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Gratulation in Corona-Zeiten: Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen, re.) und Günther Eibl (CSU) stehen in der Bürgermeister-Stichwahl am 29. März.

Heinloth fehlen 36 Stimmen

Bürgermeisterwahl in Wolfratshausen: Stichwahl zwischen Heilinglechner und Eibl

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Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (BVW) und Günther Eibl (CSU) feiern den Etappensieg: Sie ziehen in die Bürgermeister-Stichwahl am 29. März ein, die Annette Heinloth um Haaresbreite verpasst. Eibl bekommt 36 Stimmen mehr als die Grünen-Kandidatin.

WolfratshausenDeutschland schließt die Grenzen, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigt den sogenannten Shutdown im Freistaat an – und die Wolfratshauser wählen einen Bürgermeister. Nichts war an diesem Sonntag Routine. Noch am späten Nachmittag war unklar, ob das Rathaus zugesperrt werden muss. Der Ort, an dem sich an jedem Wahlabend die Spitzenkandidaten, die Vorsitzenden der Parteien und politischen Gruppierungen sowie interessierte Bürger treffen, um quasi live dabei zu sein, wenn die Ergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken eintreffen. Schließlich entscheidet Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) in Ermangelung einer Allgemeinverfügung durch eine höhere Instanz: „Das Rathaus muss wahlrechtlich geöffnet sein.“

Wolfratshausen: Der Wahlabend kostet Nerven

Es folgt ein Wahlabend, dessen Drehbuch aus der Feder eines großen Dramaturgen stammen könnte: Als um 18.18 Uhr das erste und um 18.20 Uhr das zweite Ergebnis auf der Leinwand im Sitzungssaal auftaucht, sieht Günther Eibl seine Felle schon davon schwimmen. Amtsinhaber Heilinglechner scheint für die Stichwahl in diesem Moment gesetzt, Manfred Menke (SPD) und Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) mutmaßlich chancenlos. Auf Platz zwei: Annette Heinloth (Grüne), satte zwei Prozentpunkte vor dem CSU-Spitzenkandidaten. „Es ist wie es ist“, murmelt Eibl.

Zehn Minuten später scheint sich der Trend zu bestätigen. Heilinglechner hat die Nase ganz weit vorne, Heinloth hält Eibl locker auf Distanz. „Kugler hat im konservativen Lager gefischt“, erklärt Eibl, warum er weniger Stimmen hat als erhofft.

Nur fünf Minuten später bessert sich die Laune des Christsozialen. Heilinglechner ist enteilt, doch Heinloths Vorsprung ist auf ein Prozentpünktchen zusammengeschmolzen. Der Rathauschef bietet den Besuchern im Sitzungssaal stilles Wasser an, Menke ergibt sich in sein Schicksal: „Davon geht die Welt nicht unter“, sagt er angesichts von nur etwas mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen.

Eibl und Heinloth liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Minuten später liefern sich Eibl und Heinloth ein Kopf-an-Kopf-Rennen. „Das ist noch nicht gelaufen“, frohlockt der ehemalige CSU-Stadtrat Paul Brauner. Der Fraktionssprecher der Grünen im Stadtrat, Dr. Hans Schmidt, lehnt betont entspannt am Türrahmen. Doch sein Gesicht spricht Bände. Seine Fieberkurve steigt – und das hat nichts mit dem fiesen Virus zu tun, das grassiert. Heinloth geht an die frische Luft. Ganz in der Nähe, im neuen Ohnverpackt-Laden am Obermarkt, haben sich viele ihrer Parteifreunde getroffen und drücken der Spitzenkandidatin aus der Ferne die Daumen. „Da sag’ ich mal schnell Hallo.“

Als Heinloth in den Sitzungssaal zurückkehrt, hat Eibl ein paar Schweißperlen auf der Stirn. Er hat aufgeholt, mehr noch, er hat Heinloth überholt. Knapp 0,5 Prozent, eine Handvoll Stimmen könnten ihn zum Etappensieger machen. Doch es fehlen noch zwei Wahlbezirke. Die Spannung im Raum kann jeder greifen.

Klaus Heilinglechner erreicht Etappenziel

Heilinglechner hat seine Schäfchen im Trockenen. Er scherzt mit Familie und Freunden – hat aber die Leinwand stets fest im Blick. Wer wird sein Gegenkandidat? Schwarz – oder schafft’s Grün, das Ruder noch einmal herumzureißen?

19.45 Uhr, die Würfel sind gefallen. Die Presse macht Porträtfotos von Eibl, dann ein Foto des CSU-Kandidaten mit dem erfolgreichen Spitzenvertreter der Bürgervereinigung. Eine Zahl macht die Runde: 36. Drei Dutzend Stimmen sind’s, die Heinloth von der Stichwahl trennen. „Unglaublich“, entfährt es Schmidt.

Verpasste die Stichwahl um Haaresbreite: Annette Heinloth (Mi.) fehlten unterm Strich 36 Stimmen. Trotzdem überwog bei ihr die Freude über das „hervorragende“ Wahlergebnis.

Wie groß ist ihre Enttäuschung? „Ich bin nicht enttäuscht“, sagt Heinloth, das Ergebnis „ist hervorragend“, sie sei sehr zufrieden. „Als grüne Frau mehr als 20 Prozent – das kann sich ja wohl sehen lassen.“ Der Ortsverband habe einen guten Wahlkampf gemacht, betont Heinloth. Und man dürfe für sich in Anspruch nehmen, maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass es „ein sehr, sehr spannender Wahlabend war“. Die Wahlbeteiligung lag übrigens bei 56,24 Prozent

Eibl macht kein Hehl aus der Tatsache, dass der Abend für ihn eine Zitterpartie war. „Ich habe selten so geschwitzt“, gibt er mit einem Lächeln zu. „Jetzt geht’s in die Verlängerung“, so Eibl mit Blick auf den 29. März. „Jetzt müssen die Kräfte noch einmal gebündelt werden.“ Spricht’s – und entschwindet mit CSU-Stadträtin Claudia Drexl-Weile ins Eiscafé Cristallo zu einer kleinen Wahlparty.

Kugler, der erst kurz vor Schluss den Sitzungssaal betritt, muss sich mit 16,55 Prozent begnügen. Ein „Top-Ergebnis“, urteilt er selbst, „ich bin zufrieden“. Man dürfe nicht vergessen, dass die Wolfratshauser Liste erst im Herbst vergangenen Jahres aus der Taufe gehoben worden ist. „Wenn ich auf die Stimmen schaue, fehlen mir ja nicht viele zur Stichwahl“, bilanziert Kugler. Er bekam summa summarum 1374 – Heinloth 1719, Eibl 1755, Heilinglechner 2412.

Kugler zufrieden, Menke enttäuscht

„Ich bin ein bisschen enttäuscht“, räumt Menke ein, 12,55 Prozent, das heißt, unterm Strich 1042 Stimmen. Platz fünf von fünf Kandidaten. Vielleicht habe ihm der Umstand geschadet, dass die SPD derzeit bundesweit nicht bejubelt werde. „Vielleicht hätte ich im Wahlkampf, bei den Podiumsdiskussionen, auch noch pointierter meine Positionen herausstellen müssen“, grübelt der Genosse. Auf der anderen Seite: Gut 800 Klinken habe er in der Flößerstadt in den vergangenen Wochen bei Haustür-Besuchen geputzt. Und: Er habe sich als gebürtiger Sauerländer nicht bei den Oberbayern „angebiedert“, sondern sei „authentisch“ geblieben. Nun gut: „Vielleicht habe ich so zu wenige Stammtische erobert.“

Klaus Heilinglechner erhält fast 30 Prozent Stimmenanteil

Heilinglechner will nicht strahlen, aber zumindest lächelt er. Es sei gut gewesen, dass sich sehr früh am Abend abgezeichnet habe, dass er problemlos die Stichwahl erreicht. Für einen Amtsinhaber, der sich erneut bewirbt, sei der Wahltag „wie ein Spiegel“, der dem Rathauschef vorgehalten werde: „Wie war die Arbeit in den vergangenen sechs Jahren?“ Fast 30 Prozent Stimmenanteil – „das ist ein sehr gutes Ergebnis“. Bei der Analyse müsse man berücksichtigen: Ein Bürgermeister könne es nie jedem recht machen, zudem seien „fünf sehr starke Kandidaten“ angetreten. Dass sein Herausforderer erst „in einem Foto-Finish“ ermittelt wurde, spreche sowohl für Heinloth als auch für Eibl. „Nun geht’s in die zweite Runde“, so Heilinglechner.

Stichwahl in Wolfratshausen: Wer wird nun wen unterstützen?

Ob der BVW-Kandidat mit Unterstützung anderer Parteien oder politischen Gruppierungen rechnen kann – oder der CSU-Bewerber Rückendeckung aus anderen Lagern bekommt, steht noch nicht fest. „Es ist noch viel zu früh, um über eine mögliche Wahlempfehlung zu sprechen“, meint Heinloth am Sonntagabend. Die Grünen würden „definitiv“ über das Thema sprechen – aber nicht in den nächsten 24 Stunden.

Was wird die Wolfratshauser Liste tun? „Darüber werden wir in Ruhe sprechen“, antwortet Kugler. „Das wird in demokratischer Runde entschieden.“ Zunächst werde man abwarten, wie sich der neue Stadtrat zusammensetzt, konkret wie viele Plätze Vertreter der Liste WOR besetzen. Kugler macht der BVW und der CSU aber ein Angebot: „Man kann mit uns reden. Meine Nummer steht im Telefonbuch, ich rufe auch gerne zurück.“

Eines steht fest: Langweilig wird’s politisch betrachtet in der Loisachstadt in den kommenden 14 Tagen nicht.

cce

Doch die Bürgermeisterwahl war nur der erste Aufschlag der Kommunalwahl - die Spannung geht weiter: Nachdem die Bürgermeisterwahlen und die Landratswahl ausgezählt sind, geht es nun um die künftige Zusammensetzung der Gemeinderäte, der Stadträte und des Kreistags. Auf die Wahlhelfer kommen morgen weitere anstrengende Stunden zu. Mit unserem Live-Ticker bleiben Sie auf dem Laufenden.

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