Ein Fan wird neutral

- Petra Staber lässt Eishockeyspieler nach ihrer Pfeife tanzen

VON KATHARINA BROMBERGER Dietramszell - Wahrhaftige Fans, beispielsweise von Entertainer Robbie Williams, stehen - wenn`s sein muss - stundenlang in der Kälte, nur um einen kurzen Blick auf ihr Idol zu erhaschen. Ein eingefleischter Fan war auch Petra Staber. Auf Rockstars stand die Bäckereifachverkäuferin freilich nie. Ihr Herz schlug als Teenie für das Rosenheimer Eishockeyteam. Die Liebe zum Eissport ist geblieben, die Schwärmerei für die Spieler hat sich in Neutralität gewandelt: Petra Staber ist Schiedsrichterin in der Bayernliga.

Wahrlich kein gewöhnliches Hobby. Immerhin muss sich die 28-Jährige in einer Männerdomäne behaupten, muss das vermeintlich stärkere Geschlecht im wahrsten Sinne nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Probleme sich durchzusetzen, hat die junge Frau aus Erlach in der Gemeinde Dietramszell aber nicht. "Es kommt immer auf einen selbst an", meint Staber. "Es ist ein Männerjob. Doch ich habe ihn mir ausgesucht." Sie versteht nicht, warum sich manche der wenigen Kolleginnen so distanzieren, warum sie "immer eine Extrawurst wollen". "Zicken" dürften sich wirklich nicht wundern, wenn man sie nicht ernst nimmt.

Es gebe durchaus Spieler, "die meinen: ,Das ist eine Frau, da kann ich mich aufführen`". Solche Quertreiber weist die routinierte Schiedsrichterin sofort in die Schranken. "Wer ständig reklamiert und mosert, wird ganz schnell verräumt." Ein scharfer Pfiff und die Meckerer haben zehn Minuten Zeit, ihr Verhalten auf der Strafbank zu überdenken. Auf dem Eis kennt Staber, die selbst mal in der Landesliga Eishockey gespielt hat, keine Sympathie. "Ich hätte nie gedacht, dass man so neutral werden kann", wundert sie sich, wenn sie auf ihre "extreme Fanzeit" zurückblickt.

Die Liebe zu den Rosenheimern erblühte vor etwa zehn Jahren. Die damals 18-Jährige fuhr zu jedem Auswärtsspiel der Starbulls mit, von Mannheim bis Weißwasser. "Da lernt man die Spieler und Schiris kennen." Im April 1997 überredeten sie jetzige Kollegen zum Lehrgang, schon im Oktober desselben Jahres sorgte sie zum ersten Mal für Ruhe auf dem Eis. Mittlerweile pfeift sie über 50 Partien in der Saison. Kein Abseits oder Icing entgeht ihrem geschulten Auge.

Das mittlerweile hohe Spielniveau - auch schon in der Bayernliga - erfordert Fitness. "Nach Saisonende geht`s erst einmal ins Trainingslager nach Slowenien", erzählt Staber. Dennoch: An die Muskelkraft ihrer männlichen Kollegen kommt sie natürlich nicht heran. Ein Nachteil? "Nur bei Schlägereien", sagt Staber. In einem Pulk aus Streithähnen in monströser Eishockeykluft geht sie nicht dazwischen. "Das bleibt Männersache."

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