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Unwetter in Bayern: Versicherer melden drastische Schadenssumme – „Das ist schon eine Hausnummer“

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Ein Gewitter zieht im August 2021 über Altenmarkt in Bayern.
Hagel © Tobias Hartl/vifogra/dpa

Eine Spur der Verwüstung hinterließ das Unwetter in Wolfratshausen im Sommer. Inzwischen steht fest: Der Sachschaden beläuft sich auf gut 150 Millionen Euro.

Wolfratshausen – Am Abend des 21. Juni zogen tiefschwarze Wolken über Wolfratshausen* auf. Erst krachten minutenlang Hageklumpen so groß wie Golfbälle vom Himmel, es folgte sintflutartiger Regen. Das Unwetter richtete in der Region immensen Schaden an*, der auch knapp drei Monate nach dem folgenschweren Ereignis noch nicht exakt beziffert werden kann. Wer die einzelnen Meldungen diverser Kfz-Versicherer addiert, erreicht aber schnell die 150-Millionen-Euro-Grenze.

Die einen Autobesitzer in Wolfratshausen, Geretsried und Umgebung kamen in besagter Nacht mit einem blauen Auge, das heißt, mit ein paar wenigen Dellen im Fahrzeugblech davon. Andere erfuhren nach dem verheerenden Hagelschlag von dem Kfz-Gutachter ihres Vertrauens die schmerzliche Diagnose: Es ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Unwetter in Bad Tölz-Wolfratshausen: Schaden „deutlich über 100 Millionen Euro“

Um reparieren zu können, was sich noch reparieren ließ, zog der Dienstleister „Carglass“ in Geretsried Mitarbeiter aus ganz Deutschland* zusammen. Die benachbarte Flößerstadt geriet zum Mekka für Kfz-Sachverständige. Seit Anfang Juli begutachteten zum Beispiel Experten im Auftrag der Württembergischen Versicherung in Wolfratshausen rund 1100 Autos, berichtet Pressesprecherin Dörte Lochner auf Nachfrage unserer Zeitung. Die bis zum 24. September ermittelte Schadenssumme „bewegt sich in einer Höhe zwischen 500 und 40.000 Euro je Fahrzeug“, so Lochner. „Einen Gesamtschaden pro Begutachtungsaktion ermitteln wir in der Regel nicht.“

Auch die HUK-Coburg schickte vor drei Monaten Gutachter nach Wolfratshausen sowie in weitere schwer von Hagelschlägen betroffene Regionen in Süddeutschland. Insgesamt liegen der HUK im Moment etwa 37.000 Meldungen über beschädigte Fahrzeuge vor, teilt Pressesprecherin Karin Benning mit. Die vorläufige Schadenssumme: „Deutlich über 100 Millionen Euro.“

Hagel-Schäden in Wolfratshausen: „Das ist schon eine Hausnummer“

Ebenfalls Anfang Juli richtete das Hagelschadenzentrum Ulm drei Standorte in Wolfratshausen ein. Mehr als ein Dutzend Experten verschiedener Kfz-Versicherungen begutachtete seither im Akkord zerbeulte Motorhauben und Dächer sowie gesprungene beziehungsweise gesplitterte Front- und Heckscheiben. Nicht zu vergessen: Pkw-Elektronik, die quasi überflutet worden ist.

„Etwa 18.000 bis 22.0000 Autos dürften es bis jetzt gewesen sein“, bilanziert Projektleiter Sven Werkmeister. „Das ist schon eine Hausnummer“, meint Werkmeister, der seit zehn Jahren beim Ulmer Unternehmen arbeitet, mit Blick auf die Gesamtzahl der beschädigten Pkw. In der Branche werde von „über 50 000 Autos in Wolfratshausen und Umgebung“ gesprochen.

Die Schäden, die in den drei Zentren in Wolfratshausen von den Sachverständigen protokolliert worden sind, reichen laut Werkmeister von 800 bis gut 25.000 Euro. „Im Durchschnitt waren es 3500 bis 4000 Euro pro Fahrzeug.“ Und: „Ganz, ganz viele Totalschäden gab es leider auch.“ Die Dellen in den Blechkarossen waren im Durchmesser fünf bis zehn Zentimeter groß, erläutert Werkmeister.

Unwetter in Bayern: Experte rechnet mit höherer Frequenz und Intensität

Der Projektleiter erinnert sich an ein Auto aus Berg (Kreis Starnberg*), auf dem die Eisklumpen deutlich kleinere Beulen hinterlassen hatten: „Dafür waren’s in Summe mehr als 1000 Stück.“ Derzeit kämpft das Technikteam des Hagelschadenzentrums mit Lieferengpässen. „Die Ersatzteilbeschaffung ist eine Riesenkatastrophe“, stellt Werkmeister fest. Mangelware seien vor allem elektronische Bauteile, aber auch viele Karosseriebleche seien nur schwer zu beschaffen. Die Motorhaube eines bestimmten Audi-Modells „ist im Moment gar nicht mehr zu bekommen“.

Werkmeister geht davon aus, dass das Hagelschadenzentrum erst Ende Oktober/Mitte November seine Zelte in Wolfratshausen abbrechen wird. Die besonders schweren Fälle, denen bis dahin nicht wieder auf die Reifen geholfen werden konnte, „nehmen wir mit nach Ulm“.

Die Arbeit wird den Gutachtern und Beulen-Spezialisten wohl so schnell nicht ausgehen. Im Gegenteil: Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen, warnt: Man müsse sich darauf einstellen, dass sich die „Frequenz und die Intensität“ von Naturereignissen wie Unwetter mit Hagel und Starkregen* erhöhe. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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