"Es ist wichtig, dass wir hinschauen"

- Jugendschutz und Suchtprävention in Königsdorf - Tipps aus der Praxis

Königsdorf - An einen großen Kreis - Eltern, Lehrer und Vereinsaktive - richtete sich ein Infoabend der Dorfvereine zu den Themen Jugendschutz und Suchtprävention. Georg Stöger hatte den Saal reservieren lassen und war enttäuscht, dass nur ein großer Tisch zusammenkam, zumal im Gespräch deutlich wurde, wie sehr das Thema auf den Nägeln brennt.

Claudia Koch vom Amt für Jugend und Familie des Landkreises und Barbara Oberhofer vom Kreisjugendring stellten das seit 1. April 2003 gültige neue Jugendschutzgesetz vor. Demnach dürfen Tabakwaren nicht mehr an unter 16-Jährige verkauft werden.

Dass auch in Königsdorf die Welt nicht mehr heil ist, zeigte die Erzählung eines Vaters: Als er seine Tochter zum Kindergarten brachte, habe er eine zeitlang Tag für Tag um 8 Uhr früh drei junge Mädchen mit Zigaretten und Bier auf den Stufen sitzen sehen. "Es ist wichtig, dass wir hinschauen und die Jugendlichen ansprechen", ermunterte Koch die Anwesenden. "Nicht gleich mit dem Ausschimpfen anfangen, sondern nachfragen."

Neu war für manche, dass Alcopops erst ab 18 erlaubt sind. "Wir haben wirklich mit den Alcopops ein Problem", so Koch. Wie sie aus Besuchen in achten bis zehnten Klassen weiß, kennen "im Prinzip alle" die gefährlichen Limo-Schnaps-Mixgetränke aus eigener Erfahrung.

Auch praktische Tipps für Feste hatte Koch parat. "Es werden alle Vereine umdenken müssen", betonte sie. Man könne Stempel in verschiedenen Farben je nach Alter verteilen und eine Einlasskontrolle einführen - am besten männlich und weiblich besetzt - um das Mitbringen von Hochprozentigem zu unterbinden. "Das müssten alle tun", betonte Georg Stöger, der vor einem Feste-Tourismus warnte. "Man müsste auch weg von dem Gedanken, dass man mit dem Fest Geld verdienen muss", meinte Gertraud Hofherr.

Oberhofer regte ein Nachdenken über die Namensgebung der Events an, die früher einen Sinn gehabt hätten und nun oft nach alkoholischen Getränken benannt seien. Gute Werbung für Alkoholfreies, die Gestaltung der Getränkepreise und zeitgerechte Durchsagen nannte Koch als Hilfsmittel, um den Jugendschutz einzuhalten.

Bei der Prävention setzte man nun wieder vermehrt auf Abschreckung, etwa das Aufstellen von Crashautos bei Festen, erklärte die Referentin. Sie berichtete von einer Klinikführung für Gautinger Schüler, die Raucherlungen anschauen und sich mit Krebskranken unterhalten konnten. "Nachweislich hat von diesen Schulklassen keiner angefangen zu rauchen."ver

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