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Eine renaturierte Fläche des Königsdorfer Weidfilzes.

Nicht jeder unterstützt das Projekt

LBV will Königsdorfer Weidfilz renaturieren

Königsdorf - Der Landkreis ist der drittreichste an Mooren im gesamten Freistaat. Eins davon, das Königsdorfer Weidfilz, ist stark gefährdet. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) setzt sich für seine Renaturierung ein. Zurzeit stockt das Projekt.

Weltweit gesehen speichern Moore etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde. Auch zum vorbeugenden Hochwasserschutz tragen sie ihren Teil bei. „Der Torfkörper wirkt wie ein Schwamm“, beschreibt Walter Wintersberger, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe. „Bei Starkregen kann er mit seinen Torfmoosdecken große Niederschlagsmengen aufnehmen.“

Nicht so das Königsdorfer Weidfilz. In den Jahren nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurde dort industriell Torf abgebaut, anschließend im Handverfahren noch bis etwa 1970. Drei große Baggergräben, bis 50 Meter breit, und ein Schlitzgrabensystem durchziehen heute das Hochmoor. Der Torfkörper sei in 90 Jahren um knapp 70 Zentimeter geschrumpft. Dennoch sind die Voraussetzungen für eine Renaturierung laut LBV gut.

Bereits 2005 wurden unter Begleitung der Lenkungsgruppe Tölzer Moorachse eine Fläche von 20 Hektar des Königsdorfer Weidfilzes renaturiert, das heißt in einen naturnahen Zustand zurückgeführt. „Hier wurden zahlreiche kleine Torfwälle in das Schlitzgrabensystem eingebaut, das anschließend von Regenwasser gespeist wird“, erklärt Wintersberger. Nach drei Wochen waren die Maßnahmen abgeschlossen. Wie gut sich die renaturierte Fläche entwickelt, zeigt Gebietsbetreuerin Birgit Weis regelmäßig in Führungen.

Doch Weis will mehr. Insgesamt ist das Königsdorfer Weidfilz 250 Hektar groß, 140 Hektar davon liegen nördlich der Staatsstraße zwischen Königsdorf und Beuerberg. Rund 60 Hektar sollen im aktuellen Vorhaben renaturiert werden. Und das dringend, sagt Weis im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn durch die schleichende Austrocknung und zunehmende Bewaldung von den Rändern her ist der Lebensraum Hochmoor für seine wenigen, aber besonderen Arten bedroht. Im Weidfilz wachsen neben Torfmoosen Sonnentau und Wollgras. Mehrere Libellenarten und die Kreuzotter sind dort Zuhause. Sowohl Umweltministerium als auch Landesamt für Umwelt sehen im Königsdorfer Weidfilz Potenzial und befürworten laut LBV eine Wiederherstellung.

Über viele Jahre wurde das Projekt vorbereitet, so Weis. Einige Gespräche, die die Moorgebietsbetreuerin und ihre Kollegin Elisabeth Pleyl mit Grundeigentümern geführt haben, verliefen positiv. Andere negativ. Gefördert wird die Aktion durch das Klimaprogramm Bayern 2020 des Freistaats und vom Landkreis. Mit der beabsichtigten Moorrenaturierung im Weidfilz werden die vor 100 Jahren angelegten Gräben und einzelnen Torfstiche durch Torfwälle wiedervernässt. „Es wird nicht ins Oberflächen- und Grundwasser eingegriffen oder gar Bäche aufgestaut“, betont Winterberger. Ebenso wenig sollen Wirtschaftsflächen beeinflusst werden. Geprüft wird das Projekt in einem Wasserrechtsverfahren durch das Landratsamt, das noch bearbeitet wird und auf das der LBV wartet. „Es läuft seit Dezember 2013“, berichtet Weis. Wann die Erlaubnis kommt, sei nicht abzusehen. „Unser Plan ist aber, noch diesen Winter anzufangen.“

Die Gemeinde Königsdorf steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Einstimmig lehnte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Wiedervernässung des Königsdorfer Weidfilzes ab. Die Gemeinde war erneut zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, nachdem die Räte schon in einem ersten Beschluss die Zustimmung verweigert hatten. Hauptgrund für das Nein war der Bau der geplanten Ultrafiltrationsanlage für die Trinkwasserversorgungen in Geretsried und Königsdorf.

Alessandro Capasso

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