Wasserzähler kostet jetzt das 35-Fache

- Unternehmer empört über Grundgebühr

VON JASMIN MAHADEVAN Geretsried - 2430 Euro Grundgebühr für einen Wasserzähler? Für Matthias Hanfstingl, Juniorchef eines Geltinger Verlags, ist diese stattliche Summe nun Realität: So viel zahlt er nach eigenen Angaben seit heuer für einen Verbundzähler, an dem eine Sprinkleranlage hängt. 2003 seien es nur 70,56 Euro gewesen, sagt Hanfstingl. In einem Brief an Bürgermeister Hans Schmid empört er sich über diese "Steuererhöhung durch die Hintertür".

Seine Buchhaltung habe zunächst auf einen Berechnungsfehler getippt, berichtet Hanfstingl. Auf Nachfrage bei den Stadtwerken sei ihm aber erklärt worden, dass die 35-fache Erhöhung rechtens sei. Für den Unternehmer ist sie indes eine gezielte Belastung von Firmen, "die als einzige so einen Zähler haben". Die Gebühr für einen kleinen privaten Zähler sei nämlich nur von 9,20 auf 39 Euro gestiegen.

Diese Zahlen bestätigt Harald Dörig, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Geretsried. Gegen die Vorwürfe wehrt er sich aber: "Die Erhöhung ist rechtlich einwandfrei", sagt er. "Laut Gesetz dürfen wir 60 Prozent unserer Fixkosten über die Grundgebühr abdecken." Seit 1986 seien die jährlichen Einnahmen daraus mit rund 205 000 Euro aber gleich geblieben, die Fixkosten indes auf 1,3 Millionen Euro pro Jahr gestiegen. Dieser hohe Betrag ist laut Dörig aber nicht auf Misswirtschaft zurückzuführen: Die zu bedienenden Schulden und hohen Abschreibungen resultierten allein aus Investitionen, etwa dem Bau des neuen Hochbehälters.

Durch die Einnahmen-Ausgaben-Schere seien den Stadtwerken "16 Millionen Euro an Herstellungsbeiträgen entgangen". Dies gilt es laut Dörig in Zukunft zu vermeiden. "Weil wir die Gebühr fast 20 Jahre nicht angehoben haben, ist die Erhöhung jetzt so drastisch ausgefallen", sagt er. Hanfstingls Angaben, seine Grundgebühr habe sich zuvor bereits von 59,85 Euro (2002) auf 70,56 Euro im Vorjahr erhöht, hält der Stadtwerke-Verantwortliche für falsch: "Da irrt er sich."

Der kaufmännische Leiter weist auch die Anschuldigung zurück, die Kunden nicht über die Erhöhung informiert zu haben. Der Beschluss sei in öffentlicher Sitzung von Werkausschuss und Stadtrat gefasst worden. "Auch die Presse hat im Februar 2003 ausführlich darüber berichtet." Ferner habe ein Aushang an öffentlichen Tafeln überall im Stadtgebiet die Maßnahme bekannt gemacht - "auch in Gelting". Wenn ein Kunde sich nicht informiere, "werde er sicher nicht Kundengeld für Porto ausgeben", meint Dörig.

Die Diskrepanz zwischen Einzel- und Verbundzähler erklärt der Werkleiter mit einem Rechenbeispiel: "Ein kleiner Zähler kostet 50 Euro, ein großer 3500 Euro." Bei der Ermittlung der Grundgebühr habe man diese Kosten proportional verrechnet. Das Ergebnis: Ein Verbundzähler kostet etwa das 70-Fache eines Einzelzählers. Mit 2430 Euro gegenüber 39 Euro ist das tatsächliche Verhältnis also noch etwas günstiger.

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