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Fleißige Helfer: Zweimal im Jahr sammelt die Kolpingfamilie Waldram in und um Wolfratshausen herum Altkleider und Altpapier ein. 

Kolpingfamilie Waldram lädt Experten ein 

Was passiert mit den alten Kleidern ?

Zweimal im Jahr veranstaltet die Kolpingfamilie Waldram ihre traditionelle Straßensammlung für Altkleider. Viele Bürger, die ihre abgelegten Hosen, T-Shirts, Hemden und Jacken in Säcken an die Straße stellen, wüssten sicher gerne: „Wie geht’s mit meinen alten Klamotten weiter?“

WolfratshausenZumal „es Gerüchte gibt, dass das alles nicht ganz ökologisch sei“, wie Karl Wittmann, Geschäftsführer der Firma Wittmann Textil Recycling, weiß. Das vor einem halben Jahrhundert im niederbayerischen Geisenhausen gegründete Unternehmen unterstützt die Waldramer Kolpingfamilie bei ihren Sammlungen. Bei einem Infoabend gaben Karl Wittmann und sein Neffe Martin Wittmann, ebenfalls Geschäftsführer des rund 100 Mitarbeiter zählenden Unternehmens, kürzlich Einblicke in das Geschäft mit den alten Kleidern.

Über 90 Prozent der Kleidungsstücke werden wieder verwendet

Mit mehr als 4000 Containern sind die niederbayerischen Recycling-Spezialisten im Bereich Wiederverwerten von Textilien Marktführer in Bayern. Im vorigen Jahr kamen rund 25 000 Tonnen Textilien und 17 000 Tonnen Papier zusammen. „Über 90 Prozent der Kleidungsstücke werden wieder verwendet“, erläuterte Martin Wittmann. Mehr als die Hälfte davon werde wieder getragen. Etwa ein Fünftel würden zu Putzlappen verarbeitet.

Billigimporte machen die Textilindustrie kaputt

Die Auswahl findet in spezialisierten Sortierbetrieben statt. 44 Prozent der Alttextilien landen als Secondhandware in Europa und den ehemaligen Sowjetstaaten, 28 Prozent kommen in Afrika auf die Wühltische. Dort wird der Handel mit getragenen Klamotten besonders kritisch beäugt. Auf dem Markt in Nairobi, das zeigte Wittmann in einem kurzen Film, gibt es ein Hemd für einen Euro, Hosen sind ab zwei Euro zu haben. Ein junger Kenianer schlüpft stolz in ein Designer-Jackett, für das er zehn Euro hingeblättert hat. Ein Händler erklärt: „Ja, Billigimporte machen die Textilindustrie kaputt. Aber nicht Altkleider, sondern billige Kopien aus Asien.“ In Nairobi gebe es etwa 200 000 Händler für alte Kleidungsstücke. „Das sind mindestens 200 000 Leute, die sonst keine Arbeit hätten.“

Wiederverwendung spart Ressourcen

Andere Ursachen wie Wirtschafts- und handelspolitische Probleme, Infrastrukturmängel wie etwa eine mangelnde Energieversorgung seien neben den Billigprodukten aus Fernost für die Misere der afrikanischen Textilproduktion viel gravierender, betonte Martin Wittmann. Die Wiederverwendung von Textilien spare zudem Ressourcen. „Zur Herstellung von einem Kilogramm Baumwolle werden 8 500 Liter Wasser benötigt, zudem Pestizide“, so Wittmann. „Ein gebrauchtes T-Shirt spart drei Kilogramm Kohlendioxid.“ Nicht zu vergessen: Laut Bundesregierung „sind 70 Prozent der Weltbevölkerung auf gebrauchte Kleidung angewiesen, weil sie sich keine neue Bekleidung leisten können“, so Martin Wittmann.

Die Qualität der Sammelware sinkt

„Das ist erfreulich, dass es in Afrika einen Nutzen hat und Arbeitsplätze generiert werden“, bilanzierte Thomas Erhard, Vorstand der Waldramer Kolpingfamilie. „Das war für mich neu.“ Das gilt mutmaßlich ebenso für einige der Anekdoten, die Karl Wittmann zum Abschluss des Infoabends lieferte. „Sie glauben nicht, was wir in unseren Containern alles finden: Hund, Katze, Fuchs – da ist alles drin“, berichtete der Niederbayer. Rund acht bis zehn Prozent des Containerinhalts sei Müll.

Was mit ausrangierten Schuhen passiert, wollte eine Zuhörerin wissen. Die könne man genauso bei der Sammlung abgeben, antwortete der Experte. „Bis auf Ski- und Schlittschuhe – damit tut sich der Afrikaner schwer.“ Sportschuhe und Bergstiefel seien hingegen gefragt. Letztlich spüre auch die Altkleiderbranche den Trend zu Billigprodukten aus Fernost. „Die Qualität der Sammelware sinkt. Wir kriegen immer mehr Plastik“, sagte Wittmann. „Das kannst Du nicht mal mehr als Putzlumpen hernehmen.“

Infos zur Sammlung

Am Samstag, 1. April, findet die nächste Gebrauchtkleider- und Altpapiersammlung der Kolpingsfamilie Wolfratshausen statt. Gemeinsam mit den Burschenvereinen Beuerberg, Gelting und Weidach sowie mit der Jugend der Freiwilligen Feuerwehr Deining werden die Gebiete Wolfratshausen mit Dorfen, Weidach, Farchet und Gelting (inklusive Buchberg) sowie Beuerberg und Deining von den freiwilligen Helfern abgefahren. Die Sammlung beginnt um 8 Uhr. Die Kolpingfamilie bittet darum, dass die Sammelware gut verpackt und gut sichtbar am Straßenrand bereitsteht. Tüten und Kartons sollten mit dem Hinweis „Kolpingfamilie Wolfratshausen“ versehen sein, um eine unbefugte Einsammlung zu verhindern. Die Helfer treffen sich um 7.50 Uhr auf dem Parkplatz von Eagle-Burgmann an der Äußeren Sauerlacher Straße . Fragen beantworten die Kolperer unter der Telefonnummer 01 51/55 29 39 61. Diese Nummer kann man auch wählen, wenn das Sammelgut bis 11.30 Uhr nicht abgeholt worden ist.

Von Rudi Stallein

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