Isarranger Bernhard März
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In der Natur unterwegs: Bernhard März ist seit 1989 Isar-Ranger im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Zu seinem Bereich gehört auch der Isarspitz, wo sich viele Swinger treffen.

Nach der Razzia: Interview Isar-Ranger Bernhard März

Schnackseln an der Isar? - „Die Situation war schon schlimmer“

  • VonDominik Stallein
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Junkies, Swinger, Exhibitionisten: Immer wieder gibt es Probleme in der Pupplinger Au. Erst kürzlich machte die Polizei dort eine Razzia. Wie ist die Lage dort wirklich?

Herr März, die jüngste Razzia in den Isarauen hat hohe Wellen geschlagen. 100 Menschen, die die Polizei einer einschlägigen Szene zuordnet, trafen die Beamten dort an. Ist das der Normalzustand an diesem Ort, der als „Schnacksel-Treff“ verrufen ist?

Bernhard März: Die Zahl ist natürlich sehr hoch. Aber an dem Tag gab es trotzdem keine strafbaren Handlungen dieser Art. An dieser Stelle gibt es viele Menschen, die sich einfach gerne in der Natur aufhalten, FKK betreiben, aber die anderen Besucher und die Umwelt in Ruhe lassen. Daran stören sich dann auch die anderen Erholungssuchenden nicht. Die wissen, dass dort, zwischen Ascholding und Puppling, eben auch ein paar Nackte in der Sonne liegen. Es hat sich bei den allermeisten Naturfreunden ein ruhiges Nebeneinander zwischen textilfreien und anderen Besuchern entwickelt.

Und dennoch gibt es immer wieder einmal Probleme.

März: Es gibt Fälle von Belästigungen und Exhibitionismus. Es gibt Menschen, die dort eindeutige Handlungen an sich selbst vollziehen oder dies in Gesellschaft tun und sich dabei nicht verstecken, sondern es vor aller Augen tun, zum Teil auch wenn Familien mit Kindern sich dort aufhalten. Auf einigen Internetseiten wird das Areal angepriesen als Treffpunkt für Swinger und andere Leute, die man dort nicht unbedingt haben möchte. Das stellt natürlich ein Problem dar, das brauchen wir nicht zu leugnen. Aber: Die Situation war schon einmal deutlich schlimmer.

Woran machen Sie das fest?

März: Die strafrechtlich relevanten Fälle, die sich dort ereignen, sind meiner Einschätzung nach seltener geworden.

Wie merken Sie das in Ihrer Arbeit?

März: Bei meinen Runden an der Isar habe ich früher immer wieder Frauen getroffen, die mir berichteten, dass sie von Exhibitionisten belästigt wurden. Manche wurden geradezu verfolgt. Das war verstörend für einige der Frauen. Ich weiß, dass so etwas leider immer noch vorkommt. Aber diese Fälle nehmen deutlich ab. Ich wundere mich trotzdem, wenn ich höre, dass bei der Polizei nicht alle Fälle angezeigt werden. Das wäre in meinen Augen der beste und richtige Weg.

Polizei, Sicherheitswacht, Ranger und Bergwacht unternehmen seit zwei Jahren regelmäßige Begehungen. Sehen Sie einen Zusammenhang mit dem Rückgang an strafrechtlich relevanten Fällen?

März: Sicher ist das so. Ich muss dazu erklären, dass die gemeinsamen Begehungen zwar im Frühling 2019 erst begonnen haben. Aber alle Beteiligten waren auch in den Jahren zuvor schon in diesem Bereich der Isarauen präsent. Mein Eindruck ist, dass die Bestreifungen etwas bewirkt haben. Den Leuten, die dort eben nicht nur Natur und Sonne genießen wollen, wurde damit klar gemacht, dass man sie auf dem Schirm hat. Die Kooperation von Polizei und Landratsamt hat Unruhe in die Szene gebracht. Die Betreffenden haben gemerkt: Der Bereich an der Isar ist nicht ihre privat Spielwiese. Die Uniformen an der Isar haben Eindruck gemacht. Es ist dadurch nicht alles perfekt, aber es hat sich merklich beruhigt.

Es hat sich Ihren Worten nach beruhigt – trotzdem wurden 100 Personen aus der einschlägigen Szene getroffen. Das widerspricht sich doch.

März: Das waren nicht 100 Menschen, die andere belästigt haben. Natürlich gibt es immer noch eine große Szene, die dort Sexpartner sucht – vorwiegend Homosexuelle, aber auch Heteros. Doch das sind nicht alles wüste Leute, die andere Badegäste stören. Aber jeder Fall, bei dem es zur Belästigung kommt, ist einer zu viel, das ist ja ganz klar.

Was können Sie als Isar-Ranger tun?

März: Das Landratsamt hat an einigen Stellen Schilder aufgestellt, die auf das Problem aufmerksam machen. Und wir zeigen natürlich regelmäßig Präsenz. Ich bin nicht die Sittenpolizei, sondern achte vor allem auf Naturschutzthemen. Aber ich werde auch von den Menschen gesehen, die vielleicht etwas anderes suchen als Erholung. In dem seltenen Fall, in dem ich selbst etwas sehe – sittenwidrig oder tatsächlich strafrechtlich relevant – greife ich sofort ein. Wenn jemand Hilfe braucht, dann helfe ich und informiere, wenn das nötig ist, natürlich auch die Polizei.

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