Wiesn, Wallberg und Kaufland

Wolfratshausen - 15 Gäste aus der Partnerstadt Iruma besuchen zurzeit die Loisachstadt.

Sie sind überpünktlich beim Besuch im Rathaus, sie bedanken sich mit einer Verbeugung für jede kleine Freundlichkeit und sie fotografieren wie verrückt. Die Mitglieder der Reisegruppe aus dem Land des Lächelns entsprechen ganz dem Klischee, das man hierzulande vom höflichen Japaner hat. Das Gros der 15 Gäste aus Fernost ist zum ersten Mal in Deutschland. Es sind Frauen und junge Erwachsene dabei, einfache Bürger der 160 000-Einwohner-Stadt Iruma, und nicht nur Amtsträger, betont Dietlind Diepen vom Wolfratshauser Partnerschaftsverein. Sie freut sich über diese Entwicklung, zeige sie doch, dass die seit 1987 bestehende Freundschaft zwischen den beiden Kommunen in der Bevölkerung gelebt werde.

Heilinglechner führte die Gruppe in sein Amtszimmer, in dem seit vielen hundert Jahren die Bürgermeister der Loisachstadt residieren, wie er erklärte. „Nur die Möbel sind nicht mehr die selben“, scherzte er. Im Sitzungssaal berichtete er kurz über die Geschichte Wolfratshausens, über die Nachbarschaft mit München, die genau wie Irumas Nähe zu Tokio Vor- und Nachteile habe. Die Delegation unter der Leitung von Saito Jiro (der Familienname steht im Japanischen vor dem Vornamen) stellte viele Fragen zum Tourismus, zum Schulsystem, zur Inklusion, zur aktuellen Asylpolitik und zur Bevölkerungsentwicklung. Dolmetscher Takama Ippei übersetzte.

Eine Besucherin stellte fest, dass sie sich gewundert habe, mittags so viele Kinder in der Stadt zu sehen. Ob die nicht in der Schule essen würden. Heilinglechner erklärte, dass immer mehr Schüler in der Mensa verpflegt würden und dass die Ganztagsschule auf dem Vormarsch sei. Er lobte in diesem Zusammenhang die japanische Lockerheit. Bei seinem Besuch in Iruma im vergangenen Jahr hätten Schüler, Lehrer und die Wolfratshauser Abordnung zusammen im Klassenzimmer gegessen. „Es geht also auch ohne große Regelungen“.

Nach einem kurzen Spaziergang entlang des Loisachufers mit Besichtigung des Maibaums und des Japanischen Gartens kleideten sich einige Gäste im Trachtenmodengeschäft Fischer-Pflügl für die Wiesn ein. Dirndl und Lederhose können sie auch während des restlichen Besuchsprogramms tragen: Sie werden sich Schloss Linderhof und Oberammergau anschauen, eine München-Stadtrundfahrt machen, einen bayerischen Abend im Wirtshaus Flößerei verbringen und einen Ausflug zum Schliersee, Wallberg und Tegernsee unternehmen. Zwei mitgereiste Gärtner werden gemeinsam mit Iruma-Vereinsmitgliedern den Japanischen Garten pflegen.

Am Freitag, begleitet Diepen die Irumer zum Kaufland nach Geretsried. „Das hat Tradition. Die Japaner wollen dort immer einkaufen, vor allem Süßigkeiten, die es in dieser Form bei ihnen zu Hause nicht gibt“, erklärte Diepen. Bereits im Oktober werden einige Wolfratshauser zum Gegenbesuch in die 11 000 Kilometer entfernte Partnerstadt aufbrechen. Eine Einladung zum Mandho-Fest, dem Fest der 10 000 Laternen, überreichte Saito Jiro dem Bürgermeister gleich nach dessen Begrüßung.

Tanja Lühr

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