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Tausende Besucher lockt das „Lernfest“ alle zwei Jahre ins Klosterdorf Benediktbeuern. Der Landkreis ist finanziell an der Veranstaltung beteiligt.

„Welchen Nutzen hat das Lernfest ?“

Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Kreisausschuss entscheidet heute über einen Zuschuss für das Lernfest. Kreisrätin Lucia Schmidt (Grüne) meldet Bedenken an.

Zum „Lernfest“ strömen alle zwei Jahre tausende Besucher ins Kloster Benediktbeuern. In seiner heutigen Sitzung soll der Kreisausschuss absegnen, dass der Landkreis zuz der neunten Auflage am 17. Mai einen Zuschuss von 8000 Euro beisteuert. Kreisrätin Lucia Schmidt (Grüne) meldet im Vorfeld Bedenken an.

In einem Brief an den Landrat fragt die Wolfratshauserin „Welchen konkreten nachweisbaren Nutzen für die Bürger hat der Landkreis aus dem Lernfest gezogen, der diese Unterstützung rechtfertigt?“ Auch erkundigt sich Schmidt, wie viel Arbeitszeit die Landratsamts-Mitarbeiter dem Lernfest widmen. „Das Lernfest gehört einfach nicht zu den Aufgaben des Landkreises“, erklärt Schmidt auf Nachfrage. Wenn auf der anderen Seite Hartz-IV-Empfängern „die Daumenschrauben angelegt“ würden, seien solche Ausgaben nicht einzusehen. Aus Schmidts Sicht vermittelt das Lernfest auch nicht die richtigen Werte. „Den Leuten wird suggeriert, sie müssten lebenslang Kurse besuchen – aber fürs Lernen braucht man keine Organisationen.“ Bei ihren eigenen Besuchen fand sie das Lernfest zwar „ganz interessant“. Teilweise „kommt es einem aber auch vor wie ein Bierfest. Da müsste der Landkreis auch jeden Flohmarkt unterstützen.“

Aus Sicht von Andreas Roß, Wirtschaftsförderer des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, lohnt sich die Investition ins Lernfest auf alle Fälle. Zu beziffern sei der Nutzen freilich nur schwer. Es handele sich um eine „Leistungsschau, wie aktiv die Region in Sachen Bildung ist und was es für vielfältige Angebote gibt“. Für die Aussteller diene die Veranstaltung der Vernetzung. „Hier lernt man sich einmal persönlich kennen und knüpft wichtige Kontakte“, so Roß. Dass sich der Landkreis finanziell beteilige, komme daher, dass er neben der „Lernenden Region Tölzer Land“ Mitveranstalter sei. Weil es sich bei vielen Ausstellern um Vereine und Ehrenamtliche handle, könnten keine kostendeckenden Standgebühren verlangt werden.

Denselben Tenor hat die schriftliche Antwort des Landrats auf Schmidts Fragen. Landratsamts-Mitarbeiter haben demnach pro Lernfest geschätzt insgesamt zehn bis zwölf Arbeitstage in die Veranstaltung investiert – in erster Linie, weil Landratsamts-Abteilungen selbst mit Ständen vertreten waren. Eine Aufstellung der Personalkosten sei wegen fehlender Aufzeichnungen nicht möglich. Der Lernfest-Zuschuss des Landkreises wurde vor zwei Jahren von 5000 auf 8000 Euro erhöht.

Andreas Steppan

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