Kaum noch eine S-Bahn fährt in München - Das sind die Ausweichmöglichkeiten

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Weltgewandter Denker im kleinen Dorf

- Thanning - Seit Jahresanfang hat die Gemeinde Egling zwei prominente Neubürger: die international renommierten Physiker Karl und Bernhard Philberth. Auch ihr zweiter Beruf verbindet die Brüder: Sie sind beide Priester. "Wir wurden 1972 ,ad titulum patrimonii` geweiht - das ist ein Titel aus dem Mittelalter", berichtet Karl Philberth. "Bedingung war, dass wir weiterhin als Physiker und Techniker tätig sind." Mit seiner 101-jährigen Mutter Klara lebt er nun als Ruhestandspriester im Thanninger Pfarrhof. "Es ist schön hier", schwärmt der 74-Jährige. "Für meine Mutter ist das Vorbeiziehen der Kühe jeden Morgen eine Attraktion." Sein um zwei Jahre älterer Bruder, der offiziell auch hier wohnt, blieb wegen eines Herzleidens vorerst in Australien, wo die Brüder zeitweise eine deutschsprachige Pfarrei leiteten.<BR>

Der Mann mit den wachen Augen und der impulsiven Gestik hat ein bewegtes Leben hinter sich. In München aufgewachsen als Sohn eines hohen Richters, promovierte er in Paris und lebte mit seiner Familie lange in Puchheim. "Das Häuschen haben wir vor sechs Jahren verkauft für unsere Stiftung auf den Philippinen." Ursprünglich Elektro- und Kernphysiker, wurde er durch seinen Bruder, der die Beseitigung der radioaktiven Reaktor-Abfälle in den Eiskappen der Erde vorantrieb, zu einem Experten der Glaciologie, der Gletscherkunde. Das Duo ergänzt sich bestens: "Mein Bruder hat große Konzepte", erklärt Karl Philberth lächelnd. Er selbst formulierte diese mathematisch. Auch die Astrophysik verbindet beide. Mit leuchtenden Augen erzählt Karl Philberth, wie er eines Nachts die 2,2 Millionen Lichtjahre entfernte Andromeda-Galaxie im Teleskop auf Anhieb klar vor sich sah - wie wenn ihm einer die Hand geführt hätte. Er glaubt an Kräfte, die den Verstand übersteigen. Wie sein Bruder ist er beseelt davon, "aufzuzeigen, dass die Wissenschaft nicht nur neben dem Glauben Platz hat, sondern auch ein wertvolles Hilfsmittel für den Glauben ist". Drei Themen liegen ihm besonders am Herzen. "Evolution und Schöpfung sind keine Gegensätze, sondern Gott schöpft auch durch Evolution", sagt der Priester. Häufig hört er die Frage nach Leben auf anderen Planeten. "Immer mehr Astrophysiker kommen zu der Meinung, dass es noch sehr viele Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gibt und darunter auch viele, die hoch entwickeltes Leben tragen", sagt Philberth. Die Bedenken von Gläubigen, dass dies dem Erlösungsgedanken des Christentums Abbruch tut, teilt er nicht. Das bekannte er auch gegenüber Kardinal Joseph Ratzinger: "Die zweite Person Gottes könnte ja auch auf diesen Planeten Fleisch angenommen haben."<P>Intensiv setzte er sich auch mit dem menschlichen Gehirn und dem Wirken des Geistes auseinander. Wenn jemand das Gehirn auf biochemische Prozesse reduziert, kontert er mit dem Beispiel eines Klavierkonzerts: Hier käme keiner auf die Idee, die Musik nur mit einer Aufzählung der mechanischen Vorgänge zu beschreiben. Nebenbei ist Philberth leidenschaftlicher Mineraliensammler. Und früher war seine Passion das Klettern. Das lernte er, weil ihn das Gefühl der Schwerelosigkeit beim Abseilen interessierte - damals, als er im Ötztal als Priester aushalf.<P>Veronika Mergenthal<P>

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