+
„Weil es eindrucksvoller ist“, hat Uwe Schulz alle Unterschriftenlisten zusammengeheftet. Inzwischen hat die Papierrolle eine Länge von 4,5 Metern.

„Wir brauchen   einen Hautarzt“

Geretsried - Uwe Schulz sammelte über 480 Unterschriften, die seine Forderung nach einem Hautarzt mit Kassenzulassung unterstützen.

Uwe Schulz ist ein umtriebiger Geist. Nicht alle seine Initiativen in der Vergangenheit waren von Erfolg gekrönt. Mit seiner jetzigen Aktion hat der 68-jährige Geretsrieder allerdings voll ins Schwarze getroffen: Innerhalb von nur einer Woche hat er über 480 Unterschriften gesammelt. Sie alle unterstützen seine Forderung nach einem Hautarzt mit Kassenzulassung in Geretsried.

Mitte Mai hatte Uwe Schulz in unserer Zeitung über den vergeblichen Kampf der Geretsrieder Hautärztin Dr.  Angelika Rietz um eine Kassenzulassung gelesen. Weil sie bei der kassenärztlichen Vereinigung nicht durchdringt, hat die Dermatologin jetzt beim Sozialgericht München Klage eingereicht. Bürgermeister Michael Müller und die VdK-Ortsvorsitzende Gisela Lucht sagten damals in einem gemeinsamen Gespräch ihre Unterstützung zu.

„Aber der Druck muss auch von der Straße kommen“, findet Uwe Schulz. Deshalb hat er sich spontan zu einer Unterschriftenaktion entschlossen – auch aus persönlicher Betroffenheit. Der 68-Jährige leidet seit mehr als 20 Jahren an Psoriasis, besser bekannt als Schuppenflechte, und muss regelmäßig zum Arzt. Hautarztpraxen gibt es aber nur in Wolfratshausen und Bad Tölz. Aus Sicht der kassenärztlichen Vereinigung ist der Landkreis mit sechs Hautärzten überversorgt, eine Kassenzulassung für die Privatpraxis von Dr. Angelika Rietz in Geretsried wird deshalb abgelehnt.

Uwe Schulz ist dies völlig unverständlich. Anfang vergangener Woche ist der ehemalige Landtagskandidat der Linken mit seinen Unterschriftenlisten losgezogen. Einer der ersten, der unterschrieben hat, war CSU-Bürgermeister Müller. Auch auf der Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi am Samstag war der 68-Jährige unterwegs. Gestern rollte er in unserer Redaktion eine 4,5 Meter lange Papierrolle mit 480 Unterschriften aus. „Ich bin selbst überrascht über den Erfolg. Jeder, den ich angesprochen habe, hat unterschrieben“, berichtete Schulz. „Das Thema brennt den Leuten auf der Seele.“

Noch diese Woche will Schulz weitere Unterschriften im Stadtgebiet sammeln. Zudem hat er Listen im BRK-Kleidermarkt und in der Isar-Apotheke an der Johann-Sebastian-Bach-Straße ausgelegt. Er hofft, dass seine Aktion im anstehenden Gerichtsverfahren Wirkung zeigt. „Ich würde mich auch als Zeuge anbieten, um der Bevölkerung eine Stimme zu geben“, sagte er. Für ihn grenzt es schon an Ignoranz, dass es in einer Stadt mit fast 24 000 Einwohnern keine ausreichende Ärztekultur gibt. Schulz: „Wir brauchen einen Hautarzt mit Kassenzulassung – und zwar dringend.“

 Von Sabine Schörner

Auch interessant

Kommentare