Sowohl für den Tourismus als auch für die Geschäfte wichtig: So urteilt Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Mi.) über das freie WLAN-Netzwerk in der Wolfratshauser Innenstadt. Mobilfunkkritiker Dr. Hans Schmidt sieht das anders. Foto: Archiv

Widerspruch gegen freies WLAN

Wolfratshausen - Dr. Hans Schmidt will Unterschriften gegen das neu installierte WLAN in der Altstadt sammeln und die Rechtsaufsicht des Landratsamtes einschalten.

Seit zwei Wochen können Bürger und Besucher in der Wolfratshauser Altstadt kostenlos mit ihrem Smartphone oder Tablet im Internet surfen. Wie berichtet hat die Stadt ein offenes WLAN-Netz installiert. Es wird von der Innsbrucker Firma Innerebner betrieben. Mitfinanziert wird es vom Werbekreis, vom Verein Lebendige Altstadt und von der Unternehmervereinigung. Seit das Funk-Internet läuft, haben einige der Bürgerinitiativen-Mitglieder nach eigenen Angaben gesundheitliche Probleme. In ihrer Versammlung im Gasthaus Löwenbräu am Mittwochabend berichteten Elektrosensible von Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Lucia und Dr. Hans Schmidt sagten, es sei ihnen nach dem jüngsten Vollmond-Ulmentanz auf der alten Floßlände im Vergleich zum Vormonat richtig schlecht gegangen. Sie berichteten von „Kribbeln und Vibrieren vorm Einschlafen“.

Hans Schmidt verwies auf 52 Studien, denen zufolge WLAN Zellschäden verursache. Er sagte, er habe eine Belastung von 80 bis 100 Mykrowatt pro Quadratmeter in der Innenstadt gemessen. Der Grenzwert liege in Deutschland bei zehn Millionen Mykrowatt pro Quadratmeter, der Bund für Umwelt- und Naturschutz Naturschutz fordere, 100 Mykrowatt nicht zu überschreiten, als so genannten Vorsorgewert würde die Initiative lediglich einen Mykrowatt pro Quadratmeter empfehlen.

Der Gesundheitsgefährdung steht nach Meinung des Grünen-Stadtrates nur ein minimaler Nutzen gegenüber. Schmidts Recherchen zufolge wählen sich in Bad Tölz im Durchschnitt nur zehn Besucher pro Tag in das dortige freie WLAN ein: „Wenn man bedenkt, wie wenig Tourismus wir in Wolfratshausen im Vergleich dazu haben, ist das Service-Argument der Stadt lächerlich.“ In der Bauausschuss-Sitzung in der kommenden Woche will er das Thema WLAN nochmals ansprechen. Schmidt hatte das Projekt wie berichtet bereits im Vorfeld kritisiert. Denn: Frei zugängliche Hass-Propaganda und Pornografie seien eine Gefahr vor allem für Kinder. Zum anderen könne der Stadtrat „die gesundheitlichen Folgeschäden eigentlich nicht verantworten“.

Schmidt beklagt zudem, dass er auf Nachfrage bei der Wolfratshauser Stadtverwaltung keine Einsicht in den Vertrag mit dem IT-Unternehmen Innerebner bekommen habe. Nun habe er bei der Rechtsaufsicht der Kreisbehörde Beschwerde wegen der Einführung des Funk-Internets eingelegt. Die Stadtverwaltung habe im Vorfeld der Entscheidung erklärt, sie werde das Thema „grundsätzlich weiterverfolgen“. Kurz darauf habe die Kommune einfach Antennen aufgestellt, so Schmidt.

Tanja Lühr

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