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Sechs Monate hat die Renovierung des Waldemar-Bonsels-Hauses in Ambach gedauert. Nun ist sie abgeschlossen (Foto oben). Sein ehemaliger Besitzer ist der berühmte Autor der „Biene Maja“.  

Wo einst der „Biene Maja“-Autor wohnte

Waldemar-Bonsels-Haus in Ambach fertig renoviert

Ambach - Nach halbjähriger Renovierung präsentiert sich die Fassade des Waldemar-Bonsels-Hauses an der Ambacher Seeuferstraße in ganz neuen Farben. Das Ergebnis feierten Vertreter der Bonsels-Siftung und der Gemeinde sowie die Restauratoren am Donnerstag.

„Die Villa besitzt jetzt wieder Würde und Ausstrahlung, wie sie es an einem so schönen Ort verdient hat“, sagte der Dietramszeller Architekt Thomas Kortyka in der Feierstunde am Donnerstagnachmittag. Die Sonne, die vom blauen Himmel schien, brachte das Schmuckstück so richtig zur Geltung. Das Anwesen an der Seeuferstraße 25, vor dem das berühmte Ungarische Tor steht, ist bekannt als die Villa von Waldemar Bonsels (1880-1952), Autor der „Biene Maja“. Er erwarb das Haus im Jahr 1919. Errichtet wurde es schon früher, nämlich 1885/86 von dem aus Ungarn stammenden Bela von Benczúr. Er baute das zweigeschossige Walmdachhaus für seinen Bruder, den ehemaligen Direktor der Akademie für Bildende Künste in München, Gyula Benczúr.

Im Gedenkraum der Villa, den die Waldemar-Bonsels-Stiftung im rückwärtigen Gebäudeteil eingerichtet hat, hängt eine Tafel mit einer hübschen Geschichte an der Wand. Waldemar Bonsels, einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller zwischen 1920 und 1940, soll nach Ambach gekommen sein, um die Villa zu besichtigen. Am Starnberger See suchte er vor allem Ruhe. „Er saß lange im Garten, ließ die Landschaft mit den Wiesen, den Bergen und dem See auf sich wirken und kaufte das Haus, ohne die Räume gesehen zu haben“, heißt es. Der Autor lebte und arbeitete in Ambach bis zu seinem Tod. Im hinteren Eck des Gartens befindet sich Bonsels Grabstein mit dem Zitat „Wir alle sind aus Freude geboren und kehren zu ihr zurück“. Es stammt aus Bonsels letztem Buch „Himmelsvolk – ein Märchen von Blumen, Tieren und Gott“. Wie Architekt Kortyka berichtete, hatte die Waldemar-Bonsels-Stiftung, der die Villa seit 1978 gehört, im Frühjahr zahlreiche feuchte und schadhafte Stellen an Sockeln, Fassaden und Fenstern festgestellt. Die Überprüfung der Holzfassade habe ergeben, dass die aktuelle Farbgebung – ein dunkles Braun – aufgrund mehrerer zurückliegender Anstriche nicht mehr dem Originalerscheinungsbild entsprach. Daraufhin entschied sich die Stiftung für eine umfassende Rekonstruktion.

Gábor Benczúr-Ürmössy, der Urenkel des Erbauers, konnte dabei wertvolle Hilfe leisten, indem er historische Fotos, Bilder und Schriften zur Verfügung stellte. Er war am Donnerstag eigens aus Stuttgart zur Renovierungsfeier gekommen. Die Malerarbeiten führte der Münsinger Stefan Pixner durch. Er berichtete von der aufwändigen Farbfindung und Farbneugebung. Orientiert habe er sich vor allem an dem Familienwappen, das an der Hauswand auf der Ostseite der Villa aufgemalt ist. Es enthält das helle Türkis, in dem die Holzteile der Fassade jetzt gestrichen sind. Die restliche Putzfassade wurde wie zuvor eierschalenfarben wiederhergestellt. Pixner verwendete Kalkfarben und -putze. Die grünen Fensterläden behandelte er mit Leinöl – alles ökologische Materialien. Um die Auffrischung des Familienwappens kümmerte sich die Eglinger Restauratorin Melissa Elena De Pellegrin. Auch der Sonnenuhr auf der Südwand verpasste sie einen neuen Anstrich.

Stefan Pixner glaubt, dass es ihm gemeinsam mit De Pellegrin und der weiteren Restauratorin Beata Smigla-Nowak aus Feldafing gelungen ist, „die Seele des Hauses“ zu verstehen und dies gestalterisch umzusetzen. Sowohl Ralf Kirberg, Vorsitzender der Waldemar-Bonsels-Stiftung, als auch Gábor Benczúr-Ürmössy zeigten sich angetan. Bürgermeister Michael Grasl freute sich über die gelungene Verschönerung. Da das Haus derzeit privat an drei Brüder und ihre Familien vermietet ist, sind der von der Stiftung eingerichtete Gedächtnisraum mit dem Original-Schreibtisch Bonsels’ und seiner Bibliothek nicht öffentlich zugänglich. Demnächst soll laut Pressesprecherin Isabelle Henn eine Schautafel aufgestellt werden mit Wissenswertem über die Villa, ihren Besitzer und dessen Werke. (tal)

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