Wie wichtig doch ein umgefallenes Radl ist

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Wolfratshausen/Penzberg &#8211; Wenn einem etwas wurscht ist, so richtig schnurzegal, dann sagt derjenige schon mal, diese Sache interessiere ihn in etwa so, wie wenn in Peking ein Radl umfällt. In Anbetracht von geschätzten neun Millionen Zweirädern in Chinas Metropole ist das durchaus ein zu vernachlässigendes Ereignis. Meint man. Wolfgang Sacher denkt ganz anders. Es könnte ja seine Rennmaschine sein &#8211; Synonym für seinen großen Traum &#8211;, die da 2008 im Pekinger Straßenstaub liegt. Das will der 39-jährige Penzberger nicht, er möchte bei den nächsten Paralympics für Deutschland in die Pedale treten. <P>Rückblende: 1982, Sacher steckte in der Ausbildung zum Maschinenschlosser, da schossen 16 000 Volt Starkstrom durch den Leib des damals 16-Jährigen. Er verlor den linken Arm und alle Zehen des rechten Fußes. Auch das linke Bein bekam etwas ab: Sehnen und Bänder wurden so geschädigt, dass Sacher den Fuß seitdem &#8222;nur eingeschränkt bewegen&#8220; kann. <P>Jedes dieser drei Handicaps allein wäre ausreichend, in der schwersten Handicap-Klasse LC 1 des Behinderten-Radsports starten zu dürfen. Der 39-Jährige ist also eindeutig benachteiligt gegenüber der Konkurrenz, die nach Sachers hobbymäßigem Start der Radsportkarriere 1997 mittlerweile international und profihaft geworden ist. Und trotzdem gewann er gleich bei seiner Premiere im Vorjahr die Europacup-Serie &#8211; aus heiterem Himmel und &#8222;als erster Deutscher überhaupt&#8220;. Heuer liegt er nach vier von fünf Rennen erneut vorne. Mit fünf Punkten Vorsprung führt Wolfgang Sacher, der für den RSC Isartal Wolfratshausen antritt und sich kürzlich (gegen gesunde Widersacher) die Stadtmeisterschaft einverleibt hat, vor Fabio Triboli. Der Italiener hat übrigens &#8222;nur&#8220; einen lahmen Arm und deshalb deutliche Vorteile in der Balance und am Berg, den er im Wiegetritt angreifen kann. &#8222;Ich&#8220;, erklärt Sacher, &#8222;muss alles aus dem Sattel fahren.&#8220; Immerhin: Eine Reform der Handicap-Klassifizierung wird überdacht. <P>Skeptisch vor dem Europacup-Rennen <P>Im Rahmen der Holzkirchener Radsport-Nacht muss sich an diesem Samstag im Abschlussrennen (Beginn: 19.15 Uhr) über 45 Kilometer entscheiden, ob der Verwaltungsfachangestellte aus Penzberger, der in Schäftlarn die Gemeindekasse führt, seinen Vorjahrestriumph wiederholen kann. Er selbst ist skeptisch. Der nur 600 Meter lange Rundkurs habe eher die Dimensionen eines Kriteriums mit vielen und engen Kurven. Sacher hat &#8222;es da natürlich mit einem Arm viel schwerer&#8220;. Das Rad ins Korn wirft er freilich nicht: &#8222;Es wird am Samstag sehr hart, aber gewinnen möcht&#8217; ich schon.&#8220; <P>Man tut sich gar nicht leicht, die vielen Ziele Sachers zu überblicken. Den Europacup will er holen, sich für die Weltmeisterschaft Mitte September im schweizerischen Aigle qualifizieren, nebenbei Kraft und Technik verbessern &#8211; und eben in zwei Jahren nach Peking, das ist sein &#8222;größter Wunsch&#8220;. Im Februar 2005 tat er sich deshalb mit Matthias Laar, einem diplomierten Sportwissenschaftler, zusammen. Die Arbeit mit dem Trainer ist ertragreich. Innerhalb dieser eineinhalb Jahre fallen Wolfgang Sachers größte Erfolge: neben dem Europacup-Sieg drei Deutsche Meistertitel. &#8222;Matthias macht sehr gute Arbeit&#8220;, lobt der Penzberger seinen Coach und längst auch Freund, &#8222;ich hoffe, es geht so weiter.&#8220; <P>2008 ist Wolfgang Sacher fast 42 Jahre alt. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass ihm sein Körper bis dahin Grenzen aufzeigt, die er derzeit in seinem steten Vorwärtskommen nicht erahnt; dass ihn womöglich Jüngere auf dem Weg nach China überflügeln. Wirklich beschäftigen tut er sich mit diesem Thema nicht. Wie eine Wespe das Limonadenglas peilt der RSCI-Fahrer das große Ereignis im Land der Mitte an: &#8222;Ich will es dahin schaffen.&#8220; So bestimmt sagt er das, dass auch bei seinem Gegenüber kaum Zweifel aufkommen: Selbst wenn in Peking ein paar Millionen Fahrräder auf einen Schlag umkippen &#8211; jenes von Wolfgang Sacher wird nicht darunter sein. K peb <P>

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