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Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft (3. v. li.) sichtet mit einer Gruppe von Studenten und anderen ehrenamtlichen Helfern alte Dokumente, die an die Waldramer Siedlungsgeschichte erinnern.

Badehaus-Verein bereitet Ausstellung vor

Auf den Spuren der Waldramer Geschichte

Waldram - Mit den Räumungsarbeiten im ehemaligen Badehaus am Waldramer Kolpingplatz schaffte der Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ die Grundvoraussetzung für die Errichtung eines Begegnungs- und Dokumentationszentrums. Nun gilt es, Exponate für die Ausstellungsräume zu sichten und zu strukturieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die eine zehnköpfige Gruppe von ehrenamtlichen Helfern übernommen hat.

„Andere Museen beauftragen für die Erstellung eines Konzepts ein professionelles Büro. Das kostet normalerweise rund 30 000 Euro“, rechnete Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft in einem Pressegespräch im Gasthaus Löwenbräu vor. Viel Geld, das sich der Verein sparen beziehungsweise anderweitig investieren möchte. Seit einigen Monaten treffen sich Emanuel Rüff, Florian Heider, Andreas Wagner, Yannick Philipzig, Simone Steuer, Raphaela Holzer, Annekatrin Schulz, Maria Mannes, Eva Greif und Krafft, um Dokumente zu sichten und deren Platzierung in den künftigen Ausstellungsräumen zu besprechen. „Jeder hat seine eigenen Qualifikationen, die er einbringen kann“, erklärte Krafft. So widmet sich der in Waldram aufgewachsene Lehramtsstudent Emanuel Rüff der Anfangszeit des Lagers Föhrenwald, in dem rund 10 000 Überlebende des Holocaust nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze oder längere Zeit eine neue Heimat fanden. Als Fachmann für die Geschichte des Todesmarsches von KZ-Häftlingen, der unter anderem auch an Geretsried und Waldram vorbeiführte, gilt Andreas Wagner. Der Geretsrieder verfasste bereits ein Buch zu diesem Thema. Den weiten Weg von Würzburg nach Wolfratshausen nimmt der Student Yannick Philipzig mehrmals auf sich. Der Student der Museologie beschäftigt sich vor allem mit der Zwangsarbeit während der NS-Zeit. „Die Verbindung von theoretischer und praktischer Arbeit fasziniert mich“, beschrieb er seinen Antrieb. Eine Bachelorarbeit über die Waldramer Siedlungsgeschichte verfasste Simone Steuer. Ihre Großmutter zog einst als Heimatvertriebene nach Waldram und motivierte sie, sich eingehend mit der Siedlungsgeschichte zu befassen. Umstritten ist nach wie vor die Existenz der so genannten Mikwe – ein rituelles jüdisches Bad – im Badehaus. Grund genug für die Ethnologie-Studentin Raphaela Holzer, in dieser Richtung zu forschen. Zur digitalen Archivierung von Fotos und Dokumenten, hat sich der 18-jährige Florian Heider bereit erklärt. Die Kunsthistorikerin Annekatrin Schulz, die im Wolfratshauser Heimatmuseum Ausstellungen organisiert, die Gymnasial-Lehrerin Eva Greif sowie die Waldramerin Maria Mannes sind weitere wichtige Helfer in der Badehaus-Doku-Gruppe. Die Leitung übernahm die Historikerin und Journalistin Krafft. Sie ist zudem für die multimediale Ausstattung des künftigen Dokumentationszentrums zuständig. Vor dem Treffen im Gasthaus Löwenbräu besichtigte sie mit der Gruppe noch einmal die Räume des Badehauses, die zusammen etwa 700 Quadratmeter umfassen. „Ich habe mit Schrecken festgestellt, wie wenig Platz uns da für unsere Schätze zur Verfügung steht“, sagte Krafft. Dennoch suchen die Ickingerin und ihr Team nach weiteren Dokumenten und Zeitzeugen, die den Todesmarsch der KZ-Häftlinge beobachtet haben oder Erinnerungen an das Lager Föhrenwald haben.

Wer der Doku-Gruppe helfen möchte, kann sich an folgende Adresse wenden: „Bürger fürs Badehaus Waldram“, Kolpingplatz 8 in Wolfratshausen, E-Mail: info@badehauswaldram.de

ph

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