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Aufgegangen ist die Rechnung für den Historischen Verein Wolfratshausen im November 2010. Zur Vorstellung des Buchs „Amboss, Zwirn & Flößerhack“ kamen 600 Besucher in die vom Verein gemietete Loisachhalle.

Konkurrenzlos teuer?

Nur wenige Vereine mieten die Loisachhalle

Nur wenige Vereine wagen das Risiko und mieten die Loisachhalle für eine Veranstaltung. Sie haben Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Wer wissen will, was die Miete der Loisachhalle oder des Foyers kostet, muss Flößerei-Wirt Dominik Tabak fragen.

Zwar sei vieles Verhandlungssache, sagt er, doch die offizielle Preisliste gibt eine erste Orientierung. Sonntags bis freitags zahlt man für die Miete der Loisachhalle pauschal 600 Euro. Hinzu kommen zwischen April und September die Betriebskosten in Höhe von 700 Euro. In den Wintermonaten steigen die Nebenkosten auf 900 Euro, weil geheizt werden muss. Für das Foyer werden 300 Euro Miete fällig und 350 Euro an Nebenkosten. Samstags gelten andere Mietpreise. Dann muss man für die Halle oder das Foyer 800 Euro zahlen. Wer zudem Profis für Ton und Technik benötigt, muss mit weiteren Kosten rechnen. Die wiederum sind abhängig vom Aufwand des Gewünschten.

Flößerei-Wirt Tabak hält die Preise für gerechtfertigt und verweist darauf, dass die Loisachhalle ein modernes und attraktives Objekt ist. Verwaltet wird es von der Loisachauen GmbH. Ihr hat die Stadt Wolfratshausen im Jahr 2007 das alleinige Nutzungsrecht übertragen. „Wir haben einen hohen Pachtpreis, der weitergegeben werden muss. Die Halle kann nicht verschenkt werden“, erklärt Tabak und verweist auf die freie Marktwirtschaft und darauf, dass die Loisachauen GmbH nicht subventioniert wird. Zwar würde man den Vereinen gerne mehr entgegen kommen. Doch sei das einem Einzelbetreiber, der von Umsatzzahlen abhängig ist, nun mal nicht möglich. Das zeige auch ein Vergleich mit den Mieten anderer großer Hallen, die ähnlich seien. Außerdem glaubt Tabak, dass die Vereine die Preise durchaus refinanzieren können – durch Zuschüsse und den Eintritt lasse sich sicher ein Großteil stemmen.

Während die Loisachtaler Bauernbühne vor der Wiedereröffnung der Loisachhalle noch drei Mal dort gespielt hatte, beschränkt sie sich mittlerweile auf ein einziges Gastspiel mit einem neuen Stück. Die übrigen Auftritte finden im Ratsstubensaal in Geretsried statt. „Wenn zu einer Vorstellung in der Loisachhalle rund 400 Besucher kommen, können wir Miete und Nebenkosten stemmen“, sagt Wiggerl Gollwitzer, Vorsitzender der Loisachtaler Bauernbühne und Kulturreferent von Wolfratshausen. Weil aber kaum drei Mal hintereinander mindestens 400 Zuschauer kommen, belässt man es bei einem Auftritt in der Loisachhalle. „Das Risiko ist sonst zu groß, und es ist nicht der Sinn, ein mögliches finanzielles Defizit durch die Auftritte in den Geretsrieder Ratsstuben auszugleichen.“ Gollwitzer wünscht sich, dass die Stadt die Vermietung der Halle an die Vereine noch einmal überdenkt. Früher hatten Wolfratshauser Vereine „von Haus aus einen Rabatt“. Gollwitzer glaubt allerdings, dass es schwierig sein wird, eine Lösung herbeizuführen, „ohne das Stadtsäckel zu sehr zu belasten“. Und manch’ einem Stadtrat koste die Kultur bereits jetzt zu viel.

Dass die Miete der Halle „sehr gut überlegt sein will“, betont auch Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen. „Für einen Verein ist die Miete eine Rieseninvestition und ein großes Risiko“, bestätigt sie. Der Historische Verein wird das finanzielle Wagnis am 14. November erneut eingehen und zu einer großen Buchpräsentation in die Loisachhalle einladen. Krafft würde sich wünschen, dass es seitens der Stadt ein Kontingent für Vereine gebe, auf das diese einmal im Jahr zugreifen könnten, um eine Veranstaltung in der Loisachhalle finanzieren zu können. Schließlich seien die Vereine „zum Wohle der Stadt“ tätig und würden zur kulturellen Bereicherung beitragen. „Viele leisten einen kostenlosen Beitrag zum Kulturangebot, müssen aber trotzdem immer wieder schauen, wie sie über die Runden kommen.“ Eine Alternative zur Loisachhalle sieht Krafft nicht. Das Pfarrheim sei zu klein, und nach Geretsried auszuweichen wertet die Historikerin als „Armutszeugnis“. „Um eine große Veranstaltung mit mehreren hundert Gästen zu organisieren, ist die Loisachhalle konkurrenzlos.“ (njd)

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