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Rein und klar, so wünschen sich die Königsdorfer ihr Trinkwasser endlich wieder. Doch noch immer gilt die Abkochanordnung.

Trinkwasser in Königsdorf

„Wir können nicht länger warten“

Königsdorf - Königsdorfs Gemeinderat will mehr Druck machen, um eine schnelle Lösung des Trinkwasserproblems herbeizuführen. Einstimmig befürwortete er den Antrag, weitere Alternativen zu prüfen.

Lebhaft haben die Räte am Dienstagabend den Antrag der Gemeinderäte Markus Orterer (FW) und Josef Mayr (CSU) diskutiert. Wie berichtet fordern die beiden Räte, die Anschlussmöglichkeiten an die Wasserversorgung der Nachbargemeinden prüfen zu lassen, parallel zum Gerichtsweg und den Bemühungen um eine dritte Meinung zur Trinkwassersituation. Zudem sollen die Möglichkeit eruiert werden, für tiefere Bohrungen am bestehenden Trinkwasserbrunnen sowie nach einer neuen Quelle gesucht werden.

Das waren Forderungen, die die zahlreichen Zuhörer mit Applaus quittierten. „Wir können nicht länger warten, sondern müssen die Alternativen anpacken“, beschwor Orterer die Runde. Der nächsten Generation wolle man gutes Wasser und keine Ultrafiltration hinterlassen. Schließlich habe der Leiter des Gesundheitsamtes der Gemeinde nicht verboten, nach Alternativen zu suchen, sagte er in Richtung von Bürgermeister Anton Demmel.

Dieser hatte zuvor auf die „Euphoriebremse“ getreten und auf die bestehende Anordnung für eine Ultrafiltrationsanlage seitens des Gesundheitsamtes hingewiesen. Demmel sprach sich dennoch für den Antrag aus. Man wolle nicht an Glaubwürdigkeit bei den Bürgern verlieren. Manche würden glauben, die Gemeinde unternehme nichts. Tatsache sei aber, dass keine sichtbaren Ergebnisse vorliegen, weil man überall „auf Granit beißt“.

Zu bedenken gab Demmel allerdings, dass Leitungen zu den Nachbargemeinden pro Kilometer zwischen 150 000 und 180 000 Euro kosten. Nach fünf Kilometern habe man bereits die Kosten für die Ultrafiltration erreicht. Hans Hartl (FW) ergänzte, dass die Genehmigung eines Wasserschutzgebiets acht bis zehn Jahre benötige.

Luise Seemayer (CSU) bemerkte: „Es ist wichtig den Parallelweg zu gehen. Wir müssen unsere Hausaufgaben komplett machen.“ Josef Birzele (UBL) betonte, dass man mit dem Antrag „das Heft wieder in die Hand nimmt“. Es liege eine Anordnung des Gesundheitsamts vor, die so gar nicht zu vollziehen sei. Gefordert sei nämlich, auch das Gebrauchswasser abzukochen. Nehme man das beim Wort, müsste man sogar Einrichtungen schließen. Birzele forderte zudem eine Beschleunigung des Gerichtsverfahrens, angesichts von 30 000 betroffenen Bürgern.

UBL-Rat Dr. Georg Stöckl sah in dem Antrag eher eine mittel- bis langfristige Lösung. „Uns läuft aber die Zeit davon.“ Kurzfristig nötig seien drastischere Maßnahmen, ein Signal. „Dann muss man eben die Kindertagesstätte zusperren, um Öffentlichkeit zu generieren.“ Auch müsse ein höherer Druck auf das Landratsamt müsse aufgebaut werden. „Ich werde den Konfrontationskurs nicht anführen, aber auch nicht aufhalten“, so der Rathauschef zu Stöckls Ausführungen.

Abschließend beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung einstimmig, die für den Antrag nötigen Daten abzuklären. Birzele präsentierte einen fraktionsübergreifenden Antrag von neun Räten für eine öffentliche Wasser-Sondersitzung. „Man muss aufpassen, nicht depressiv zu werden, wenn man chancenlos ist, obwohl man Recht hat“, sagte Vize-Bürgermeister Sebastian Seidl (CSU). Und: „Wenn Geretsried nicht auch betroffen wäre, würde es über Königsdorf heißen: das gallische Dorf, die haben nicht alle Tassen im Schrank.“

von Yvonne Zuber

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