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Weihbischof Wolfgang Bischof (re.) weihte gestern in der Münsinger Pfarrkirche den neuen Altar.

Zeremonie mit Seltenheitswert

Bischof weiht Altar der renovierten Pfarrkirche

Münsing - Eine Altarweihe erlebt man nicht alle Tage. Die seltene Zeremonie wurde gestern in der rundum renovierten Münsinger Pfarrkirche von Weihbischof Wolfgang Bischof vorgenommen. Hunderte Gläubige nahmen daran teil.

Zwölf Jahre hatten die Münsinger Katholiken darauf gewartet, dass die Erzdiözese München und Freising die Innenrenovierung der Mariä-Himmelfahrtskirche genehmigen würde. 2012 war es so weit. Nachdem die Außenfassade Ende der 1990er Jahre hergerichtet worden war, kam der Innenraum an die Reihe. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit erstrahlt das im 16. Jahrhundert erbaute Gotteshaus nun in neuem Glanz. Die Wände und das Deckengewölbe sind frisch in Weiß, hellem Gelb, zartem Rosa und Blau gestrichen. Das Gold der Heiligenfiguren leuchtet wieder, die lockeren Marmorfliesen im Altarbereich wurden befestigt. Die Elektronik funktioniert, das Gestühl wurde saniert, kurz: Die Barockkirche ist ein Schmuckstück. Ihren Mittelpunkt bilden der neue Altar und Ambo aus beigem Kalkstein, gefertigt von dem aus Aufhofen stammenden, mittlerweile im Allgäu lebenden Künstler Thomas Link.

Altar und Ambo weihte gestern Weihbischof Wolfgang Bischof. „Eine Altarweihe ist ein besonderes Ereignis, das nur alle paar hundert Jahre vorkommt“, schrieb Münsings Pfarrer Martin Kirchbichler im Pfarrbrief und rief seine Schäflein zur Teilnahme am Festgottesdienst auf. Die kamen in großer Zahl, viele von ihnen filmten oder fotografierten die Zeremonie. Zunächst segnete Bischof den Ambo, das Pult, von dem aus die Predigt und die Lesungen vorgetragen werden. Alle drei Lesungen nahmen Bezug auf die anschließende Altarweihe. Diese Weihe lasse ihm jedes Mal das Herz aufgehen, sagte der Bischof und erklärte, was er im Folgenden tun werde und welche symbolische Bedeutung dahinterstehe. Der Geistliche lud die Kinder unter den Kirchenbesuchern ein, nach vorne zu kommen, um besser zuschauen zu können. Allerdings traute sich niemand, was Bischof den Kindern nicht übel nahm. „Dann machen wir’s eben so“, stellte er mit einem Lächeln fest.

Als Zeichen der Überlieferung des Glaubens ließ Bischof die Reliquien des seligen Otto von Freising und des seligen Kaspar Stangassinger in den Altar einmauern. Er besprengte den Altar nicht nur mit Weihwasser, sondern rieb die Platte auch mit Chrisam, einem Salböl, ein. Auf der gesalbten Fläche entzündete er Lichter, aus denen Weihrauch aufstieg – „so wie unsere Gebete aufsteigen sollen zu Gott“. Nach der Reinigung konnte der Altar mit Tüchern und Kerzen vorbereitet werden und zum ersten Mal wurde die Eucharistie auf ihm gefeiert.

Rund 765 000 Euro hat die Innenrenovierung der Kirche gekostet, 40 000 Euro der Altar, wovon die Pfarrei 30 Prozent selbst übernehmen musste. Weihbischof Bischof betonte, wie wichtig Räume der Gemeinschaft für die Christen seien. Mit der wunderbar renovierten Pfarrkirche stehe den Münsingern ein solcher Raum zur Verfügung. Er rief sie auf, voller Freude hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden, „und wenn es nötig ist, auch mit Worten“, zitierte er den Heiligen Franziskus.

Pfarrer Kirchbichler bedankte sich beim Erzbistum München und Freising, bei allen Handwerkern, bei Kirchenpfleger Robert Müller für die Koordination der Arbeiten, bei den ehrenamtlichen Helfern, die zur Renovierung beigetragen haben, sowie bei allen Spendern. Rund 200 000 Euro seien bereits zusammengekommen, das seien 90 Prozent des Eigenanteils der Kirche. Annelies und Walter Hofner, dem Chor und den Solisten, den Lektoren und Ministranten sagte Kirchbichler „Vergelt’s Gott“ für die Gestaltung des Gottesdienstes, ebenso dem Frauenbund für den Blumenschmuck und den Fahnenabordnungen der Ortsvereine für ihre Anwesenheit. Er lud alle Besucher ein, die abgeschlossene Kirchenrenovierung noch gemeinsam im Gemeindesaal zu feiern. (tal)

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