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Einen Fan hat auch schon das weiße Rindvieh im Schaufenster der Parfümerie Wiedemann gefunden.

Kunstmeilen-Rundgang

Weiße Kühe und „Steampunk“ – bunt, modern, verrückt

Die Wolfratshauser Kunstmeile verändert das Stadtbild. Leer stehende Ladenlokale sind zu mondänen Galerien geworden.

Leer stehende Ladenlokale können Charme haben. Wer’s nicht glaubt, sollte dieser Tage einmal durch die Loisachpassage am Obermarkt 25 gehen. Das ehemalige Musikbistro D’Amato hat sich in eine mondäne Galerie verwandelt. Ebenso wie der seit Monaten leer stehende Benetton-Laden. Ein Glücksfall sozusagen für viele Künstler, die dort reichlich Platz für ihre Skulpturen, Objekte und Bilder gefunden haben: Christiana und Elisabeth Biron etwa, Stefanie von Quast, Rudi Sedlmeyr, Andrea Weber, Marianne und Otto Süßbauer und Wolfram Weisse. Das selbe Szenario setzt sich in der gesamten Wolfratshauser Innenstadt fort. Die Kunstwerke in den Schaufenstern der vielen Geschäfte fallen den Passanten und Kunden sofort ins Auge.

Die Kunstmeile „fünf“ hat ihre Spuren hinterlassen. Rund zwei Wochen gibt es jetzt nicht nur Bekleidung, Brillen, Taschen, Parfümerieprodukte und Schmuck zu bestaunen und zu erwerben, sondern eben auch Kunst jeglicher Coleur. Die meisten der ausstellenden Künstler haben sich lange darauf vorbereitet, akribisch an ihren Werken gefeilt und gearbeitet. Aber auch die Wolfratshauser Ladenbesitzer haben sich einiges einfallen lassen. In den drei Geschäften von Ines Boodevaar (Haupthaus, Jeansshop und Pocco Loco) haben sich gleich acht Künstler niedergelassen. Und wie auch in den anderen Geschäften in der Loisachstadt sind sie zum großen Teil von auswärts.

Sehr edel machen sich etwa die wunderschön gearbeiteten Holzobjekte des Stuttgarter Bildhauers Thomas Böllmann. Großformatige Blumen- und Landschaftsimpressionen von Heike Haas, Reiner Müller und Gerda Feuerlein sind kunstvoll zwischen die neue Herbstmode drapiert worden. „Ich liebe es, Kunst und Mode zu arrangieren“, sagt Renate Thalhammer, selbst Künstlerin und seit 36 Jahren Dekorateurin bei Boodevaar. Optimal dafür seien natürlich die großen Schaufenster des Traditionshauses am Untermarkt 6. Viele Kunden bleiben interessiert davor stehen, und Thalhammer räumt ein, dass einige Bilder auch schon verkauft worden seien.

„Ich kann auch anders“ ist ein digital bearbeitetes Bild von Wolfgang Sporer aus Königsdorf getitelt. Er und sein Malerkollege Jochen Pabst haben ihre farbenfrohe und eigenwillige Kunst an den dunklen Wänden des Eiscafés Cristallo (Obermarkt 12) verteilt. Wer eine Vorliebe für Paarhufer hat, kann sich an den Bildern in den Schaufenstern der Parfümerie Wiedemann (Obermarkt 11) erfreuen. „Vollmilch“ heißt eines der Werke von Dorothee von der Osten, auf dem ein weißes Rindvieh in Mischtechnik auf Metall verewigt, das starr und unbeteiligt vor sich hinglotzt.

Bei Möbel Mahler im Gewerbegebiet (Hans-Urmiller-Ring 43) macht die Kunstmeile ihrem Namen alle Ehre. Im Obergeschoss haben sich die ausstellenden Künstler eine Art Atelier mit Werkstatt eingerichtet. An den Stellwänden hängen Bilder in allen Größen von Petra Keil, Karin Schult sowie „Art Adventure“ von Carola Peter aus Ammerland. Den Kunden fallen vor allem die abstrakten, farbintensiven Pop-Art-Gemälde und Collagen des Wolfratshauser Kunstmalers, Werbegrafikers und Designers Karl Nassel auf. Kaum einer würde bei dieser verrückten „Mixed Art“ vermuten, dass der Künstler schon 86 Lenze zählt – so bunt, modern und verrückt muten seine Werke an. Nassel lebte in Toronto (Kanada) und Miami (Florida). Die Wintermonate verbringt der Weitgereiste alljährlich in seinem Studio auf den Bahamas. Dort entstehen auch seine skurrilen Objekte aus Treibholz, Muscheln und diversen Dekomaterialien. Für seinen „Steampunk“ verwendet der gebürtige Münchner die unterschiedlichsten Materialien wie Glaskristalle, Schmuck, Glitter, Metallfolien, Swarovski-Steinen und Blattgold. Bewaffnet mit Pinsel, Spachtel und Airbrush-Pistole geht der passionierte Windsurfer dann mit Feuereifer ans Werk. „Kunst muss für mich spannend und lebendig sein und bleiben, bis zum Schluss.“

Roswitha Diemer

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