruhe Dokumente einsehen können. In einem größeren Raum mit Schaufenstern könnte sich Hummel wechselnde Ausstellungen über die Flößerei, über Historisches und Kunst vorstellen. Ein Veranstaltungsraum schließlich würde Platz für Vernissagen, Lesungen und Hochzeitsempfänge bieten.

von Tanja Lühr

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur.

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